Gesamt­stra­fen­bil­dung unter Ein­be­zie­hung frü­he­rer Stra­fen – und die bereits erbrach­ten Bewäh­rungs­auf­la­gen

Wer­den frü­he­re Stra­fen, deren Voll­stre­ckung zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wor­den war, nach § 55 Abs. 1 Satz 1 StGB in eine nicht zur Bewäh­rung aus­ge­setz­te Gesamt­frei­heits­tra­fe ein­be­zo­gen, ent­fällt die ursprüng­lich gewähr­te Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung.

Gesamt­stra­fen­bil­dung unter Ein­be­zie­hung frü­he­rer Stra­fen – und die bereits erbrach­ten Bewäh­rungs­auf­la­gen

Das Gericht ist daher gehal­ten, gemäß § 58 Abs. 2 Satz 2, § 56 f Abs. 3 Satz 2 StGB über die Anrech­nung von Leis­tun­gen zu ent­schei­den, die der Ange­klag­te zur Erfül­lung von Auf­la­gen aus dem Bewäh­rungs­be­schluss des Amts­ge­richts erbracht hat. Eine Berück­sich­ti­gung bei der Bemes­sung der Gesamt­frei­heits­stra­fe genügt regel­mä­ßig nicht 1.

Die feh­len­de Anrech­nung ist in der Revi­si­ons­in­stanz auch dann auf die Sach­rü­ge hin zu beach­ten 2, wenn das Urteil des Land­ge­richts Anga­ben zu "bereits geleis­te­ten Arbeits­stun­den und Zah­lun­gen" ent­hält und die­se – rechts­feh­ler­haft – bei der Gesamt­stra­fen­bil­dung zu sei­nen Guns­ten Beach­tung gefun­den haben 3. Die Kam­mer hät­te daher dar­le­gen müs­sen, wel­che Leis­tun­gen der Ange­klag­te auf die Bewäh­rungs­auf­la­gen erbracht hat und die­se durch eine die Voll­stre­ckung ver­kür­zen­de Anrech­nung auf die Gesamt­frei­heits­stra­fe aus­glei­chen müs­sen 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. August 2018 – 4 StR 250/​18

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 22.02.2017 – 1 StR 555/​16, NStZ-RR 2017, 199 f. [Ls]; Beschluss vom 18.02.2014 – 3 StR 442/​13, NStZ-RR 2014, 138 [Ls]; Beschluss vom 20.03.1990 – 1 StR 283/​89, BGHSt 36, 378, 381 ff.; jeweils mwN[]
  2. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 22.02.2007 – 4 StR 49/​07, Stra­Fo 2007, 249; Beschluss vom 07.03.2001 – 2 StR 43/​01, Rn. 3; Beschluss vom 17.03.1988 – 1 StR 361/​87, BGHSt 35, 238, 241[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 19.05.1992 – 4 StR 207/​92[]
  4. zu einem mög­li­chen Anrech­nungs­maß­stab vgl. BGH, Beschluss vom 02.04.2009 – 2 StR 11/​09, NStZ-RR 2009, 201[]