Erwerb von Kom­man­dit­an­tei­len – und der Ver­mö­gens­scha­den des Ver­äu­ße­rers

Auch die Wer­tung des Land­ge­richts, die Ver­äu­ße­rer der Kom­man­dit­an­tei­le hät­ten, weil sie irr­tums­be­dingt noch abruf­ba­re Gut­ha­ben auf Ver­rech­nungs­kon­ten nicht abge­ru­fen oder bei der Kauf­preis­bil­dung gel­tend gemacht haben, einen Ver­mö­gens­scha­den in Form einer scha­dens­glei­chen Ver­mö­gens­ge­fähr­dung erlit­ten, hält recht­li­cher Nach­prü­fung nicht stand.

Erwerb von Kom­man­dit­an­tei­len – und der Ver­mö­gens­scha­den des Ver­äu­ße­rers

Ein Ver­mö­gens­ver­lust als Scha­den im Sin­ne des § 263 Abs. 1 StGB tritt ein, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Getäusch­ten bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se unmit­tel­bar zu einer nicht durch Zuwachs aus­ge­gli­che­nen Min­de­rung des Gesamt­werts sei­nes Ver­mö­gens führt (Prin­zip der Gesamt­sal­die­rung) [1]. Maß­geb­lich ist jeweils der Zeit­punkt der Ver­mö­gens­ver­fü­gung, also der Ver­gleich des Ver­mö­gens­werts unmit­tel­bar vor und nach der Ver­fü­gung [2].

Die Annah­me eines gegen­wär­ti­gen Ver­mö­gens­scha­dens ist nur bei der kon­kre­ten Gefahr eines zukünf­ti­gen Ver­lusts mit dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestimmt­heits­grund­satz (Art. 103 Abs. 2 GG) ver­ein­bar. (Abs­trak­te) Risi­ken genü­gen nicht. Denn dies wider­sprä­che dem Cha­rak­ter des Betrugs als Ver­mö­gens­de­likt [3]. Das Tat­ge­richt ist gehal­ten, den Ver­mö­gens­scha­den zu bezif­fern.

Ein Ver­mö­gens­cha­den in die­sem Sin­ne bereits zu Beginn der Ver­hand­lun­gen über die Ver­äu­ße­rung der Kom­man­dit­an­tei­le ist ent­ge­gen der Ansicht des Land­ge­richts nicht ein­ge­tre­ten. Des­sen Wer­tung, schon durch die feh­len­de Auf­klä­rung über die von den Ver­rech­nungs­kon­ten noch abruf­ba­ren Gut­ha­ben sei im Ver­mö­gen des poten­ti­el­len Ver­käu­fers ein end­gül­ti­ger „Gefähr­dungs­scha­den“ ent­stan­den, ist rechts­feh­ler­haft. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob die Ansicht des Land­ge­richts zutrifft, der Kauf- und Über­nah­me­ver­trag erlau­be – auch im Innen­ver­hält­nis – noch bis zur Ein­tra­gung des Gesell­schaf­ter­wech­sels im Han­dels­re­gis­ter das Abru­fen der Gut­ha­ben, obwohl der Kauf­ver­trag bestimmt, dass der Ver­käu­fer die Kom­man­dit­be­tei­li­gung ein­schließ­lich aller Gesell­schaf­ter­kon­ten „mit sofor­ti­ger Wir­kung“ an den Käu­fer ver­kauft und über­trägt.

Bei Beginn der jewei­li­gen Ver­trags­ver­hand­lun­gen stand noch gar nicht fest, ob ein Kauf- und Über­nah­me­ver­trag tat­säch­lich geschlos­sen wür­de. Kann­te der Kom­man­di­tist zu die­sem Zeit­punkt das ihm zuste­hen­de Gut­ha­ben, das bei einer Ver­äu­ße­rung des Kom­man­dit­an­teils auf den Erwer­ber mit­über­tra­gen wür­de, nicht, so bestand zwar die Gefahr, dass er unbe­wusst das Gut­ha­ben mit­ver­äu­ßer­te. Für die Annah­me eines Ver­mö­gens­scha­dens reicht dies jedoch nicht aus. Denn der Bestand eines Aus­zah­lungs­an­spruchs wird durch sei­ne unter­blie­be­ne Gel­tend­ma­chung nicht berührt [4]. Jeden­falls ver­min­dert die fort­dau­ern­de Unkennt­nis von einem Anspruch den Wert des wei­ter bestehen­den Anspruchs nicht in bezif­fer­ba­rer Wei­se [5].

Den Ver­äu­ße­rern der Kom­man­dit­an­tei­le könn­te jedoch – eine Täu­schung durch Unter­las­sen unter­stellt – infol­ge­des­sen durch den Abschluss des Kauf- und Über­nah­me­ver­tra­ges ein Ver­mö­gens­scha­den ent­stan­den sein, wenn sie durch oder infol­ge die­ses Ver­trags­schlus­ses den Anspruch auf Aus­zah­lung der auf den Ver­rech­nungs­kon­ten vor­han­de­nen Gut­ha­ben an den Erwer­ber ver­lo­ren haben. Die­ser wur­de von der Abtre­tung der Kom­man­dit­be­tei­li­gung mit­um­fasst (§§ 413, 398 ff. BGB); allein bedurf­te es zur Wirk­sam­keit die­ser Abtre­tung der Zustim­mung der Kom­ple­men­tär­ge­sell­schaft (vgl. § 399 Alter­na­ti­ve 2 BGB). Den Ein­tritt eines Ver­mö­gens­scha­dens kann der Bun­des­ge­richts­hof jedoch nicht prü­fen, weil das Land­ge­richt eine Gesamt­sal­die­rung des Ver­mö­gens vor und nach dem Ver­trags­schluss über die Ver­äu­ße­rung der Kom­man­dit­an­tei­le nicht vor­ge­nom­men hat. In die­se Gesamt­sal­die­rung wären nicht nur der auf­grund des Ver­trags­ab­schlus­ses zuguns­ten der Ver­äu­ße­rer ent­stan­de­ne Anspruch auf Zah­lung des ver­ein­bar­ten Kauf­prei­ses und der auf den Ver­rech­nungs­kon­ten vor­han­de­ne Gut­ha­ben­stand, son­dern auch der Wert der Kom­man­dit­an­tei­le und auf den Erwer­ber über­ge­hen­de Ver­bind­lich­kei­ten gegen­über der P. auf­grund mög­li­cher­wei­se noch nicht voll­stän­dig geleis­te­ter Kommandit(pflicht)ein­la­gen ein­zu­be­zie­hen gewe­sen. Zum Wert der Kom­man­dit­an­tei­le und zur Fra­ge, ob die Kom­man­dit­ein­la­gen voll­stän­dig geleis­tet waren, hat das Land­ge­richt kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen. Das jewei­li­ge Gut­ha­ben auf den Ver­rech­nungs­kon­ten ist nur eine von meh­re­ren für die Gesamt­sal­die­rung bedeut­sa­me Posi­ti­on.

In dem Fall, in dem schon der Gut­ha­ben­stand des Ver­rech­nungs­kon­tos den ver­ein­bar­ten Kauf­preis für den Kom­man­dit­an­teil über­stieg, liegt zwar unab­hän­gig vom Wert der Kom­man­dit­an­tei­le nahe, dass der Kom­man­di­tis­tin durch Abschluss des Kauf- und Über­nah­me­ver­tra­ges über ihren Geschäfts­an­teil ein Ver­mö­gens­scha­den ent­stan­den ist. Die Urteils­fest­stel­lun­gen sind jedoch auch in die­sem Fall bereits des­we­gen durch­grei­fend lücken­haft, weil es an einer Fest­stel­lung fehlt, ob die Kom­man­dit­ein­la­ge voll­stän­dig geleis­tet war.

Ein Ver­mö­gens­ver­lust als Scha­den im Sin­ne des § 263 Abs. 1 StGB tritt dann ein, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Getäusch­ten bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se unmit­tel­bar zu einer nicht durch Zuwachs aus­ge­gli­che­nen Min­de­rung des Gesamt­werts sei­nes Ver­mö­gens führt (Prin­zip der Gesamt­sal­die­rung). Dies ist bei einer blo­ßen Nicht­gel­tend­ma­chung der von den Ver­rech­nungs­kon­ten noch abruf­ba­ren Gut­ha­ben noch nicht der Fall.

Mit­hin lag die maß­geb­li­che Ver­mö­gens­ver­fü­gung in der Abtre­tung der Kom­man­dit­an­tei­le ein­schließ­lich der Gut­ha­ben auf den Ver­rech­nungs­kon­ten, weil die Kom­man­di­tis­ten hier­durch den Anspruch auf Aus­zah­lung der auf den Ver­rech­nungs­kon­ten vor­han­de­nen Gut­ha­ben an den Erwer­ber ver­lo­ren (§§ 413, 398 ff. BGB). Es wäre des­halb eine Gesamt­sal­die­rung des Ver­mö­gens vor und nach dem Ver­trags­schluss über die Ver­äu­ße­rung der Kom­man­dit­an­tei­le vor­zu­neh­men gewe­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2019 – 1 StR 171/​19

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 04.07.2019 – 4 StR 36/​19 Rn 13; vom 14.03.2019 – 4 StR 426/​18 Rn. 17; vom 18.02.2009 – 1 StR 731/​08, BGHSt 53, 199 Rn. 10; vom 25.01.2012 – 1 StR 45/​11, BGHSt 57, 95 Rn. 75; und vom 29.01.2013 – 2 StR 422/​12 Rn. 15; Urtei­le vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13, BGHSt 60, 1 Rn. 31; vom 02.02.2016 – 1 StR 437/​15, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 86 Rn. 33; und vom 16.06.2016 – 1 StR 20/​16 Rn. 33[]
  2. BGH, Urtei­le vom 02.02.2016 – 1 StR 437/​15, aaO; vom 16.06.2016 – 1 StR 20/​16, aaO; Beschluss vom 14.04.2011 – 2 StR 616/​10 Rn. 12[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 07.12.2011 – 2 BvR 2500/​09 u.a. Rn. 175 ff., BVerfGE 130, 1, 47 ff.[]
  4. vgl. Bublitz/​Gehrmann, wis­tra 2004, 126, 128 f.[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 12.12.2013 – 3 StR 146/​13 Rn. 14[]