Not­wehr mit dem Mes­ser

Ob eine Ver­tei­di­gungs­hand­lung im Sin­ne des § 32 Abs. 2 StGB erfor­der­lich ist, hängt im Wesent­li­chen von Art und Maß des Angriffs ab.

Not­wehr mit dem Mes­ser

Dabei darf sich der Ange­grif­fe­ne nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung grund­sätz­lich des Abwehr­mit­tels bedie­nen, das er zur Hand hat und das eine sofor­ti­ge und end­gül­ti­ge Besei­ti­gung der Gefahr erwar­ten lässt.

Dies schließt auch den Ein­satz lebens­ge­fähr­li­cher Mit­tel ein.

Zwar kann die­ser nur in Aus­nah­me­fäl­len in Betracht kom­men und darf auch nur das letz­te Mit­tel der Ver­tei­di­gung sein. Doch ist der Ange­grif­fe­ne nicht gehal­ten, auf die Anwen­dung weni­ger gefähr­li­cher Ver­tei­di­gungs­mit­tel zurück­zu­grei­fen, wenn deren Wir­kung für die Abwehr zwei­fel­haft ist. Auf einen Kampf mit unge­wis­sem Aus­gang braucht er sich nicht ein- zulas­sen 1.

ller­dings ist der Ein­satz eines Mes­sers in der Regel zunächst anzu­dro­hen, wenn es sich um einen unbe­waff­ne­ten Angrei­fer han­delt und das Mes­ser bis dahin noch nicht in Erschei­nung getre­ten ist 2.

Bei­de Vor­aus­set­zun­gen lagen indes im hier ent­schie­de­nen Fall nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht vor: Der Angrei­fer schlug den Ange­klag­ten mit einer Gür­tel­schnal­le und setz­te damit ein gefähr­li­ches Werk­zeug (§ 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB) ein. Auch war es gera­de sein eige­nes Mes­ser, das er vom Ange­klag­ten wie­der­erlan­gen woll­te.

Soweit das Land­ge­richt im Übri­gen meint, dem Ange­klag­ten wäre es zuzu­mu­ten gewe­sen, den Stich in eine für das Leben des Angrei­fers weni­ger bedroh­li­che Kör­per­re­gi­on zu füh­ren, wider­sprach dem der Bun­des­ge­richts­hof. Denn den land­ge­rich­ti­chen Urteils­grün­den ließ sich nicht ent­neh­men, dass ein der­ar­ti­ger Mes­ser­ein­satz wei­te­re Angrif­fe tat­säch­lich unter­bun­den hät­te. Ange­sichts des aus­ge­spro­chen aggres­si­ven Ver­hal­tens des Angrei­fers, der den Ange­klag­ten ver­folgt, fest­ge­hal­ten, belei­digt und in erheb­li­cher Wei­se zu schla­gen begon­nen hat­te, ver­stand es sich nicht von selbst, dass er sich durch einen Stich etwa in den Arm von wei­te­ren Atta­cken hät­te abbrin­gen las- sen. Dies hät­te daher nähe­rer Erör­te­rung bedurft 3.

Soll­te der Angrei­fer nicht schon infol­ge des ers­ten Stichs hand­lungs­un­fä­hig gewor­den sein, wird es der Prü­fung bedür­fen, ob erst der zwei­te oder gar drit­te Stich dem Ange­klag­ten die Gewähr gebo­ten haben könn­te, einen wei­te­ren Angriff zu unter­bin­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2018 – 5 StR 421/​18

  1. BGH, Beschluss vom 16.04.1998 – 4 StR 114/​98, NStZ 1998, 508 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 27.09.2012 – 4 StR 197/​12, NStZ-RR 2013, 139, 140; und vom 01.07.2014 – 5 StR 134/​14, NStZ 2015, 151, 152; jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 24.07.2001 – 4 StR 256/​01; Urteil vom 27.09.2012 aaO[]