Die berich­tig­te Schluss­rech­nung – und der Vor­steu­er­ab­zug

Bei einer Schluss­rech­nung ergibt sich der Vor­steu­er­ab­zug aus der aus­ge­wie­se­nen Umsatz­steu­er abzüg­lich der bereits in den Abschlags­rech­nun­gen ent­hal­te­nen Umsatz­steu­er. Eine berich­tig­te Rech­nung setzt ein Doku­ment vor­aus, das spe­zi­fisch und ein­deu­tig auf die berich­tig­te Rech­nung bezo­gen ist.

Die berich­tig­te Schluss­rech­nung – und der Vor­steu­er­ab­zug

Zwar kön­nen nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on Rech­nun­gen, die feh­len­de oder feh­ler­haf­te Anga­ben auf­wei­sen, mit Rück­wir­kung auf den Zeit­punkt der erst­ma­li­gen Rech­nungs­er­tei­lung berich­tigt wer­den 1. Das setzt aber nach Art. 219 MwSt­Sys­tRL 2 vor­aus, dass die berich­tig­te Rech­nung spe­zi­fisch und ein­deu­tig auf die­se bezo­gen ist. Dem ent­spricht die Rege­lung in § 14 Abs. 6 Nr. 5 UStG i.V.m. § 31 Abs. 5 Satz 2 USt­DV, wonach die feh­len­den oder unzu­tref­fen­den Anga­ben durch ein Doku­ment, das spe­zi­fisch und ein­deu­tig auf die berich­tig­te Rech­nung bezo­gen ist, über­mit­telt wer­den müs­sen 3.

An einem spe­zi­fi­schen und ein­deu­ti­gen Bezug auf die alte Rech­nung vom 28.12.2007 fehl­te es im hier ent­schie­de­nen Fall. Der ein­zi­ge Hin­weis in der (neu­en) Rech­nung vom 29.02.2012 auf die (alte) Rech­nung vom 28.12.2007 ist der Ver­merk "Komm. 245", der sich auch auf der Rech­nung vom 28.12.2007 befin­det. Das aber ist weder spe­zi­fisch noch ein­deu­tig.

Bei einer Schluss­rech­nung ergibt sich der Vor­steu­er­ab­zug aber viel­mehr aus der aus­ge­wie­se­nen Umsatz­steu­er abzüg­lich der bereits in den Abschlags­rech­nun­gen ent­hal­te­nen Umsatz­steu­er, wobei ggf. ein nur antei­lig anzu Anteil zu berück­sich­ti­gen ist.

Das Recht auf Vor­steu­er­ab­zug ent­steht gemäß Art. 63 und 167 MwSt­Sys­tRL, wenn der Anspruch auf die abzieh­ba­re Steu­er ent­steht 4. Steu­er­tat­be­stand und Steu­er­an­spruch tre­ten nach Art. 63 MwSt­Sys­tRL zu dem Zeit­punkt ein, zu dem die Lie­fe­rung von Gegen­stän­den bewirkt oder die Dienst­leis­tung erbracht wird. Dem ent­spricht die Rege­lung in § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a UStG. Das ist bei Bau- oder Mon­ta­ge­dienst­leis­tun­gen gewöhn­lich der Zeit­punkt der phy­si­schen Fer­tig­stel­lung der Arbei­ten 5. Bei Bau- oder Mon­ta­ge­dienst­leis­tun­gen, bei denen ‑wie hier durch die Bezug­nah­me auf die Ver­ga­be- und Ver­trags­ord­nung für Bau­leis­tun­gen- die Abnah­me der Arbei­ten im Ver­trag ver­ein­bart wur­de, gehört die Abnah­me zur Leis­tung, die des­halb erst mit der Abnah­me erbracht ist 6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 5. Sep­tem­ber 2019 – V R 38/​17

  1. EuGH, Urteil Sena­tex vom 15.09.2016 – C‑518/​14, EU:C:2016:691; BFH, Urtei­le vom 01.03.2018 – V R 18/​17, BFHE 261, 18; vom 20.10.2016 – V R 26/​15, BFHE 255, 348[]
  2. Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem vom 28.11.2006[]
  3. vgl. auch BFH, Urteil vom 12.10.2016 – XI R 43/​14, BFHE 255, 474, Rz 24[]
  4. z.B. EuGH, Urteil Klub vom 22.03.2012 – C‑153/​11, EU:C:2012:163, Rz 36[]
  5. EuGH, Urteil Budimex vom 02.05.2019 – C‑224/​18, EU:C:2019:347, Rz 23, 27[]
  6. EuGH, Urteil Budimex, EU:C:2019:347, Rz 35[]