Der als Zeu­ge beson­ders zuver­läs­si­ge Poli­zist

Die blo­ße Behaup­tung, ein Zeu­ge (hier der eine Geschwin­dig­keits­mes­sung durch­füh­ren­de Poli­zei­be­am­te) sei dem Gericht als beson­ders zuver­läs­sig bekannt, lässt – zumin­dest in die­ser pau­scha­len Form – kei­nen Rück­schluss auf die Zuver­läs­sig­keit der Anga­ben oder der Vor­ge­hens­wei­se des Zeu­gen im betref­fen­den Fall zu.

Der als Zeu­ge beson­ders zuver­läs­si­ge Poli­zist

Um die Zuver­läs­sig­keit des Beam­ten (vgl. die For­mu­lie­rung „gewis­sen­haft“) tat­säch­lich beur­tei­len zu kön­nen, hät­te sich das Gericht zuvor in einer Rei­he von Fäl­len, z. B. in unan­ge­kün­dig­ten Stich­pro­ben, tat­säch­lich von sei­ner Vor­ge­hens­wei­se und sei­nem Ver­hal­ten bei Mes­sun­gen in Kennt­nis set­zen müs­sen. Die­se „Über­prü­fun­gen“ müss­ten dann im Urteil zumin­dest kurz dar­ge­legt wer­den, um den dar­aus gezo­ge­nen Schluss für das Rechts­be­schwer­de­ge­richt nach­voll­zieh­bar bzw. über­prüf­bar wer­den zu las­sen. Ver­mut­lich beruht die­se des Öfte­ren in Urtei­len zu fin­den­de For­mu­lie­rung aber allein dar­auf, dass das Gericht den betref­fen­den Zeu­gen (den Mess­be­am­ten) in meh­re­ren Haupt­ver­hand­lun­gen gehört und sei­nen Anga­ben jeweils Glau­ben geschenkt hat. Dies kann rich­tig oder auch unrich­tig gewe­sen sein. Ein wei­ter gehen­der Schluss auf eine per­so­na­le Eigen­schaft des betref­fen­den Zeu­gen, sei­ne all­ge­mei­ne Zuver­läs­sig­keit, kann dar­aus nicht gezo­gen wer­den.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 12. April 2010 – 4 Ss 62/​10