Haupt­ver­hand­lung in Buß­geld­sa­chen – und das per­sön­li­che Erschei­nen

Der Antrag des Betrof­fe­nen, ihn nach Ein­räu­mung der Fahr­er­ei­gen­schaft gem. § 73 Abs. 2 OWiG von der Ver­pflich­tung zum per­sön­li­chen Erschei­nen in der Haupt­ver­hand­lung zu ent­bin­den, kann nicht wegen der rein theo­re­ti­schen Mög­lich­keit eines fal­schen Geständ­nis­ses abge­lehnt wer­den.

Haupt­ver­hand­lung in Buß­geld­sa­chen – und das per­sön­li­che Erschei­nen

Die Auf­fas­sung, trotz der gestän­di­gen Ver­tei­di­gerer­klä­rung müs­se durch den Ver­gleich des Beweis­fo­tos mit dem Aus­se­hen des Betrof­fe­nen über­prüft wer­den, ob des­sen vom Ver­tei­di­ger berich­te­tes Geständ­nis zutref­fend sei, über­spannt die Anfor­de­run­gen an die Amts­auf­klä­rungs­pflicht in § 244 Abs. 2 StPO und die gericht­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung in § 261 StPO, zumin­dest soweit – wie im vor­lie­gen­den Fall – kon­kre­te Anhalts­punk­te für ein fal­sches Geständ­nis feh­len. Die Amts­auf­klä­rungs­pflicht gebie­tet ledig­lich, sich auf­drän­gen­de Beweis­mit­tel zu dem Zweck, die rich­ter­li­che Über­zeu­gung vom Vor­lie­gen ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Tat­sa­chen her­zu­stel­len, zu nut­zen. Hin­ge­gen muss die rich­ter­li­che Über­zeu­gung theo­re­ti­schen Zwei­feln, für die es kei­ner­lei kon­kre­te Anhalts­punk­te gibt, unan­ge­foch­ten stand­hal­ten. Eine sol­che ledig­lich theo­re­ti­sche Mög­lich­keit ist hier gege­ben, soweit trotz der gestän­di­gen Ver­tei­di­gerer­klä­rung die Fahr­er­ei­gen­schaft des Betrof­fe­nen in Zwei­fel gezo­gen wird. Dabei kommt es auch nicht dar­auf an, dass die Ver­tei­di­gerer­klä­rung nicht vom Betrof­fe­nen selbst, son­dern vom Ver­tei­di­ger als zwi­schen­ge­schal­te­ter Per­son unter­zeich­net ist 1.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 10. Okto­ber 2013 – 4a Ss 428/​13

  1. OLG Stutt­gart, Beschluss vom 23.05.2011- 2 Ss 280/​11[]