Bestechung von Stadt­rats­mit­glie­dern – per Bera­ter­ver­trag

Eine Unrechts­ver­ein­ba­rung im Sin­ne des § 108e StGB a. F. der­ge­stalt, dass das ver­ein­bar­te Hono­rar dem Ange­klag­ten zumin­dest auch für ein künf­ti­ges, bestimm­tes Abstim­mungs­ver­hal­ten im Stadt­rat zu Gute kom­men soll­te 1 erfüllt den Tat­be­stand der Abge­ord­ne­ten­be­stechung.

Bestechung von Stadt­rats­mit­glie­dern – per Bera­ter­ver­trag

Die­se Unrechts­ver­ein­ba­rung erfüllt auch die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 108e Abs. 1 StGB n. F.; denn sie beinhal­tet, dass das Stadt­rats­mit­glied als Gegen­leis­tung für das ver­spro­che­ne Hono­rar im Auf­trag bzw. nach Wei­sung des Bestechen­den im Stadt­rat und damit bei Wahr­neh­mung sei­nes Man­dats zu des­sen Guns­ten abstimmt. Nach der Geset­zes­be­grün­dung sind die Tat­be­stands­merk­ma­le Auf­trag und Wei­sung weit und im Sin­ne eines all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauchs zu ver­ste­hen; sie erfas­sen jede Hand­lung, die den Abge­ord­ne­ten dazu bewe­gen soll, sich dem Inter­es­se des Auf­trags- oder Wei­sungs­ge­bers zu unter­wer­fen 2. Ob sich der Man­dats­trä­ger dabei inner­lich vor­be­hält, sein Abstim­mungs­ver­hal­ten nicht durch die Zuwen­dung beein­flus­sen zu las­sen, ist für die Straf­bar­keit eben­so wie bei § 108e StGB a. F. uner­heb­lich 3. Ent­schei­dend sind nicht inne­re Vor­be­hal­te, son­dern der vom Vor­satz umfass­te äuße­re Erklä­rungs­wert des Ver­hal­tens. Der Man­dats­trä­ger kann sich in die­sem Zusam­men­hang nicht dar­auf beru­fen, dass er sich ohne­hin im Sin­ne des Zuwen­den­den ver­hal­ten woll­te 4.

Der äuße­re Erklä­rungs­wert des fest­ge­stell­ten Ver­hal­tens, näm­lich das Ein­ge­hen des Stadt­rats­mit­glieds auf den ihm offe­rier­ten Bera­ter­ver­trag, der – wenn auch unge­schrie­ben – sein zukünf­ti­ges Abstim­mungs­ver­hal­ten hin­sicht­lich eines bestimm­ten; vom Vor­teils­ge­ber betrie­be­nen Pro­jekts beinhal­te­te, lässt sich hier nur so inter­pre­tie­ren, dass der Ange­klag­te nach Wei­sung des Vor­teils­ge­bers abstim­men soll­te und etwai­ge ent­ge­gen­ste­hen­de inne­re Über­zeu­gun­gen des- sen Inter­es­sen unter­ord­ne­te 5.

Die Annah­me eines Hono­rars für eine bestimm­te Stimm­ab­ga­be stellt zu- dem einen unge­recht­fer­tig­ten Vor­teil im Sin­ne des § 108e Abs. 4 n. F. dar. Nach § 24 der Thü­rin­ger Kom­mu­nal­ord­nung üben Gemein­de­rats­mit­glie­der ihr Ehren­amt nach dem Gesetz und ihrer frei­en, dem Gemein­wohl ver­pflich­te­ten Über­zeu­gung aus und sind an Auf­trä­ge und Wei­sun­gen gera­de nicht gebun­den. Mit die­ser Rechts­stel­lung ist ein bereits dem Kern­be­reich des § 108e StGB a. F. unter­fal­len­der Stim­men­kauf nicht ver­ein­bar.

Da das neue, am 1.09.2014 in Kraft getre­te­ne Gesetz nicht mil­der im Sin­ne des § 2 Abs. 3 StGB ist, blieb es im vor­lie­gen­den Fall bei der Anwen­dung des zur Tat­zeit gel­ten­den Geset­zes.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. März 2015 – 2 StR 281/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 09.05.2006 – 5 StR 453/​05, BGHSt 51, 44, 59 ff.; Fischer, StGB, 61. Aufl., § 108e Rn. 6 f.[]
  2. vgl. BT-Drs. 18/​476 S. 8[]
  3. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 09.05.2006 – 5 StR 453/​05, BGHSt 51, 44, 59 ff.[]
  4. BT-Drs. 18/​476 aaO[]
  5. vgl. BT-Drs. 18/​476 S. 5 ff.[]