Schen­kungsteu­er – und die Rechts­mit­tel gegen die Grund­stücks­be­wer­tung

Im Sin­ne von § 155 BewG rechts­be­helfs- und kla­ge­be­fug­ter Betei­lig­ter der Bedarfs­be­wer­tung ist bei der Fest­stel­lung des Grund­be­sitz­werts (§ 151 Abs. 1 Nr. 1 BewG) neben den­je­ni­gen, denen der Gegen­stand zuzu­rech­nen ist, unter Umstän­den bei der Schen­kung neben dem beschenk­ten Erwer­ber (§ 154 Abs. 1 Nr. 1 BewG) nach § 154 Abs. 1 Nr. 3 BewG der Schen­ker, der die Schen­kungsteu­er selbst über­nom­men hat (§ 10 Abs. 2 ErbStG) oder als Schuld­ner der Schen­kungsteu­er in Anspruch genom­men wer­den soll (§ 20 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 2 ErbStG).

Schen­kungsteu­er – und die Rechts­mit­tel gegen die Grund­stücks­be­wer­tung

Dann han­delt es sich um eine ein­heit­li­che Fest­stel­lung ent­spre­chend § 179 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 AO 1.

Für den nach § 155 BewG kla­ge­be­fug­ten Schen­ker genügt das vom rechts­be­helfs- und kla­ge­be­fug­ten Beschenk­ten durch­ge­führ­te Ein­spruchs­ver­fah­ren gem. § 44 FGO 2.

Erhebt der an der im Sin­ne von § 179 Abs. 2 AO ein­heit­li­chen Bedarfs­wert­fest­stel­lung gem. § 155 BewG betei­lig­te Schen­ker nicht selbst Kla­ge neben der Kla­ge des Beschenk­ten (vgl. § 73 Abs. 2 FGO), so wird der Schen­ker gem. § 60 Abs. 3 FGO zur Kla­ge des Beschenk­ten bei­gela­den.

Die Ent­schei­dung über die Bedarfs­be­wer­tung für Zwe­cke der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er, hier über den Grund­be­sitz­wert (Grund­be­sitz­wert) gem. § 151 Abs. 1 Nr. 1 BewG ist unab­hän­gig von der Umset­zung des mate­ri­el­le erb­schaft­steu­er­li­che Fol­gen betref­fen­den Urteils des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 17.12.2014 3 zu tref­fen 4.

Der Grund­be­sitz­wert-Bescheid ist gericht­lich über­prüf­bar (gem. §§ 40, 100 FGO unter Beach­tung von Arti­kel 3, 19, 20, 100, 103 GG).

Nöti­gen­falls kann ein Sach­ver­stän­di­gen-Gut­ach­ten ein­ge­holt wer­den, gege­be­nen­falls münd­lich i. V. m. rich­ter­li­cher Augen­scheins­ein­nah­me 5.

Bei der gericht­li­chen Über­prü­fung des Bewer­tungs­ver­fah­rens, hier des Ver­gleichs­wert­ver­fah­rens, kann u. a. kon­trol­liert wer­den, ob das Finanz­amt die Vor­ga­ben des Gut­ach­ter­aus­schus­ses rich­tig ange­wandt hat oder ob aus­rei­chen­de Mit­tei­lun­gen des Gut­ach­ter­aus­schus­ses vor­lie­gen 6.

Dabei trägt das Finanz­amt die Fest­stel­lungs­last 7.

Soweit sich bei der gericht­li­chen Über­prü­fung des Grund­be­sitz­wert-Bescheids ein ande­rer Grund­be­sitz­wert ergibt, kön­nen die Betei­lig­ten sich die­se Erkennt­nis­se zu eigen machen; sei es der Steu­er­pflich­ti­ge gem. § 198 BewG oder sei es das Finanz­amt nach § 68 FGO oder auch § 173 AO 6.

Bei der gericht­li­chen Kos­ten­ent­schei­dung gereicht es dem Steu­er­pflich­ti­gen nicht ohne wei­te­res zum Nach­teil, wenn er anstel­le der mög­li­chen Ein­ho­lung eines – in der Regel teu­ren und zumin­dest außer­ge­richt­lich nicht erstat­tungs­fä­hi­gen – Pri­vat­gut­ach­tens gem. § 198 BewG – ggfs. zunächst – den Weg der Anfech­tung des Grund­be­sitz­wert-Bescheids wählt 8.

Das gilt erst recht, wenn das Finanz­amt den Grund­be­sitz­wert erst mit der Ein­spruchs­ent­schei­dung nach­voll­zieh­bar begrün­det hat und des­halb danach ein schrift­li­ches Pri­vat­gut­ach­ten nicht ohne wei­te­res noch vor Ablauf der Kla­ge­frist ein­ge­holt wer­den konn­te.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 18. Janu­ar 2016 – 3 K 176/​15

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 06.07.2011 – II R 44/​10, BFHE 234, 107, BSt­Bl II 2012; – II R 43/​10, BFH/​NV 2011, 2122[]
  2. vgl. Urtei­le Finanz­ge­richt Ham­burg vom 20.01.2015 3 K 180/​14, juris Rz. 67 ff.; BFH vom 06.07.2011 – II R 44 /​10, BFHE 234, 107, BSt­Bl II 2012, 5[]
  3. BVerfG, Urteil vom 17.12.2014 – 1 BvL 21/​12, BSt­Bl II 2015, 50, DStR 2015, 31, HFR 2015, 169[]
  4. FG Ham­burg, Urteil vom 20.01.2015 3 K 180/​14[]
  5. vgl. FG Ham­burg, Urtei­le vom 30.08.2013 – 3 K 206/​11, EFG 2014, 113, DSt­RE 2014, 799; vom 22.02.2010 – 3 K 159/​09, EFG 2010, 1294, DSt­RE 2010, 1453[]
  6. vgl. FG Ham­burg, Zwi­schen­ur­teil vom 28.08.2014 – 3 K 134/​13[][]
  7. Halac­zin­sky in Rössler/​Troll, BewG, § 183 Rz. 2, 6[]
  8. Nie­der­säch­si­sches FG, Beschluss vom 24.03.2015 – 1 K 204/​13; vgl. fer­ner Halac­zin­sky in Rössler/​Troll, BewG § 183 Rz. 15[]