Jugend­straf­recht – bei Her­an­wach­sen­den

Gemäß § 105 Abs. 1 Nr. 1 JGG ist auf einen Her­an­wach­sen­den Jugend­straf­recht anzu­wen­den, wenn die Gesamt­wür­di­gung der Per­sön­lich­keit des Täters bei Berück­sich­ti­gung auch der Umwelt­be­din­gun­gen ergibt, dass er zur Zeit der Tat nach sei­ner sitt­li­chen und geis­ti­gen Ent­wick­lung noch einem Jugend­li­chen gleich­stand.

Jugend­straf­recht – bei Her­an­wach­sen­den

Einem Jugend­li­chen gleich­zu­stel­len ist der noch unge­fes­tig­te und präg­ba­re Her­an­wach­sen­de, bei dem Ent­wick­lungs­kräf­te noch in grö­ße­rem Umfang wirk­sam sind.

Ist das nicht der Fall und ste­hen Rei­fe­rück­stän­de nicht im Vor­der­grund, hat der Täter viel­mehr die einen jun­gen Erwach­se­nen kenn­zeich­nen­de Aus­for­mung erfah­ren, ist auf ihn all­ge­mei­nes Straf­recht anzu­wen­den 1.

Ob dies der Fall ist, ist auf­grund einer Gesamt­wür­di­gung sei­ner Per­sön­lich­keit und unter Berück­sich­ti­gung der sozia­len Lebens­be­din­gun­gen und Umwelt­be­din­gun­gen zu beur­tei­len. Dem Tatrich­ter steht hier­bei ein wei­ter Beur­tei­lungs­spiel­raum zu 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Sep­tem­ber 2018 – 1 StR 193/​18

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 23.10.1958 – 4 StR 327/​58, BGHSt 12, 116, 118; vom 16.01.1968 – 1 StR 604/​67, BGHSt 22, 41, 42; vom 06.12 1988 – 1 StR 620/​88, BGHSt 36, 37, 39; vom 20.05.2002 – 2 StR 2/​02, BGHR JGG § 105 Abs. 1 Nr. 1 Ent­wick­lungs­stand 8; und vom 20.05.2014 – 1 StR 610/​13, NStZ 2015, 230 f.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 06.12 1988 – 1 StR 620/​88, BGHSt 36, 37 f. mwN; vom 11.03.2003 – 1 StR 507/​02, NStZ-RR 2003, 186 ff.; und vom 20.05.2014 – 1 StR 610/​13, NStZ 2015, 230 f.; Beschluss vom 14.08.2012 – 5 StR 318/​12, NStZ 2013, 289 f.[]