2,21 Pro­mil­le – und schuld­fä­hig

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gibt es kei­nen gesi­cher­ten medi­zi­ni­schen Erfah­rungs­satz dar­über, dass ohne Rück­sicht auf psy­cho­dia­gnos­ti­sche Beur­tei­lungs­kri­te­ri­en allein wegen einer bestimm­ten Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on zur Tat­zeit in aller Regel vom Vor­lie­gen einer alko­hol­be­dingt erheb­lich ver­min­der­ten Steue­rungs­fä­hig­keit aus­ge­gan­gen wer­den muss [1].

2,21 Pro­mil­le – und schuld­fä­hig

Für die Beur­tei­lung der Schuld­fä­hig­keit maß­geb­lich ist eine Gesamt­schau aller wesent­li­chen objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Umstän­de, die sich auf das Erschei­nungs­bild des Täters vor, wäh­rend und nach der Tat bezie­hen [2]. Dabei kann die – regel­mä­ßig des­halb zu bestim­men­de [3] – Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on ein je nach den Umstän­den des Ein­zel­falls sogar gewich­ti­ges, aber kei­nes­falls allein maß­geb­li­ches Beweis­an­zei­chen (Indiz) sein [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Juli 2016 – 1 StR 128/​16

  1. näher BGH, Beschluss vom 29.05.2012 – 1 StR 59/​12, BGHSt 57, 247, 250 Rn.19; BGH, Urteil vom 14.10.2015 – 2 StR 115/​15, NStZ-RR 2016, 103 f. mwN; sie­he auch BGH, Beschluss vom 02.07.2015 – 2 StR 146/​15, NJW 2015, 3525 f.[]
  2. BGH, Urteil vom 29.04.1997 – 1 StR 511/​95, BGHSt 43, 66 ff.; BGH, Beschluss vom 29.05.2012 – 1 StR 59/​12, BGHSt 57, 247, 252 Rn. 22, sie­he auch BGH, Beschluss vom 05.04.2000 – 3 StR 114/​00, NStZ-RR 2000, 265; BGH, Urteil vom 22.01.1997 – 3 StR 516/​96, NStZ-RR 1997, 162 aber auch BGH, Beschluss vom 02.07.2015 – 2 StR 146/​15, NJW 2015, 3525 f.[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 28.03.2012 – 5 StR 49/​12; und vom 08.10.1997 – 2 StR 478/​97, NStZ-RR 1998, 68[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 22.10.2004 – 1 StR 248/​04, NStZ 2005, 329; vom 06.06.2002 – 1 StR 14/​02, NStZ 2002, 532; und vom 03.12 2002 – 1 StR 378/​02, NStZ-RR 2003, 71; BGH, Beschluss vom 29.05.2012 – 1 StR 59/​12, BGHSt 57, 247, 252 Rn. 22; vgl. auch BGH, Urtei­le vom 11.09.2003 – 4 StR 139/​03, NStZ 2004, 690; und vom 22.04.1998 – 3 StR 15/​98, NJW 1998, 3427[]