Urteils­grün­de – und das Vor­brin­gen der Betei­lig­ten

Wenn die Klä­ge­rin rügt, das Finanz­ge­richt habe sich nicht mit der Rich­tig­keit ihrer Anga­ben und den kon­kre­ten Gege­ben­hei­ten des Lebens­sach­ver­halts aus­ein­an­der­ge­setzt, son­dern ledig­lich unter­stellt, ihre Anga­ben sei­en unzu­tref­fend, macht sie inzi­den­ter gel­tend, das Urteil sei nicht mit Grün­den ver­se­hen.

Urteils­grün­de – und das Vor­brin­gen der Betei­lig­ten

Der Ver­fah­rens­man­gel nach § 119 Nr. 6 FGO liegt nur vor, wenn die Urteils­grün­de ganz oder zum Teil feh­len und sie den Pro­zess­be­tei­lig­ten kei­ne Kennt­nis dar­über ver­mit­teln, auf wel­chen Fest­stel­lun­gen, Erkennt­nis­sen und recht­li­chen Über­le­gun­gen das Urteil beruht. Dies erfor­dert nicht, dass jedes Vor­brin­gen der Betei­lig­ten im Ein­zel­nen erör­tert wer­den müss­te; viel­mehr liegt die­ser Ver­fah­rens­man­gel erst dann vor, wenn den Betei­lig­ten die Mög­lich­keit ent­zo­gen ist, die getrof­fe­ne Ent­schei­dung auf ihre Recht­mä­ßig­keit hin zu über­prü­fen. Dage­gen ist ein dahin­ge­hen­der Ver­fah­rens­man­gel nicht gege­ben, wenn noch zu erken­nen ist, wel­che Über­le­gun­gen für das Gericht maß­geb­lich waren [1]. Dabei ist eine Bezug­nah­me des Finanz­ge­richt auf die Ein­spruchs­ent­schei­dung des Finanz­amts nach § 105 Abs. 5 FGO mög­lich und aus­rei­chend, wenn das Finanz­amt in die­ser Ent­schei­dung bereits zu allen vom Klä­ger im Kla­ge­ver­fah­ren vor­ge­brach­ten ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Ein­wen­dun­gen Stel­lung genom­men hat [2].

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Grund­sät­ze hat das Finanz­ge­richt sein Urteil aus­rei­chend begrün­det. Durch die aus­drück­li­che Bezug­nah­me auf die Ein­spruchs­ent­schei­dung des Finanz­amt wur­de sowohl der Grund als auch die Höhe der Hin­zu­schät­zung erläu­tert. Es wur­de dar­ge­legt, dass von der Fahn­dungs­prü­fung in der Buch­füh­rung der Klä­ge­rin ver­ein­zelt ver­buch­te Bar­rech­nun­gen vor­ge­fun­den wor­den sei­en, wäh­rend in die­sen Fäl­len die buch­hal­te­ri­sche Erfas­sung der offi­zi­ell an das Restau­rant erstell­ten Rech­nun­gen unter­blie­ben sei, so dass die Buch­füh­rung Feh­ler auf­wei­se und so Anlass für eine Hin­zu­schät­zung bestan­den habe. Es wur­de wei­ter begrün­det, dass dem Vor­trag der Klä­ge­rin, das per Bar­zah­lung erwor­be­ne Geflü­gel und Fleisch habe der pri­va­ten Ver­sor­gung der Fami­lie, von Mit­ar­bei­tern und Freun­den sowie der Unter­stüt­zung eines Asyl­be­wer­ber­heims und zwei­er Fami­li­en gedient, ins­be­son­de­re wegen der Grö­ßen­ord­nung des behaup­te­ten pri­va­ten Ver­brauchs, der zwi­schen 23 % und 54 % lie­gen wür­de, und wegen der Ver­lust­si­tua­ti­on des Restau­rants nicht habe gefolgt wer­den kön­nen. Zur Höhe der Hin­zu­schät­zung hat das Finanz­amt aus­ge­führt, sie beru­he auf der Richt­satz­samm­lung. Im Gegen­satz zur Auf­fas­sung der Klä­ge­rin hat das Finanz­amt auch die Ver­sor­gung der Asyl­be­wer­ber in sei­ner Schät­zung durch Ansatz eines zusätz­li­chen pri­va­ten Ver­brauchs berück­sich­tigt. Die­se Erwä­gun­gen des Finanz­amt hat das Finanz­ge­richt aus­drück­lich über­nom­men und mit eige­nen Über­le­gun­gen ledig­lich ver­stärkt.

Es kann in die­sem Zusam­men­hang dahin­ste­hen, ob die Begrün­dung ins­ge­samt über­zeu­gend ist. Einem Urteil fehlt es näm­lich nicht bereits des­halb an Grün­den, wenn die Begrün­dung nicht den Erwar­tun­gen eines Betei­lig­ten ent­spricht, sie lücken­haft und rechts­feh­ler­haft ist [3].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Juli 2017 – X B 167/​16

  1. BFH, Urteil vom 18.08.2016 – VI R 18/​13, BFHE 255, 58, BStBl II 2017, 730, Rz 12, m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss vom 21.10.2015 – X B 116/​15, BFH/​NV 2016, 216, Rz 5[]
  3. BFH, Beschluss vom 26.02.2010 – VIII B 17/​08, BFH/​NV 2010, 1083, Rz 15[]