Flucht – und der räu­be­ri­sche Dieb­stahl

"Auf fri­scher Tat betrof­fen" ist der Fall, wenn der Täter noch in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Tat­ort und als­bald nach der Tat­aus­füh­rung wahr­ge­nom­men wird, wenn also im Moment der Wahr­neh­mung noch ein enger, sowohl ört­li­cher als auch zeit­li­cher Zusam­men­hang mit der Vor­tat besteht [1].

Flucht – und der räu­be­ri­sche Dieb­stahl

Danach war die Tat zwar im Moment des Zugriffs durch die Beam­ten des Mobi­len Ein­satz­kom­man­dos nicht mehr "frisch"; anders ver­hält es sich indes bei der Wahr­neh­mung durch die Obser­va­ti­ons­kräf­te. Dabei steht dem Betref­fen nicht ent­ge­gen, dass die­se die Tat nicht erst nach ihrer Voll­endung ent­deck­ten, son­dern sie bereits von Anfang an beob­ach­te­ten [2].

Gemäß dem ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 252 StGB kommt es für die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung fer­ner nicht dar­auf an, dass sich die in dem Anfah­ren auf den Poli­zei­be­am­ten lie­gen­de, dem Ange­klag­ten gemäß § 25 Abs. 2 StGB zuzu­rech­nen­de Gewalt­an­wen­dung nicht gegen einen der Poli­zei­be­am­ten rich­te­te, der die Täter auf fri­scher Tat ange­trof­fen hat­te [3]. Es genügt, dass die Nöti­gungs­hand­lung Fol­ge des Betrof­fen­seins ist, mit­hin zu die­sem in Bezug steht. Ein sol­cher ist auch gege­ben, wenn das Nöti­gungs­mit­tel im Rah­men der soge­nann­ten Nach­ei­le ange­wen­det wird, also wäh­rend der sich unmit­tel­bar an das Betref­fen auf fri­scher Tat anschlie­ßen­den Ver­fol­gung [4].

Lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen vor, kommt es auf einen engen zeit­li­chen und räum­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen Vor­tat und Gewalt­an­wen­dung nicht an, solan­ge die Ver­fol­gung – wie vor­lie­gend – ohne Zäsur durch­ge­führt wird [5].

Die Täter han­del­ten im vor­lie­gen­den Fall han­del­te auch vor­sätz­lich. Dazu ist zwar erfor­der­lich, dass sich der Vor­satz des Täters auch auf sein eige­nes Betrof­fen­sein bezieht [6]. Da die­ser Vor­satz jedoch gemäß § 16 Abs. 1 Satz 1 StGB erst bei Bege­hung der Tat, also bei Vor­nah­me der tat­be­stands­mä­ßi­gen Hand­lung vor­lie­gen muss, reicht es in der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on aus, wenn der Ange­klag­te in dem Moment des Gewahr­wer­dens der Poli­zei­kräf­te und der Ent­schei­dung, auf einen von ihnen zuzu­fah­ren, jeden­falls erkann­te und bil­li­gend in Kauf nahm, dass er mög­li­cher­wei­se bereits in unmit­tel­ba­rer zeit­li­cher und räum­li­cher Nähe zum Dieb­stahl bemerkt wor­den war und dies zu der Poli­zei­ak­ti­on führ­te.

Die Poli­zei­be­am­ten brems­ten mit ihren Fahr­zeu­gen die PKW der Täter aus; sie waren mit Sturm­hau­ben beklei­det und tra­ten dem Ange­klag­ten und den übri­gen Betei­lig­ten sofort mit gezo­ge­nen Waf­fen ent­ge­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund ist auch ange­sichts einer zurück­ge­leg­ten Ent­fer­nung von 35 km und einem Zeit­ab­lauf von rund 30 Minu­ten seit Öff­nung des Tre­sors aus­zu­schlie­ßen, dass der Ange­klag­te aus die­sen Umstän­den nicht den (zutref­fen­den) Schluss zog, die Akti­on sei Fol­ge einer Ent­de­ckung bereits wäh­rend des Dieb­stahls bzw. in unmit­tel­ba­rem räum­li­chem und zeit­li­chem Zusam­men­hang mit die­sem gewe­sen.

BGH, Beschluss vom 4. August 2015 – 3 StR 112/​15

  1. st. Rspr.; vgl. schon BGH, Urtei­le vom 08.06.1956 – 2 StR 206/​56, BGHSt 9, 255, 257; vom 13.12 1978 – 3 StR 381/​78, BGHSt 28, 224, 229 f.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 03.07.1958 – 4 StR 208/​58, NJW 1958, 1547[]
  3. vgl. Schnarr, JR 1979, 314, 316 f.[]
  4. BGH, Urtei­le vom 17.04.1951 – 1 StR 134/​51; vom 26.06.1952 – 5 StR 517/​52, NJW 1952, 1026; vom 21.11.1961 – 1 StR 444/​61, GA 1962, 145[]
  5. eben­so NK-StGB-Kind­häu­ser, 4. Aufl., § 252 Rn. 18; S/​S‑Eser/​Bosch, StGB, 29. Aufl., § 252 Rn. 5/​6; aA Küper, BT, 5. Aufl., S. 94[]
  6. vgl. LK/​Vogel, StGB, 12. Aufl., § 252 Rn. 24, 60; SK-StGB/­Sinn, 137. Lfg., § 252 Rn. 16[]