Kla­ge­be­fug­nis des (Nicht-)Gesellschafters einer GbR

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs sind die Gesell­schaf­ter einer GbR durch einen Umsatz­steu­er­be­scheid, der sich gegen die (bestehen­de oder ver­meint­li­che) Gesell­schaft rich­tet, nicht beschwert, weil eine Voll­stre­ckung aus die­sem Bescheid nur in das Gesell­schafts­ver­mö­gen erfol­gen kann. Daher fehlt den (wirk­li­chen oder ver­meint­li­chen) Gesell­schaf­tern für eine per­sön­lich gegen den Gesell­schafts­be­scheid gerich­te­te Kla­ge die Kla­ge­be­fug­nis (§ 40 Abs. 2 FGO). Zur Besei­ti­gung des Rechts­scheins eines gegen eine angeb­li­che GbR gerich­te­ten Steu­er­be­schei­des kön­nen nur die (angeb­li­chen) Gesell­schaf­ter im Namen der GbR Kla­ge erhe­ben 1. Dies gilt auch für eine been­de­te GbR, da die­se steu­er­recht­lich so lan­ge fort­be­steht, bis alle Rechts­be­zie­hun­gen, zu denen auch die Rechts­be­zie­hung der GbR und dem Finanz­amt gehört, besei­tigt sind 2.

Kla­ge­be­fug­nis des (Nicht-)Gesellschafters einer GbR

Zu einer die Kla­ge­be­fug­nis begrün­den­den Beschwer (§ 40 Abs. 2 FGO) der ver­meint­li­chen Gesell­schaf­ter kann es erst dann kom­men, wenn das Finanz­amt ihnen gegen­über wegen der Steu­er- oder Haf­tungs­schuld der Gesell­schaft einen Haf­tungs­be­scheid erlässt. Im Rah­men die­ses Ver­fah­rens gegen den Haf­tungs­be­scheid kann der wirk­li­che oder ver­meint­li­che Gesell­schaf­ter den Ein­wand erhe­ben, dass es wegen Nicht­be­stehens der Gesell­schaft zu kei­ner die Haf­tung begrün­den­den Pri­mär­schuld der Gesell­schaft gekom­men ist. Mit die­sem Ein­wand ist er auch nicht wegen der sog. Dritt­wir­kung der Steu­er­fest­set­zung (§ 166 AO) aus­ge­schlos­sen, denn die­se gilt nicht gegen­über dem Gesell­schaf­ter einer GbR, der für Steu­er­schul­den der Gesell­schaft als Haf­tungs­schuld­ner in Anspruch genom­men wor­den ist, wenn die­ser nicht zur Allein­ver­tre­tung der GbR berech­tigt war 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. März 2010 – V B 56/​09

  1. BFH, Beschlüs­se vom 30.04.2007 – V B 194/​06, BFH/​NV 2007, 1523; vom 13.11.2003 – V B 49/​03, BFH/​NV 2004, 360; vom 06.02.1997 – V B 157/​96, BFH/​NV 1997, 459; FG Mün­chen, Urteil vom 17.06.2004 – 15 K 2725/​04, EFG 2004, 1707[]
  2. BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2004, 360; und vom 31.10.1991 – V B 194/​91, BFH/​NV 1992, 402[]
  3. BFH, Beschluss vom 10.04.2001 – V B 116/​00, BFH/​NV 2001, 1220; BFH, Urteil vom 16.12.1997 – VII R 30/​97, BFHE 185, 105, BSt­Bl II 1998, 319[]