Vor­steu­er­ab­zug – und die Anga­be des Lie­fer­da­tums

Nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 Umsatz­steu­er­ge­setz (UStG) kann der Unter­neh­mer Vor­steu­er­be­trä­ge für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von einem ande­ren Unter­neh­mer für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, abzie­hen, wenn die Steu­er im Sin­ne der § 14, 14a UStG geson­dert in Rech­nung gestellt wor­den ist.

Vor­steu­er­ab­zug – und die Anga­be des Lie­fer­da­tums

Lie­fe­run­gen sind nach § 3 Abs. 1 UStG Leis­tun­gen, durch die der Unter­neh­mer den Abneh­mer befä­higt, im eige­nen Namen über einen Gegen­stand zu ver­fü­gen (Ver­schaf­fung der Ver­fü­gungs­macht).

Der Vor­steu­er­ab­zug setzt vor­aus, dass der Gegen­stand das Unter­neh­men des Lie­fern­den tat­säch­lich ver­las­sen hat und in den Unter­neh­mens­be­reich des Emp­fän­gers ein­ge­gan­gen ist. Mit der nach § 14, 14a UStG aus­ge­stell­ten Rech­nung muss mit­hin über eine tat­säch­lich aus­ge­führ­te Lie­fe­rung nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG abge­rech­net wor­den sein.

Der den Vor­steu­er­ab­zug begeh­ren­de Unter­neh­mer trägt die Fest­stel­lungs­last für die Erfül­lung der Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen. Ein Unter­neh­mer, der alle Maß­nah­men getrof­fen hat, die ver­nünf­ti­ger­wei­se von ihm ver­langt wer­den kön­nen um sicher­zu­stel­len, dass sei­ne Umsät­ze nicht in einen Betrug — sei es in eine Umsatz­steu­er­hin­ter­zie­hung oder einen sons­ti­gen Betrug — ein­be­zo­gen sind, kann auf die Recht­mä­ßig­keit die­ser Umsät­ze ver­trau­en, ohne Gefahr zu lau­fen, sein Recht auf Vor­steu­er­ab­zug zu ver­lie­ren. Der Umstand, dass eine Lie­fe­rung an einen Unter­neh­mer vor­ge­nom­men wird, der weder wuss­te noch wis­sen konn­te, dass der betref­fen­de Umsatz in einem vom Ver­käu­fer began­ge­nen Betrug ein­be­zo­gen war, steht dem Vor­steu­er­ab­zug nicht ent­ge­gen. Der Vor­steu­er­ab­zug ist zu ver­sa­gen, wenn auf­grund sub­stan­ti­ier­ter Tat­sa­chen oder Umstän­de fest­steht, dass der Unter­neh­mer, der den Vor­steu­er­ab­zug begehrt, über die betrü­ge­ri­schen Machen­schaf­ten sei­ner Geschäfts­part­ner Kennt­nis hat­te oder hät­te haben müs­sen1.

Nach die­sen Grund­sät­zen stand dem Unter­neh­mer in dem hier vom Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg ent­schie­de­nen Fall der Vor­steu­er­ab­zug aus der Rech­nung zu:

Das Finanz­amt hat aus for­ma­len Grün­den zu Unrecht den Vor­steu­er­ab­zug ver­sagt, weil angeb­lich in der aus­ge­stell­ten Rech­nung nicht auf den Zeit­punkt der Über­ga­be hin­ge­wie­sen wer­de. Das Finanz­amt weist aber zugleich und zurecht dar­auf hin, dass die­se for­ma­len Anfor­de­run­gen an die Pflicht­an­ga­ben in § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 bis 9 UStG und damit auch die Anga­be des Leis­tungs­da­tums nach § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 6 UStG vor dem Hin­ter­grund ange­wandt wer­den müs­sen, wel­chen Zweck sie ver­fol­gen. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­fol­gen die­se Pflicht­an­ga­ben das Ziel, die Erhe­bung der Umsatz­steu­er und ihre Über­prü­fung sicher­zu­stel­len. Des­halb müs­sen die Rech­nungs­an­ga­ben eine ein­deu­ti­ge und leicht nach­prüf­ba­re Fest­stel­lung der Vor­aus­set­zun­gen für den Vor­steu­er­ab­zug ermög­li­chen2.

Finanz­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 17. Okto­ber 2014 -9 K 4424/​113

  1. vgl. BFH, Urteil vom 19.04.2007 – V R 48/​04, BSt­Bl 2009 – II 315
  2. vgl. BFH, Urteil vom 06.12 2007 – V R 61/​05, BFHE 221, 55, BSt­Bl II 2008, 695, unter ll.03.b, m.w.N.; BFH, Beschluss vom 06.04.2006 – V B 22/​06, HFR 2006, 1023, unter ll.2.a
  3. nrkr., Revi­si­on beim BFH – V R 41/​15