Ver­zin­sung im Steu­er­recht

Jeden­falls für einen Zins­lauf bis Janu­ar 2012 bestehen kei­ne Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 238 Abs. 1 AO.

Ver­zin­sung im Steu­er­recht

Im Hin­blick auf die Fest­set­zung von Nach­zah­lungs­zin­sen für die Zins­zah­lungs­zeit­räu­me 2003 bis 2006 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Beschluss vom 03.09.2009 1 ent­schie­den, dass der Gesetz­ge­ber die Höhe von Nach­zah­lungs­zin­sen ohne Ver­stoß gegen das Über­maß­ver­bot auf 0, 5 % pro Monat fest­set­zen durf­te: "Es han­delt sich um eine zuläs­si­ge Typi­sie­rung im Inter­es­se der Prak­ti­ka­bi­li­tät und Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung. Neben den mit einer Ermitt­lung des kon­kre­ten Zins­vor­teils bzw. Zins­nach­teils im Ein­zel­fall ver­bun­de­nen Pro­ble­men ist auch hier zu beach­ten, dass der Zins­satz gem. § 233a AO 1977 i.V.m. § 238 AO 1977 sowohl für als auch gegen den Steu­er­pflich­ti­gen wirkt" 2.

Dar­über hin­aus ist durch das Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 01.07.2014 3 geklärt, dass auch für den Ver­zin­sungs­zeit­raum Novem­ber 2004 bis März 2011 kei­ne Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Höhe der Aus­set­zungs­zin­sen bestehen. Der IX. Bun­des­fi­nanz­hof ist viel­mehr davon aus­ge­gan­gen, dass sich der zuguns­ten wie zulas­ten des Steu­er­pflich­ti­gen wir­ken­de Zins­satz des § 238 Abs. 1 Satz 1 AO von 0, 5 % für jeden Monat im Zins­zeit­raum 2004 bis 2011 beim Ver­gleich mit den Markt­zin­sen noch in einem der wirt­schaft­li­chen Rea­li­tät ange­mes­se­nen Rah­men hält.

Nach dem Fol­ge­ur­teil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 14.04.2015 4 haben sich für den Ver­zin­sungs­zeit­raum Juni 2008 bis Dezem­ber 2011 die das Zins­ni­veau bestim­men­den Ver­hält­nis­se nicht in einer Wei­se geän­dert, dass Anlass zu einer Abwei­chung von den Ent­schei­dungs­grün­den des Urteils in BFHE 246, 193, BSt­Bl II 2014, 925 bestün­de.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall läuft der Ver­zin­sungs­zeit­raum zwar über das Jahr 2011 hin­aus bis zum 19.01.2012. Dass sich die Ver­hält­nis­se im Lau­fe der ers­ten 19 Tage des Jah­res 2012 so gra­vie­rend geän­dert hät­ten, dass die Fra­ge der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 238 Abs. 1 AO anders als durch die o.g. Urtei­le des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Bun­des­fi­nanz­hofs zu ent­schei­den wäre, ist für den Bun­des­fi­nanz­hof nicht ersicht­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Okto­ber 2015 – V B 36/​15

  1. BVerfG, Beschluss vom 03.09.2009 – 1 BvR 2539/​07 ((BFH/​NV 2009, 2115[]
  2. BVerfG, Beschluss in BFH/​NV 2009, 2115, Leit­satz 2b[]
  3. BFH, Urteil vom 01.07.2014 – IX R 31/​13, BFHE 246, 193, BSt­Bl II 2014, 925[]
  4. BFH, Urteil vom 14.04.2015 – IX R 5/​14, BFH/​NV 2015, 1329[]