Die nicht aus­ge­schöpf­te Ankla­ge – und der Teil­frei­spruch

Soweit eine Ver­ur­tei­lung die Ankla­ge nicht aus­schöpft, muss Teil­frei­spruch erfol­gen 1.

Die nicht aus­ge­schöpf­te Ankla­ge – und der Teil­frei­spruch

Eines Teil­frei­spruchs bedarf es nur dann nicht, wenn das Gericht meh­re­re tat­mehr­heit­lich ange­klag­te Taten als erwie­sen ansieht, aber ledig­lich (in dubio pro reo) tat­ein­heit­lich abur­teilt 2.

So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall: Das Land­ge­richt hat nicht bei­de ange­klag­ten Taten als nach­ge­wie­sen ange­se­hen, son­dern ist in Anwen­dung des Zwei­fel­sat­zes davon aus­ge­gan­gen, dass der Ange­klag­te nur eine Tat zum Nach­teil sei­ner Toch­ter began­gen habe. Die im Urteil fest­ge­stell­te Bege­hungs­wei­se ent­spricht Fall 2 der Ankla­ge. Wegen der nicht abge­ur­teil­ten Tat hät­te ein Teil­frei­spruch auf Kos­ten der Staats­kas­se erfol­gen müs­sen. Die Urteils­for­mel war daher ent­spre­chend zu ergän­zen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. März 2017 – 5 StR 68/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 12.12 2005 – 5 StR 448/​05 , BGH, Beschluss vom 30.05.2008 – 2 StR 174/​08 , NStZ-RR 2008, 287; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 59. Aufl., § 260 Rdnr. 13 m. w. N.; LR-Stu­cken­berg, StPO, 26. Aufl., § 260 Rdnrn. 36, 55, jeweils m. w. N.[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 27.03.2007 – 5 StR 67/​07 , BGH, Beschlüs­se vom 30.05.2008 – 2 StR 174/​08 ; und vom 24.09.1998 – 4 StR 272/​98 ; BGH, Urteil vom 17.11.1999 – 2 StR 362/​99 ; BGH, Beschluss vom 07.01.2004 – 4 StR 415/​03[]