Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen einer Per­so­nen­ge­sell­schaft mit ange­stell­ten Kran­ken­gym­nas­ten

In einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil hat der Bun­des­fi­nanz­hof die Rechts­form­neu­tra­li­tät des Umsatz­steu­er­sys­tems betont und es für zuläs­sig erach­tet, dass auch Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen durch ent­spre­chend qua­li­fi­zier­te Ange­stell­te umsatz­steu­er­frei nach § 4 Nr. 14 UStG erbrin­gen kön­nen. Das Urteil macht deut­lich, dass die­se Steu­er­be­frei­ung glei­cher­ma­ßen durch natür­li­che Per­so­nen, juris­ti­sche Per­so­nen und Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten in Anspruch genom­men wer­den kann, ohne dass nach der Rechts­form des Leis­ten­den zu dif­fe­ren­zie­ren ist.

Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen einer Per­so­nen­ge­sell­schaft mit ange­stell­ten Kran­ken­gym­nas­ten

In dem jetzt durch den BFH ent­schie­de­nen Fall ging es um die Kla­ge einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR), die eine Phy­si­ka­li­sche Pra­xis betrieb und mit bei ihr ange­stell­ten Kran­ken­gym­nas­ten kran­ken­gym­nas­ti­sche Leis­tun­gen erbrach­te. Die Klä­ge­rin ging davon aus, dass ihre Leis­tun­gen im Hin­blick auf die Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on ihrer Ange­stell­ten als Heil­be­hand­lungs­tä­tig­keit nach § 4 Nr. 14 UStG umsatz­steu­er­frei sei­en und dass eine ent­spre­chen­de Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on ihrer Gesell­schaf­ter nicht erfor­der­lich sei. Der BFH folg­te dem im Grund­satz.

Das Urteil setzt die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zur Umsatz­steu­er­be­frei­ung heil­be­ruf­li­cher Tätig­kei­ten fort. Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten (EuGH) hat­te bereits zur gemein­schafts­recht­li­chen Sechs­ten Richt­li­nie (Richt­li­nie 77/​388/​EWG) – der Grund­la­ge des natio­na­len Umsatz­steu­er­rechts – ent­schie­den, dass steu­er­freie Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen nicht nur von natür­li­chen Per­so­nen, son­dern auch von juris­ti­schen Per­so­nen, wie Stif­tun­gen und Gesell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung, erbracht wer­den kön­nen. Vor­aus­set­zung ist dabei, dass die Per­so­nen, die für die Gesell­schaft oder Stif­tung die Heil­be­hand­lung durch­füh­ren, über die für die Heil­be­hand­lung erfor­der­li­che Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on ver­fü­gen. Dies gilt nach dem Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2007 nun auch für Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten, die grund­sätz­lich nach § 4 Nr. 14 UStG steu­er­freie Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen erbrin­gen kön­nen. Die für die Inan­spruch­nah­me der Steu­er­be­frei­ung erfor­der­li­che Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on muss dabei nicht zwin­gend in der Per­son der Gesell­schaf­ter der Per­so­nen­ge­sell­schaft vor­lie­gen. Es reicht viel­mehr aus, dass die Ange­stell­ten der Per­so­nen­ge­sell­schaft über die zur Erbrin­gung von Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen erfor­der­li­chen Befä­hi­gungs­nach­wei­se (beruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on) ver­fü­gen.

Für die Anwen­dung von § 4 Nr. 14 UStG 1993/​1999 kommt es nach dem Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät nicht auf die Rechts­form des Leis­ten­den an.

Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen einer Per­so­nen­ge­sell­schaft kön­nen auch dann nach § 4 Nr. 14 UStG 1993/​1999 steu­er­frei sein, wenn zwar nicht die Gesell­schaf­ter, aber die Ange­stell­ten der Per­so­nen­ge­sell­schaft über die für eine Heil­be­hand­lung erfor­der­li­che Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on ver­fü­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2007 – V R 54/​05