Kon­su­la­ri­sche Betreu­ung von deut­schen Gefan­ge­nen im Aus­land

Das Maß der Betreu­ung von Gefan­ge­nen durch Kon­su­lar­be­am­ten nach § 7 KonsG rich­tet sich bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung nach den objek­ti­ven Gesamt­um­stän­den des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re den Gege­ben­hei­ten vor Ort, dem Grund der Inhaf­tie­rung, den Haft­be­din­gun­gen, ob die Ver­mitt­lung von Rechts­schutz not­wen­dig ist und in wel­chem Umfang Hil­fe zur Erfül­lung der per­sön­li­chen Bedürf­nis­se erfor­der­lich ist.

Kon­su­la­ri­sche Betreu­ung von deut­schen Gefan­ge­nen im Aus­land

Nach § 7 KonsG sol­len die Kon­su­lar­be­am­ten in ihrem Kon­su­lar­be­zirk deut­sche Unter­su­chungs- und Straf­ge­fan­ge­ne auf deren Ver­lan­gen betreu­en und ihnen ins­be­son­de­re Rechts­schutz ver­mit­teln. Die Rege­lung, dass die Kon­su­lar­be­am­ten bei Vor­lie­gen bestimm­ter Vor­aus­set­zun­gen auf Ver­lan­gen der Gefan­ge­nen die­se betreu­en "sol­len", hat zur Fol­ge, dass die­se in der Regel dazu ver­pflich­tet sind, aber in aty­pi­schen Situa­tio­nen von einer Betreu­ung abse­hen kön­nen 1.

Die Hil­fe für Gefan­ge­ne ist, wie die Hil­fe nach § 5 KonsG, Aus­fluss der all­ge­mei­nen kon­su­la­ri­schen Rat- und Bei­stands­pflicht nach § 1 KonsG 2. Zu Recht geht die Antrags­geg­ne­rin davon aus, dass § 7 KonsG auch auf den Antrag­stel­ler anzu­wen­den ist, der sich auf­grund eines Aus­lie­fe­rungs­er­su­chens im Kon­su­lar­be­zirk der Aus­lands­ver­tre­tung in Aus­lie­fe­rungs­haft befin­det, denn auch er ist eine Per­son, der für gewis­se Zeit durch Inhaf­tie­rung die Frei­heit ent­zo­gen wor­den ist und die in die­ser Situa­ti­on im Aus­land poten­zi­ell des Bei­stands bedarf. Die Art, Form und das Maß der Betreu­ung des Gefan­ge­nen durch die Kon­su­lar­be­am­ten rich­tet sich bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung nach den objek­ti­ven Gesamt­um­stän­den des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re den Gege­ben­hei­ten vor Ort, dem Grund der Inhaf­tie­rung, den Haft­be­din­gun­gen (ins­be­son­de­re, ob der Gefan­ge­ne in der Haft kor­rekt und human behan­delt wird), ob die Ver­mitt­lung von Rechts­schutz not­wen­dig ist und in wel­chem Umfang Hil­fe zur Erfül­lung sei­ner per­sön­li­chen Bedürf­nis­se in der Haft (z. B. Kon­takt und Kom­mu­ni­ka­ti­on zur Außen­welt, Ver­pfle­gung, medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung) erfor­der­lich ist 3.

Die im Ein­zel­fall zu tref­fen­de Ent­schei­dung zur Anwen­dung des unbe­stimm­ten Rechts­be­griffs des Betreu­ens im Sin­ne von § 7 KonsG unter­liegt der gericht­li­chen Kon­trol­le und sei­ne Kon­kre­ti­sie­rung ist grund­sätz­lich Sache der Gerich­te, die die Rechts­an­wen­dung der Aus­lands­ver­tre­tun­gen nach­zu­prü­fen haben 4. Dass im Rah­men der Ent­schei­dung nach § 7 KonsG beson­de­re Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen wür­den, die es aus­nahms­wei­se recht­fer­ti­gen wür­den, den Aus­land­ver­tre­tun­gen einen eige­nen, der gericht­li­chen Kon­trol­le nur beschränkt zugäng­li­chen Beur­tei­lungs­spiel­raum ein­zu­räu­men, ist jeden­falls nicht offen­sicht­lich und bedarf hier wegen der allein zu tref­fen­den Kos­ten­ent­schei­dung kei­ner abschlie­ßen­den Klä­rung.

Offen zu bewer­ten ist hier auch die Fra­ge, ob es im Ein­zel­fall der Inhaf­tie­rung des Antrag­stel­lers bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der Gesamt­um­stän­de gerecht­fer­tigt war – wie das Ver­wal­tungs­ge­richt dies ohne nähe­re Begrün­dung in zeit­li­cher Hin­sicht rela­tiv sche­ma­tisch ange­nom­men hat -, die Antrags­geg­ne­rin zu ver­pflich­ten, dass zumin­dest in Abstän­den von nicht mehr als zwei Wochen ein Beam­ter der Aus­lands­ver­tre­tung Besu­che in der Aus­lie­fe­rungs­haft vor­zu­neh­men hat. Die Beur­tei­lung, in wel­chem Maß die Betreu­ung der Antrags­geg­ne­rin durch ein Auf­su­chen in der Haft durch einen Kon­su­lar­be­am­ten gebo­ten war, hängt wie aus­ge­führt, von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 18. Janu­ar 2013 – OVG 10 S 45.12

  1. vgl. Mau­rer, All­ge­mei­nes Ver­wal­tungs­recht, 18. Aufl., § 7 Rn. 11[]
  2. vgl. Hoff­mann, Kon­su­lar­recht, Stand 1.03.2011, § 7 Rn. 2[]
  3. vgl. dazu näher: Das Deut­sche Bun­des­recht, Kon­su­lar­ge­setz, 927. Lie­fe­rung, Erl. zu § 7; Hoff­mann, a.a.O., § 7 Rn.07.3 ff.[]
  4. vgl. zur Kon­trol­le unbe­stimm­ter Rechts­be­grif­fe u. a. BVerfG, Beschluss vom 17.04.1991 – 1 BvR 419.91; BVerfGE 84, 34; BVerwG, Urteil vom 21.12.1995 – 3 C 24.95, BVerw­GE 100, 121[]