Ver­zicht auf die münd­li­che Ver­hand­lung

Der Ver­zicht auf die münd­li­che Ver­hand­lung ist eine Pro­zess­hand­lung. Als Pro­zess­hand­lung muss der Ver­zicht klar, ein­deu­tig und vor­be­halt­los erklärt wer­den 1.

Ver­zicht auf die münd­li­che Ver­hand­lung

Dabei ist auf­grund der beson­de­ren Inter­es­sen­la­ge der Betei­lig­ten eine wort­laut­ge­treue und restrik­ti­ve Aus­le­gung der Ver­zichts­er­klä­rung gebo­ten. Denn der Ver­zicht hat für die Betei­lig­ten weit­rei­chen­de Fol­gen, weil er als Pro­zess­hand­lung nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht wegen Irr­tums anfecht­bar und auch nicht frei wider­ruf­bar ist 2.

Da damit im hier ent­schie­den Fall die Ver­zichts­er­klä­rung des Klä­gers das wei­te­re – über das Ver­fah­ren wegen der Untä­tig­keit des Finanz­amt hin­aus­ge­hen­de – pro­zes­sua­le Gesche­hen nicht mit­um­fass­te und inso­weit kei­ne Wir­kung zei­ti­gen konn­te, war der Klä­ger nicht nach den Vor­schrif­ten des Geset­zes ver­tre­ten (§ 119 Nr. 4 FGO) 3.

Die­ser Ver­fah­rens­feh­ler ist ein abso­lu­ter Revi­si­ons­grund, bei dem gemäß § 119 Nr. 4 FGO davon aus­zu­ge­hen ist, dass das ange­foch­te­ne Urteil auf der Ver­let­zung von Bun­des­recht beruht. Daher hält es der Bun­des­fi­nanz­hof für ange­zeigt, nach § 116 Abs. 6 FGO zu ver­fah­ren, das ange­foch­te­ne Urteil auf­zu­he­ben und den Rechts­streit zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Finanz­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 23. Juni 2014 – X B 167/​13

  1. stän­di­ge BFH-Recht­spre­chung, vgl. z.B. Beschluss vom 09.01.2006 – XI B 176/​04, BFH/​NV 2006, 1105, m.w.N.[]
  2. stän­di­ge BFH-Recht­spre­chung, vgl. z.B. Urteil in BFHE 231, 1, BSt­Bl II 2011, 126, m.w.N.; Mai in Beermann/​Gosch, FGO § 90 Rz 23[]
  3. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 12.01.2007 – II B 41/​06, BFH/​NV 2007, 755; und vom 08.02.2008 – XI B 190/​07; vgl. auch Gräber/​Ruban, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 119 Rz 19, m.w.N.[]