Der gleich­gül­ti­ge Täter – und der Rück­tritt vom Mord­ver­such

Für die Abgren­zung von been­de­tem und unbe­en­de­tem Ver­such und damit für das Vor­lie­gen eines straf­be­frei­en­den Rück­tritts kommt es dar­auf an, ob der Täter nach der letz­ten sei­ner­seits kon­kret vor­ge­nom­me­nen Aus­füh­rungs­hand­lung den Ein­tritt des tat­be­stands­mä­ßi­gen Erfolgs für mög­lich hält 1.

Der gleich­gül­ti­ge Täter – und der Rück­tritt vom Mord­ver­such

Macht der Täter sich nach der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung kei­ne Vor­stel­lung über die Fol­gen sei­nes Tuns oder ist ihm der Erfolg gleich­gül­tig, ist ein been­de­ter Ver­such anzu­neh­men 2.

Nach die­sen Maß­stä­ben lag in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ein been­de­ter Ver­such vor. Zwar sind die Fest­stel­lun­gen zum Rück­tritts­ho­ri­zont des Ange­klag­ten nach dem Mes­ser­stich in den Ober­kör­per des R. lücken­haft. Der Bun­des­ge­richts­hof ent­nimmt aber dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Urteils­grün­de, dass dem Ange­klag­ten der Ein­tritt des Todes des Zeu­gen jeden­falls gleich­gül­tig war. Denn er flüch­te­te sofort nach dem Mes­ser­stich und über­ließ den Geschä­dig­ten sei­nem Schick­sal. Der Schluss des Land­ge­richts, dass sich in die­sem Ver­hal­ten eine "Gleich­gül­tig­keit gegen­über dem Rechts­gut Leben" offen­bar­te, ist auf der Grund­la­ge der zu dem Mes­ser­stich getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen im Ergeb­nis recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. August 2019 – 4 StR 330/​19

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 19.05.1993 – GSSt 1/​93, BGHSt 39, 221, 227, NStZ 1993, 433[]
  2. st. Rspr.; BGH, Urtei­le vom 02.11.1994 – 2 StR 449/​94, BGHSt 40, 304, 306, NJW 1995, 974; vom 16.04.2015 – 3 StR 645/​14, NStZ 2015, 509 mwN; und vom 07.02.2018 – 2 StR 171/​17, NStZ-RR 2018, 137[]