Die Ver­mö­gens­ver­wal­tung einer gemein­nüt­zi­gen Kör­per­schaft in der Umsatz­steu­er

Der Begriff der Ver­mö­gens­ver­wal­tung nach § 68 Nr. 9 i.V.m. § 64 Abs. 1 AO und § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a UStG umfasst eben­so wie bei § 14 i.V.m. § 64 Abs. 1 AO und § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a UStG nur nicht­un­ter­neh­me­ri­sche (nicht­wirt­schaft­li­che) Tätig­kei­ten wie z.B. das Hal­ten von Gesell­schafts­an­tei­len, nicht aber auch ent­gelt­li­che Leis­tun­gen wie etwa die Ver­mie­tung und Ver­pach­tung von unbe­weg­li­chen oder beweg­li­chen Ver­mö­gen1.

Die Ver­mö­gens­ver­wal­tung einer gemein­nüt­zi­gen Kör­per­schaft in der Umsatz­steu­er

§ 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a Satz 1 UStG ord­net eine Steu­er­satz­er­mä­ßi­gung für die Leis­tun­gen der nach §§ 51 ff. AO steu­er­be­güns­tig­ten Kör­per­schaf­ten an. Die­se gilt gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a Satz 2 UStG i.V.m. § 64 Abs. 1 AO für die Leis­tun­gen eines wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs nur, wenn es sich bei die­sem um einen Zweck­be­trieb han­delt. Unab­hän­gig von den Bedin­gun­gen der all­ge­mei­nen Zweck­be­triebs­de­fi­ni­ti­on in § 65 AO gehö­ren auch "Wis­sen­schafts- und For­schungs­ein­rich­tun­gen" unter den Vor­aus­set­zun­gen von § 68 Nr. 9 AO zu den Zweck­be­trie­ben. Dies gilt für "Wis­sen­schafts- und For­schungs­ein­rich­tun­gen, deren Trä­ger sich über­wie­gend aus Zuwen­dun­gen der öffent­li­chen Hand oder Drit­ter oder aus der Ver­mö­gens­ver­wal­tung finan­ziert. Der Wis­sen­schaft und For­schung dient auch die Auf­trags­for­schung. Nicht zum Zweck­be­trieb gehö­ren Tätig­kei­ten, die sich auf die Anwen­dung gesi­cher­ter wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se beschrän­ken, die Über­nah­me von Pro­jekt­trä­ger­schaf­ten sowie wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten ohne For­schungs­be­zug".

Der BFH hat bereits ent­schie­den, dass zu den "Zuwen­dun­gen der öffent­li­chen Hand oder Drit­ter oder aus der Ver­mö­gens­ver­wal­tung" nur der "Mit­tel­trans­fer, der der Kör­per­schaft ohne eige­ne Gegen­leis­tung zufließt", gehört2. Der Bun­des­fi­nanz­hof schließt sich dem ins­be­son­de­re für die Aus­le­gung des Begriffs der Ver­mö­gens­ver­wal­tung an.

Dem ent­spricht es, wenn auch der Begriff der Ver­mö­gens­ver­wal­tung nach § 14 AO i.V.m. § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a Satz 1 UStG dahin­ge­hend aus­zu­le­gen ist, dass er nur i.S. des Umsatz­steu­er­rechts nicht­un­ter­neh­me­ri­sche (nicht­wirt­schaft­li­che) Tätig­kei­ten wie z.B. das Hal­ten von Gesell­schafts­an­tei­len erfasst, nicht aber auch ent­gelt­li­che Leis­tun­gen3.

Spe­zi­ell im Hin­blick auf die hier strei­ti­ge Umsatz­be­steue­rung wäre es sach­wid­rig, die Ent­schei­dung über den anzu­wen­den­den Steu­er­satz bei einer indi­rek­ten Steu­er, die den Ver­brauch beim Leis­tungs­emp­fän­ger der gemein­nüt­zi­gen Kör­per­schaft erfas­sen soll (vgl. Art. 1 der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem) danach zu tref­fen, ob es sich bei Ein­nah­men aus dem Hal­ten von Betei­li­gun­gen ertrag­steu­er­recht­lich um Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb han­delt4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. Mai 2017 – V R 43/​14V R 7/​15

  1. Fort­füh­rung des BFH, Urteils vom 20.03.2014 – V R 4/​13, BFHE 245, 397 []
  2. BFH, Urteil in BFHE 217, 1, BSt­Bl II 2007, 631, unter II. 3.a aa []
  3. BFH, Urteil vom 20.03.2014 – V R 4/​13, BFHE 245, 397, Rz 26, m.w.N. zur Recht­spre­chung des EuGH []
  4. Wäger, in Lüdicke/​Mellinghoff/​Rödder, Fest­schrift Gosch, 2016, 427 ff., 434 []