Rück­tritt vom Ver­such – trotzt Fehl­schlags

Zur Beur­tei­lung eines mög­li­chen Fehl­schlags ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richt­hofs auf das Vor­stel­lungs­bild des Täters nach Abschluss der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung abzu­stel­len (soge­nann­ter Rück­tritts­ho­ri­zont) 1.

Rück­tritt vom Ver­such – trotzt Fehl­schlags

Nur wenn der Täter zu die­sem Zeit­punkt erkennt oder die sub­jek­ti­ve Vor­stel­lung hat, dass es zur Her­bei­füh­rung des Erfolgs eines erneu­ten Aus­set­zens bedürf­te, etwa mit der Fol­ge einer zeit­li­chen Zäsur und einer Unter­bre­chung des unmit­tel­ba­ren Hand­lungs­fort­gangs, liegt ein Fehl­schlag vor 2.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist ein straf­be­frei­en­der Rück­tritt von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen ist, wenn der Ver­such fehl­ge­schla­gen ist. Liegt ein Fehl­schlag vor, schei­det ein Rück­tritt vom Ver­such nach allen Vari­an­ten des § 24 Abs. 1 oder Abs. 2 StGB aus; umge­kehrt kommt es nur dann, wenn ein Fehl­schlag nicht gege­ben ist, auf die Unter­schei­dung zwi­schen unbe­en­de­tem und been­de­tem Ver­such an 3.

Auch bei der Beur­tei­lung, ob der Tat­ver­such been­det ist, ist allein das Vor­stel­lungs­bild des Täters nach Abschluss der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung maß­geb­lich 4. Ein Ver­such ist mit­hin nur dann been­det, wenn der Täter nach der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung die tat­säch­li­chen Umstän­de, die den Erfolgs­ein­tritt nahe­le­gen, erkennt oder wenn er den Erfolgs­ein­tritt in Ver­ken­nung der tat­säch­li­chen Unge­eig­net­heit der Hand­lung für mög­lich hält.

Zwar wird sich in Fäl­len offen­kun­dig beson­ders gefähr­li­cher Tat­hand­lun­gen, deren Erfolgs­eig­nung der Täter erkennt, sei­ne Vor­stel­lung von der Mög­lich­keit des Erfolgs­ein­tritts oft schon aus den objek­ti­ven Umstän­den der Tat erschlie­ßen las­sen 5. Bei einem dyna­mi­schen Gesche­hen ver­steht sich dies aber nicht von selbst. Bei einer sol­chen Sach­la­ge ist es erfor­der­lich, wei­te­re Fest­stel­lun­gen, ins­be­son­de­re zum Zustands­bild des Geschä­dig­ten sowie zur Erkenn­bar­keit der Ver­let­zungs­fol­gen für den Ange­klag­ten im Zeit­punkt des Ablas­sens von sei­nem Opfer zu tref­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. April 2015 – 2 StR 402/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 26.02.2014 – 4 StR 40/​14, NStZ-RR 2014, 171, 172 mwN; BGH, Beschluss vom 02.07.2013 – 2 StR 91/​13, NStZ 2013, 639, 640[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 25.10.2012 – 4 StR 346/​12; NStZ 2013, 156, 157 f. mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 02.11.2007 – 2 StR 336/​07, NStZ 2008, 393 mwN; BGH, Urteil vom 19.05.2010 – 2 StR 278/​09, NStZ 2010, 690, 691 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 03.12 1982 – 2 StR 550/​82, BGHSt 31, 170, 175; BGH, Beschluss vom 21.10.2008 – 3 StR 401/​08, NStZ-RR 2009, 42[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 26.01.2011 – 2 StR 458/​10[]