Kör­per­ver­let­zung – und die rein psy­chi­sche Ein­wir­kung mit­tels Elek­tro­scho­cker

Als Gesund­heits­be­schä­di­gung im Sin­ne des § 223 Abs. 1 StGB ist jedes Her­vor­ru­fen oder Stei­gern eines vom Nor­mal­zu­stand der kör­per­li­chen Funk­tio­nen des Opfers nach­tei­lig abwei­chen­den Zustan­des anzu­se­hen.

Kör­per­ver­let­zung – und die rein psy­chi­sche Ein­wir­kung mit­tels Elek­tro­scho­cker

Dabei kommt es nicht dar­auf an, auf wel­che Art und Wei­se die Beein­träch­ti­gung erfolgt ist 1.

Rein psy­chi­sche Emp­fin­dun­gen genü­gen bei kei­ner Hand­lungs­al­ter­na­ti­ve, um einen Kör­per­ver­let­zungs­er­folg gemäß § 223 Abs. 1 StGB zu begrün­den 2.

Wirkt der Täter auf sein Opfer ledig­lich psy­chisch ein, liegt eine Kör­per­ver­let­zung daher erst dann vor, wenn ein patho­lo­gi­scher, soma­tisch­ob­jek­ti­vier­ba­rer Zustand her­vor­ge­ru­fen wor­den ist, der vom Nor­mal­zu­stand nach­tei­lig abweicht 3. Bloß emo­tio­na­le Reak­tio­nen auf Auf­re­gun­gen, wie etwa star­ke Gemüts­be­we­gun­gen oder ande­re Erre­gungs­zu­stän­de, ins­be­son­de­re Angst­zu­stän­de, stel­len kei­nen patho­lo­gi­schen Zustand und damit kei­ne Gesund­heits­be­schä­di­gung im Sin­ne des § 223 Abs. 1 StGB dar 4.

Dar­an gemes­sen genügt es nicht, dass der Täter dem Opfer den von ihm mit­ge­führ­ten Elek­tro­scho­cker an die Schlä­fe hält und das Opfer, das glaubt, ihm wer­de eine Pis­to­le an den Kopf gehal­ten, "gro­ße Angst" ver­spürt und regungs­los lie­gen bleibt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Febru­ar 2015 – 4 StR 548/​14

  1. BGH, Urteil vom 04.11.1988 – 1 StR 262/​88, BGHSt 36, 1, 6[]
  2. BGH, Urteil vom 09.10.2002 – 5 StR 42/​02, BGHSt 48, 34, 36; vgl. fer­ner BGH, Beschluss vom 11.07.2012 – 2 StR 60/​12, NStZ-RR 2012, 340 f.; OLG Düs­sel­dorf, NJW 2002, 2118; Mey­er, ZStW 115 (2003), 249, 261[]
  3. BGH, Urteil vom 31.10.1995 – 1 StR 527/​95, BGHR StGB § 223 Abs. 1 Gesund­heits­be­schä­di­gung 2[]
  4. BGH, Beschluss vom 05.11.1996 – 4 StR 490/​96, NStZ 1997, 123; vgl. zu Vor­ste­hen­dem auch BGH, Beschluss vom 18.07.2013 – 4 StR 168/​13, NJW 2013, 3383[]
  5. vgl. etwa BGH, Beschluss vom 21.04.2016 – AnwZ (Brfg) 1/​16, Rn. 6 mwN[]