Anrech­nung von erfüll­ten Auf­la­gen beim Bewäh­rungs­wi­der­ruf

Die Anrech­nung einer Leis­tung nach § 56 f Abs. 3 Satz 2 StGB ist mit der sofor­ti­gen Beschwer­de anfecht­bar. Das Beschwer­de­ge­richt über­prüft sie in vol­lem Umfang und nicht nur auf ihre Gesetz­mä­ßig­keit 1.

Anrech­nung von erfüll­ten Auf­la­gen beim Bewäh­rungs­wi­der­ruf

Die Anrech­nungs­ent­schei­dung kann nur mit der sofor­ti­gen Beschwer­de ange­foch­ten wer­den, sie ist eine unselbst­stän­di­ge Anne­xent­schei­dung zum Wider­ruf. Sie hängt in ihrer Ent­ste­hung vom Wider­ruf ab, wird im Fal­le der Auf­he­bung des Wider­rufs gegen­stands­los und nur aus ihr ergibt sich, wie viel Frei­heits­stra­fe noch zu voll­stre­cken ist 2. Nur so ist gewähr­leis­tet, dass die Dau­er der noch zu voll­stre­cken­den Stra­fe bereits vor Voll­stre­ckungs­be­ginn fest­steht 3. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Anfech­tung der Anrech­nungs­ent­schei­dung in § 453 Abs. 2 Satz 3 StPO uner­wähnt bleibt. Alle Ent­schei­dun­gen, die Aus­sa­gen über das „Ob“ oder die „Höhe“ der (noch) zu voll­stre­cken­den Stra­fe ent­hal­ten, sind der for­mel­len Rechts­kraft zugäng­lich und über das Rechts­mit­tel der sofor­ti­gen Beschwer­de der vol­len Über­prüf­bar­keit des Beschwer­de­ge­richts unter­stellt 4.

Die ent­ge­gen­ste­hen­de Ansicht 5 hält die ein­fa­che Beschwer­de mit dem nach § 453 Abs. 2 Satz 2 StPO ein­ge­schränk­ten Prü­fungs­um­fang für das zuläs­si­ge Rechts­mit­tel. Die Anrech­nungs­ent­schei­dung nach § 56f Abs. 3 StPO stel­le eine sol­che von nach­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung dar. Wie auch die Fest­set­zung von Auf­la­gen oder Wei­sun­gen bei der Bewil­li­gung der Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung fal­le die­se Ent­schei­dung unter die all­ge­mei­ne Rege­lung, die besa­ge, dass der­ar­ti­ge Anord­nun­gen nur auf ihre Gesetz­mä­ßig­keit nach­ge­prüft wer­den könn­ten. Kon­se­quen­ter Wei­se sei Anfech­tung der Anrech­nungs­ent­schei­dung im Kata­log des § 453 Abs. 2 Satz 3 StPO nicht auf­ge­führt. Das OLG Stutt­gart folgt dem aus den o.a. Grün­den nicht.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 10. Janu­ar 2012 – 4 Ws 293/​11

  1. abwei­chend OLG Stutt­gart – 1. Straf­se­nat – MDR 1980, 1037[]
  2. OLG Düs­sel­dorf MDR 1985, 784 und NStZ 2001, 278; OLG Ham­burg MDR 1983, 953; OLG Mün­chen, Beschluss vom 13.04.1984 – 1 Ws 314/​83; Thü­rin­ger OLG, Beschluss vom 13.01.2011 – 1 Ws 515/​10, NStZ-RR 2011, 324; LG Stutt­gart MDR 1981, 335; Mey­er-Goß­ner, StPO, 54. Auf­la­ge, § 453 Rn. 13[]
  3. Appl in KK, StPO, 6. Auf­la­ge, § 453 Rn. 17; Stö­ckel in KMR, StPO, Stand 2000, § 453 Rn. 40[]
  4. Thü­rin­ger OLG aaO; LG Stutt­gart, aaO; Mey­er-Goß­ner aaO; a. A. – es gel­te den­noch § 453 Abs. 2 Satz 2 StPO – Appl aaO und Stö­ckel aaO[]
  5. OLG Stutt­gart – 1. Straf­se­nat, MDR 1980, 1037; Paeff­gen in SK-StPO, § 453 Rdn. 23; Wen­disch in Löwe Rosen­berg, StPO, § 453 Rdn. 23[]