Kein Ver­trau­en in eine frü­he­re Umsatz­steu­er-Son­der­prü­fung

Ein Abwei­chen der Finanz­be­hör­de von einer frü­he­ren Rechts­auf­fas­sung ver­stößt nicht gegen den Grund­satz von Treu und Glau­ben. Die Ein­ord­nung von Umsät­ze mit dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz von 7% nach § 12 Abs. 2 UStG durch die vor­he­ri­ge Umsatz­steu­er­son­der­prü­fung aus dem Jahr 1995 begrün­det nach Ansicht des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts in Han­no­ver kei­nen Ver­trau­ens­tat­be­stand.

Kein Ver­trau­en in eine frü­he­re Umsatz­steu­er-Son­der­prü­fung

Nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung, so die Han­no­ve­ra­ner Finanz­rich­ter, kommt es zu einer Ver­drän­gung des gesetz­ten Rechts durch den Grund­satz von Treu und Glau­ben nur in beson­ders gela­ger­ten Fäl­len, in denen das Ver­trau­en des Steu­er­pflich­ti­gen in ein bestimm­tes Ver­hal­ten der Ver­wal­tung nach all­ge­mei­nem Rechts­ge­fühl in einem so hohen Maß schutz­wür­dig ist, dass dem­ge­gen­über die Grund­sät­ze der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung zurück­tre­ten müs­sen 1. Dies kommt nur dann in Betracht, wenn dem Steu­er­pflich­ti­gen eine bestimm­te steu­er­recht­li­che Behand­lung zuge­sagt wor­den ist oder wenn die Finanz­be­hör­de durch ihr frü­he­res Ver­hal­ten außer­halb einer Zusa­ge einen Ver­trau­ens­tat­be­stand geschaf­fen hat 2.

Weder eine Außen­prü­fung noch eine unter dem Vor­be­halt der Nach­prü­fung ste­hen­de Steu­er­fest­set­zung schaf­fen inso­weit einen Ver­trau­ens­tat­be­stand, da es sich bei bei­den Maß­nah­men ledig­lich um vor­läu­fi­ge Beur­tei­lun­gen der Finanz­ver­wal­tung han­delt, die einer spä­te­ren abwei­chen­den Beur­tei­lung nicht ent­ge­gen­ste­hen 3.

Etwas ande­res gilt nur dann, wenn die Finanz­be­hör­de dem Steu­er­pflich­ti­gen im Anschluss an eine Außen­prü­fung auf Antrag hin eine ver­bind­li­che Zusa­ge erteilt, wie ein für die Ver­gan­gen­heit geprüf­ter Sach­ver­halt in Zukunft steu­er­recht­lich zu behan­deln ist. Einen ent­spre­chen­den Antrag nach § 204 AO hat­te die Klä­ge­rin in dem von Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall im Anschluss an die Umsatz­steu­er­son­der­prü­fung im Jahr 1995 aber nicht gestellt.

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 10. Dezem­ber 2009 – 5 K 319/​05

  1. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 05.09.2000 – IX R 33/​97, BSt­Bl II 2000, 676, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 30.09.1997 – IX R 80/​94, BSt­Bl II 1998, 771[]
  3. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 28.08.2002 -V B 72/​02, BFH/​NV 2003, 4; und vom 26.11.2001 -V B 88/​00, BFH/​NV 2002, 551[]