Frei­spruch – und die Urteils­grün­de

Kann sich ein Gericht nicht von der Täter­schaft eines Ange­klag­ten über­zeu­gen, ist zunächst der Ankla­ge­vor­wurf auf­zu­zei­gen 1. Sodann muss in einer geschlos­se­nen Dar­stel­lung dar­ge­legt wer­den, wel­chen Sach­ver­halt das Gericht als fest­ge­stellt erach­tet.

Frei­spruch – und die Urteils­grün­de

Erst danach ist zu erör­tern, aus wel­chen Grün­den die für einen Schuld­spruch erfor­der­li­chen zusätz­li­chen Fest­stel­lun­gen nicht getrof­fen wer­den kön­nen 2. Dies hat nach der Auf­ga­be, wel­che die Urteils­grün­de erfül­len sol­len, so voll­stän­dig und genau zu gesche­hen, dass das Revi­si­ons­ge­richt in der Lage ist nach­zu­prü­fen, ob der Frei­spruch auf recht­lich beden­ken­frei­en Erwä­gun­gen beruht 3.

Spricht das Tat­ge­richt einen Ange­klag­ten frei, weil es Zwei­fel an sei­ner Täter­schaft nicht über­win­den kann, so ist dies vom Revi­si­ons­ge­richt in der Regel hin­zu­neh­men. Die Wür­di­gung der Bewei­se ist Sache des Tatrich­ters, dem allein es obliegt, sich unter dem Ein­druck der Haupt­ver­hand­lung ein Urteil über die Schuld oder Unschuld des Ange­klag­ten zu bil­den. Das Revi­si­ons­ge­richt kann dem­ge­gen­über nur prü­fen, ob die Beweis­wür­di­gung des Tatrich­ters mit Rechts­feh­lern behaf­tet ist, etwa weil sie Lücken oder Wider­sprü­che auf­weist, mit den Denk­ge­set­zen oder gesi­cher­tem Erfah­rungs­wis­sen nicht in Ein­klang steht oder an die Über­zeu­gung von der Schuld des Ange­klag­ten über­zo­ge­ne Anfor­de­run­gen gestellt wer­den 4. Lücken­haft ist die Wür­di­gung der Bewei­se ins­be­son­de­re dann, wenn das Urteil nicht erken­nen lässt, dass der Tatrich­ter alle Umstän­de, die geeig­net sind, die Ent­schei­dung zu Guns­ten oder zu Unguns­ten des Ange­klag­ten zu beein­flus­sen, in sei­ne Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen und dabei nicht nur iso­liert gewer­tet, son­dern in eine umfas­sen­de Gesamt­wür­di­gung ein­ge­stellt hat 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Mai 2016 – 2 StR 7/​16

  1. BGHSt 37, 22[][]
  2. BGH NJW 2013, 1106[]
  3. vgl. Mey­er-Goß­ner/Appl, Die Urtei­le in Straf­sa­chen, 29. Aufl., Rn. 621 ff.[]
  4. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 06.08.2015 – 3 StR 226/​15 5[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 02.04.2015 – 3 StR 635/​14 3[]