Raub – und das fest­ge­setz­te Auto des Opfers

Gemäß § 249 Abs. 1 Alt. 1 StGB ist ein Raub gege­ben, wenn der Täter mit Gewalt gegen eine Per­son eine frem­de beweg­li­che Sache einem ande­ren in der Absicht weg­nimmt, die Sache sich oder einem Drit­ten rechts­wid­rig zuzu­eig­nen.

Raub – und das fest­ge­setz­te Auto des Opfers

Der Ein­satz eines qua­li­fi­zier­ten Nöti­gungs­mit­tels im Sin­ne des § 249 Abs. 1 StGB in Form der Gewalt gegen eine Per­son unter­liegt in Abgren­zung zur ein­fa­chen Gewalt im Sin­ne der §§ 240, 253 StGB erhöh­ten Anfor­de­run­gen 1.

Gewalt im Sin­ne des Tat­be­stan­des des Raubs setzt eine unmit­tel­bar oder mit­tel­bar gegen den Kör­per des Opfers gerich­te­te Ein­wir­kung vor­aus. Erfor­der­lich ist, dass der Ein­satz auch nur gerin­ger Kör­per­kraft durch den Täter eine kör­per­li­che Zwangs­wir­kung beim Opfer zur Fol­ge hat. Ledig­lich psy­chisch ver­mit­tel­ter Zwang reicht dage­gen nicht aus 2.

Nach die­sen Grund­sät­zen lag in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall in dem – nach der Vor­stel­lung des hier ange­klag­ten Gehil­fen – von den Haupt­tä­tern beab­sich­tig­ten Vor­ge­hen kei­ne Gewalt gegen die Per­son des Geschä­dig­ten vor: Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts soll­te sich der zwei­te; vom hier ange­klag­ten Gehil­fen über­las­se­ne Pkw im Bereich einer Ampel vor des­sen Auto set­zen und die­ses ent­we­der abbrem­sen oder bei Grün­licht ste­hen blei­ben, so dass dem Geschä­dig­ten eine Wei­ter­fahrt nach vor­ne nicht mög­lich sein wür­de. Auf Grund­la­ge die­ser Urteils­fest­stel­lun­gen fehlt es bei der vom Gehil­fen vor­ge­stell­ten Ver­kehrs­si­tua­ti­on jeden­falls an einem kör­per­lich wir­ken­den Zwang bei dem Geschä­dig­ten. Durch das lang­sa­me Abbrem­sen an einer Ampel oder das schlich­te Ste­hen­blei­ben des Fahr­zeugs bei "grün" man­gelt es jeden­falls an einer kör­per­li­chen Aus­wir­kung bei dem Geschä­dig­ten. Eine Voll­brem­sung oder ein abrup­tes, star­kes Abbrem­sen des Geschä­dig­ten, das gege­be­nen­falls eine kör­per­li­che Reak­ti­on hät­te aus­lö­sen kön­nen, war nach den Fest­stel­lun­gen nicht von dem Vor­stel­lungs­bild des Ange­klag­ten umfasst. Die von dem vor­lie­gen­den Abbrems­vor­gang aus­ge­hen­de Zwangs­wir­kung geht mit­hin über einen ledig­lich psy­chisch ver­mit­tel­ten Zwang nicht hin­aus. Dar­über hin­aus ist das von dem Gehil­fen vor­ge­stell­te Tat­bild – so wie es das Land­ge­richt fest­ge­stellt hat – nicht durch kör­per­li­che Kraft­ent­fal­tung in Form der Blo­cka­de geprägt, son­dern maß­geb­lich durch List, Schnel­lig­keit oder Geschick­lich­keit, um einen etwai­gen Wider­stand von vor­ne­her­ein zu ver­hin­dern 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2019 – 1 StR 129/​19

  1. vgl. etwa NK/​Toepel, StGB, 5. Aufl., § 240 Rn. 75; LK/​Vogel, StGB, 12. Aufl., § 249 Rn. 7[]
  2. st. Rspr.; vgl. zuletzt BGH, Beschluss vom 04.06.2019 – 4 StR 116/​19 Rn. 5 mwN[]
  3. vgl. dazu BGH, Urteil vom 12.12 1989 – 1 StR 613/​89 Rn. 6 mwN[]