Knöll­chen euro­pa­weit

Der Aus­tausch von Fahr­zeug­hal­ter­da­ten zwi­schen EU-Mit­glied­staa­ten wird wohl bald zur Regel wer­den, um Über­tre­tun­gen der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung zu ahn­den, gleich wo sie in der Euro­päi­schen Uni­on began­gen wur­den, denn das Euro­päi­sche Par­la­ment hat neue Vor­ga­ben für die grenz­über­schrei­ten­de poli­zei­li­che Zusam­men­ar­beit im Diens­te der Ver­kehrs­si­cher­heit ver­ab­schie­det.

Knöll­chen euro­pa­weit

Ziel der nach mehr als drei­jäh­ri­gen Dis­kus­sio­nen vom Euro­päi­sche Par­la­ment ver­ab­schie­de­ten Richt­li­nie ist eine Ver­bes­se­rung der Ver­kehrs­si­cher­heit. Es soll für alle glei­ches Recht gel­ten, auch für jene Ver­kehrs­sün­der, die in einem ande­ren Mit­glied­staat woh­nen.

Nach der neu­en Richt­li­nie ver­pflich­ten sich die EU-Mit­glied­staa­ten, die Len­ker- oder Fahr­zeug­hal­ter­da­ten im Fall einer schwe­ren Über­tre­tung auf Anfra­ge den Behör­den eines ande­ren Mit­glied­staa­tes zur Ver­fü­gung zu stel­len. Letz­te­re sen­den dem Ver­kehrs­sün­der einen per­sön­lich adres­sier­ten, ein­ge­schrie­be­nen Brief, um ihn über das Delikt, die Stra­fe sowie die recht­li­chen Kon­se­quen­zen und Wider­spruchs­mög­lich­kei­ten zu infor­mie­ren. Straf­ver­fol­gung und Höhe des Buß­gelds ent­spre­chen ein­zig den Regeln des Staa­tes, in dem die Über­tre­tung began­gen wur­de.

Die per­sön­li­chen Daten dür­fen nur zum Zweck ver­bes­ser­ter Ver­kehrs­si­cher­heit gespei­chert wer­den und sind nach Been­di­gung des Ver­fah­rens zu löschen.

Grenz­über­grei­fen­de Ver­fol­gung soll nach der vom Euro­päi­schen Par­la­ment beschlos­se­nen Richt­li­nie in fol­gen­den Fäl­len sys­te­ma­tisch ermög­licht wer­den:

  • Geschwin­dig­keits­über­tre­tun­gen,
  • Alko­hol oder Dro­gen am Steu­er,
  • ein nicht­an­ge­leg­ter Gurt,
  • das Über­fah­ren einer roten Ampel,
  • Fah­ren ohne Motor­rad­helm,
  • das Befah­ren eines für den Nor­mal­ver­kehr gesperr­ten Fahr­strei­fens (etwa Bus­spu­ren) und
  • die ille­ga­le Nut­zung von Mobil­te­le­fo­nen oder ande­ren elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­ten.

Dem jet­zi­gen Richt­li­ni­en­be­schluss des Euro­päi­schen Par­la­ments liegt eine infor­mel­len Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Euro­päi­schen Par­la­ment und dem Minis­ter­rat zugrun­de. Die Richt­li­nie muss nun noch vom Minis­ter­rat ange­nom­men wer­den, um unmit­tel­bar nach der Ver­öf­fent­li­chung im EU-Amts­blatt in Kraft tre­ten zu kön­nen.

Die Mit­glied­staa­ten haben dann maxi­mal 24 Mona­te Zeit, um die neu­en Regeln umzu­set­zen. Aus­ge­nom­men blei­ben vor­erst Irland und das Ver­ei­nig­te König­reich, die sich dem Sys­tem spä­ter anschlie­ßen kön­nen, sowie – aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den – Däne­mark.