Durch­su­chungs­an­ord­nung – und das Behör­den­zeug­nis des Ver­fas­sungs­schut­zes

Für die Zuläs­sig­keit einer regel­mä­ßig in einem frü­hen Sta­di­um der Ermitt­lun­gen in Betracht kom­men­den Durch­su­chung genügt der über blo­ße Ver­mu­tun­gen hin­aus­rei­chen­de, auf bestimm­te tat­säch­li­che Anhalts­punk­te gestütz­te kon­kre­te Ver­dacht, dass eine Straf­tat began­gen wor­den ist und der Ver­däch­ti­ge als Täter oder Teil­neh­mer an die­ser Tat in Betracht kommt. Eines hin­rei­chen­den oder gar drin­gen­den Tat­ver­dachts bedarf es – unbe­scha­det der Fra­ge der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit – nicht 1.

Durch­su­chungs­an­ord­nung – und das Behör­den­zeug­nis des Ver­fas­sungs­schut­zes

Auch Behör­den­zeug­nis­se der Ver­fas­sungs­schutz­äm­ter des Bun­des und der Län­der kön­nen dazu bei­tra­gen, einen kon­kre­ten Ver­dacht in die­sem Sin­ne zu begrün­den.

Zwar han­delt es sich hier­bei regel­mä­ßig nur um sekun­dä­re Beweis­mit­tel, wel­che die unmit­tel­ba­ren Quel­len der dort wie­der­ge­ge­be­nen Erkennt­nis­se nicht oder nur unvoll­stän­dig offen legen und daher einer vor­sich­ti­gen Wür­di­gung und der Her­an­zie­hung wei­te­rer zur Ver­fü­gung ste­hen­der Erkennt­nis­mög­lich­kei­ten bedür­fen 2. Dies nimmt Behör­den­zeug­nis­sen jedoch nicht von vorn­her­ein jeg­li­chen Beweis­wert. Der Umfang ihrer Beweis­kraft bedarf viel­mehr einer Prü­fung im Ein­zel­fall.

Dabei ist auch zu berück­sich­ti­gen, ob sie ledig­lich zum Beleg eines Anfangs­ver­dachts (§ 160 Abs. 1 StPO) oder zur Begrün­dung einer höhe­ren Ver­dachts­stu­fe her­an­ge­zo­gen wer­den.

Soweit in den Behör­den­zeug­nis­sen der Inhalt pri­mä­rer Beweis­mit­tel wie­der­ge­ge­ben wird, beur­teilt sich die Zuver­läs­sig­keit die­ser Anga­ben nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen. Inso­weit kann etwa die Kon­kret­heit der Aus­füh­run­gen eben­so von Bedeu­tung sein wie deren Umfang oder Objek­ti­vie­rung anhand wei­te­rer, unmit­tel­bar vor­lie­gen­der Beweis­mit­tel.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. August 2015 – StB 8/​15

  1. st. Rspr.; vgl. BVerfG Beschluss vom 07.09.2006 – 2 BvR 1219/​05, NJW 2007, 1443; BGH, Beschluss vom 18.12 2008 – StB 26/​08, NStZ-RR 2009, 142, 143[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 26.03.2009 – StB 20/​08, BGHSt 53, 238, 247 zu einem hin­rei­chen­den Tat­ver­dacht im Sin­ne des § 203 StPO[]