Ver­kauf von Mes­se­ka­ta­lo­gen – und die Umsatz­steu­er

Auf Erlö­se aus dem Ver­kauf von Mes­se­ka­ta­lo­gen ist gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 49 Buchst. a der Anla­ge zu § 12 UStG der ermä­ßig­te Steu­er­satz anzu­wen­den. Als nicht über­wie­gend Wer­be­zwe­cken die­nen­de Druckerzeug­nis­se fal­len die Mes­se­ka­ta­lo­ge nicht unter die Pos. 4911 KN ("Ande­re Dru­cke …", u.a. "Wer­be­dru­cke …"), son­dern unter die Pos. 4901 KN ("Bücher, Bro­schü­ren und ähn­li­che Dru­cke …").

Ver­kauf von Mes­se­ka­ta­lo­gen – und die Umsatz­steu­er

Gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 49 der Anla­ge zu § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG ist bei Umsät­zen mit Waren der Pos. 4901 KN die Anwen­dung des ermä­ßig­ten Steu­er­sat­zes vor­ge­se­hen. Die hier streit­ge­gen­ständ­li­chen Mes­se­ka­ta­lo­ge sind als Erzeug­nis­se des gra­phi­schen Gewer­bes, die nicht über­wie­gend Wer­be­zwe­cken die­nen, in die­se Posi­ti­on ein­zu­rei­hen.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits wie­der­holt ent­schie­den hat 1, rich­tet sich die Aus­le­gung der Anla­ge zu § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG allein nach zoll­ta­rif­li­chen Vor­schrif­ten und Begrif­fen, soweit die Ver­wei­sung auf den Zoll­ta­rif reicht. Die hier ein­schlä­gi­ge Nr. 49 Buchst. a der Anla­ge ver­weist auf den Zoll­ta­rif ("aus Pos. 4901 KN …") und damit auch auf die (Abgrenzungs-)Vorschriften zu Kap. 49 KN 2. Dazu gibt es die Erläu­te­run­gen zum Har­mo­ni­sier­ten Sys­tem (ErlHS), die ein wich­ti­ges, wenn auch nicht ver­bind­li­ches Erkennt­nis­mit­tel für die Aus­le­gung der ein­zel­nen Tarif­po­si­tio­nen dar­stel­len 3.

Zu Pos. 4901 KN gehö­ren Bücher, Bro­schü­ren und ähn­li­che Dru­cke, gemäß der Anm. 3 zu Kap. 49 jedoch nicht Ver­öf­fent­li­chun­gen, die über­wie­gend Wer­be­zwe­cken die­nen. Die­se sind in die Pos. 4911 KN ("Ande­re Dru­cke …" bzw. dort Unter­pos. 4911 10 KN "Wer­be­dru­cke und Wer­be­schrif­ten, Ver­kaufs­ka­ta­lo­ge und der­glei­chen") ein­zu­rei­hen (Anm. 5 zu Kap. 49).

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung darf bei der zoll­ta­rif­li­chen Ein­rei­hung auf den Ver­wen­dungs­zweck einer Ware nur inso­weit abge­stellt wer­den, als im Wort­laut der Bestim­mun­gen oder in den Erläu­te­run­gen dazu aus­drück­lich auf die­ses Kri­te­ri­um Bezug genom­men wird und er der Ware inne­wohnt, was sich anhand der objek­ti­ven Merk­ma­le und Eigen­schaf­ten der Ware bemisst 4. Ob ein Buch oder eine Bro­schü­re über­wie­gend Wer­be­zwe­cken dient, ist somit allein anhand der Druck­schrift zu beur­tei­len. Nicht maß­geb­lich ist, wie der Begriff "Wer­bung" außer­halb des Zoll­ta­rifs ver­stan­den wird 5. Ent­schei­dend ist, ob ein Druck nach sei­ner Beschaf­fen­heit und sei­ner erkenn­ba­ren Zweck­be­stim­mung, also nach Art der Auf­ma­chung, des Inhalts und Her­aus­ga­be­zwecks, soweit die­se ihren Nie­der­schlag in dem Druck gefun­den haben, über­wie­gend Wer­be­zwe­cken dient 6. Dies ist der Fall, wenn der Druck über­wie­gend dar­auf aus­ge­rich­tet ist, durch zwang­freie und absicht­li­che Beein­flus­sung den Adres­sa­ten zur Erfül­lung des Wer­be­ziels, d.h. ins­be­son­de­re zur Inan­spruch­nah­me ent­gelt­li­cher Waren oder Dienst­leis­tun­gen zu ver­an­las­sen 7. Dabei ist nicht allein das Raum­ver­hält­nis zwi­schen wer­ben­dem und ande­rem Text bzw. Illus­tra­tio­nen maß­ge­bend. Ergibt sich etwa aus der Auf­ma­chung, dem Inhalt oder auch dem Her­aus­ga­be­zweck der Druck­schrift, dass die Wer­bung im Vor­der­grund steht, so lie­ße selbst ein nen­nens­wer­ter Anteil von redak­tio­nel­lem Text, Such­an­zei­gen o.Ä. den Wer­be­cha­rak­ter nicht ent­fal­len. Bei Zwei­feln kann indes­sen das Raum­ver­hält­nis bei der Beur­tei­lung von Beschaf­fen­heit oder Zweck der Schrift her­an­ge­zo­gen wer­den 5.

Nach die­sen Grund­sät­zen die­nen die hier ver­kauf­ten Mes­se­ka­ta­lo­ge nicht über­wie­gend Wer­be­zwe­cken. Es han­delt sich ins­be­son­de­re bei den Ver­zeich­nis­sen, die dem Umfang und der Rele­vanz nach den wesent­li­chen Teil der Kata­lo­ge aus­ma­chen, nicht um Wer­bung. Denn das Finanz­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass in ihnen kei­ne Waren oder Dienst­leis­tun­gen ange­prie­sen wer­den und dass sie auch sonst nicht über­wie­gend dar­auf aus­ge­rich­tet sind, die Adres­sa­ten zur Inan­spruch­nah­me ent­gelt­li­cher Waren oder Dienst­leis­tun­gen zu ver­an­las­sen.

Nicht maß­ge­bend ist dabei für die Fra­ge, ob die Mes­se­ka­ta­lo­ge über­wie­gend Wer­be­zwe­cken die­nen, dass sie von einer Mes­se­be­trei­be­rin auf bzw. im Zusam­men­hang mit einer Mes­se ver­trie­ben wer­den 8. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, hat die Beur­tei­lung, wie aus­ge­führt, allein nach dem Inhalt der Druck­schrift, d.h. u.a. los­ge­löst von der Per­son des oder der Wer­bungtrei­ben­den zu erfol­gen 9. Im Übri­gen ist auch die Annah­me, die (Fach-)Messen, deren Kata­lo­ge streit­ge­gen­ständ­lich sind, sei­en rei­ne (ein­sei­ti­ge) Wer­be­ver­an­stal­tun­gen, nicht zutref­fend. Mes­sen sind auch ein Nach­fra­ge­fo­rum, ähn­lich wie Anzei­gen­blät­ter, in denen auch Such­an­zei­gen ver­öf­fent­licht wer­den 10.

Im vor­lie­gen­den Fall zeig­te die (schlich­te) Auf­ma­chung und der Inhalt der Kata­lo­ge, , dass die Sach­in­for­ma­ti­on in den streit­ge­gen­ständ­li­chen Kata­lo­gen über­wog bzw. der "unter­rich­ten­de Cha­rak­ter" im Vor­der­grund stand 11. Es lag in ers­ter Linie im Inter­es­se der (Fach-)Besucher, rasch Ansprech­part­ner, Tele­fon­num­mern, Lage­plä­ne u.Ä. sowie Fir­men oder Pro­dukt­be­rei­che zu fin­den und, wie das Finanz­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt hat, schnel­ler zum Ziel bzw. zum jewei­li­gen Mes­se­stand zu gelan­gen, unter­wegs die besuch­ten Aus­stel­ler "abha­ken", sich Noti­zen machen, sich die Mit­nah­me und das spä­te­re Sor­tie­ren und Archi­vie­ren man­cher Pro­spek­te, Fly­er und Visi­ten­kar­ten spa­ren zu kön­nen. Des­halb waren sie sogar ‑bei Wer­be­schrif­ten unüb­lich 12- bereit, für die Kata­lo­ge zu bezah­len, obwohl auf Mes­sen regel­mä­ßig kos­ten­los Pro­spek­te, Kata­lo­ge etc. ver­teilt wer­den. Wes­halb das Finanz­ge­richt meint, die Schlicht­heit der Dar­stel­lung ‑das Feh­len der zum Kauf oder Ver­trags­schluss moti­vie­ren­den Ele­men­te- zei­ge, dass der von den Aus­stel­lern gezahl­te Preis einem von den Lis­ten aus­ge­hen­den Wer­be­ef­fekt geschul­det sein müs­se, ist nicht nach­voll­zieh­bar. Auch ist nicht jede Namens­nen­nung eines Unter­neh­mens geeig­net, des­sen Absatz zu stei­gern.

Die Über­le­gung, dass Mes­se­ka­ta­lo­ge stets für die Mes­se bzw. für die Ver­an­stal­te­rin wer­ben, trägt ange­sichts der Schlicht­heit der Auf­ma­chung nicht, zumal sich aus den Kata­lo­gen ggf. auch eine gerin­ge Aus­stel­ler­zahl, das Feh­len der Bran­chen­füh­rer oder ähn­li­che "Män­gel" der Mes­se erge­ben kön­nen 13. Umstän­de, die dar­auf hin­deu­ten, dass die streit­ge­gen­ständ­li­chen Kata­lo­ge indi­rek­te oder ver­steck­te Wer­bung i.S. der ErlHS zu Pos. 4901 Rz 13.1 ent­hiel­ten, waren im vor­lie­gen­den Fall nicht fest­ge­stellt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Juni 2016 – VII R 12/​15

  1. vgl. z.B. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 1994, 433; vom 26.02.1991 – VII R 127/​89, BFH/​NV 1991, 779; vgl. auch BFH, Beschluss vom 20.03.1998 – V B 138/​97, BFH/​NV 1998, 1380[]
  2. BFH, Urtei­le vom 20.02.1990 – VII R 121/​86, BFHE 160, 79, BSt­Bl II 1990, 761, und in BFH/​NV 1991, 779[]
  3. vgl. etwa BFH, Urtei­le vom 07.07.2015 – VII R 65/​13, BFH/​NV 2015, 1605; vom 14.11.2000 – VII R 83/​99, BFH/​NV 2001, 499[]
  4. BFH, Urteil vom 13.01.2015 – VII R 25/​13, BFH/​NV 2015, 712, m.w.N.[]
  5. BFH, Urteil in BFH/​NV 1994, 433[][]
  6. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 1994, 433; und vom 28.09.1988 – X R 49/​81, BFHE 155, 200, BSt­Bl II 1989, 208[]
  7. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 27.10.2014 – VII B 206/​13, BFH/​NV 2015, 245, m.w.N.; vom 24.11.2005 – V B 197/​04, BFH/​NV 2006, 624; BFH, Urteil vom 18.02.1997 – VII R 26/​96, BFH/​NV 1997, 726, Zeit­schrift für Zöl­le und Ver­brauch­steu­ern ‑ZfZ- 1997, 234[]
  8. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2015, 245[]
  9. z.B. BFH, Urteil in BFH/​NV 1997, 726, ZfZ 1997, 234[]
  10. vgl. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 1994, 433, und in BFH/​NV 1991, 779[]
  11. vgl. BFH, Urteil vom 10.12 1974 – VII K 2/​73, BFHE 114, 519[]
  12. wenn auch mög­lich, vgl. BFH, Urteil in BFHE 160, 79, BSt­Bl II 1990, 761[]
  13. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2015, 245[]