Min­der schwe­rer Fall – und der gesetz­lich ver­typ­te Mil­de­rungs­grund

Sieht das Gesetz einen beson­de­ren Straf­rah­men für min­der schwe­re Fäl­le vor und ist – wie hier gemäß § 30 Abs. 1 Satz 2, § 49 Abs. 1 StGB – auch ein gesetz­lich ver­typ­ter Mil­de­rungs­grund gege­ben, muss bei der Straf­rah­men­wahl im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung zunächst geprüft wer­den, ob die all­ge­mei­nen Mil­de­rungs­grün­de die Annah­me eines min­der schwe­ren Fal­les tra­gen.

Min­der schwe­rer Fall – und der gesetz­lich ver­typ­te Mil­de­rungs­grund

Ist nach einer Abwä­gung aller all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­um­stän­de das Vor­lie­gen eines min­der schwe­ren Fal­les abzu­leh­nen, so sind zusätz­lich die den gesetz­lich ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grund ver­wirk­li­chen­den Umstän­de in die gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung ein­zu­be­zie­hen.

Erst wenn der Tatrich­ter die Anwen­dung des mil­de­ren Straf­rah­mens danach wei­ter­hin nicht für gerecht­fer­tigt hält, darf er sei­ner kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung den (allein) wegen des gege­be­nen gesetz­lich ver­typ­ten Mil­de­rungs­grun­des gemil­der­ten Regel­straf­rah­men zugrun­de legen 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Sep­tem­ber 2017 – 1 StR 329/​17

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 07.03.2017 – 2 StR 567/​16 6; und vom 13.10.2016 – 3 StR 248/​16 5, jeweils mwN[]