Mit­hil­fe beim Ziga­ret­ten­schmug­gel

Die Bei­hil­fe­hand­lun­gen zum Sich­ver­schaf­fen auf der einen und zum Absatz auf der ande­ren Sei­te sind im Aus­gangs­punkt gleich­wer­tig

Mit­hil­fe beim Ziga­ret­ten­schmug­gel

Kann sich das Gericht nicht davon über­zeu­gen, dass der Ange­klag­te zumin­dest für mög­lich hielt und bil­li­gend in Kauf nahm, mit sei­ner Hand­lung (hier: der Über­las­sung einer Hal­le und eines VW Cad­dy) die Wei­ter­ver­käu­fe zu unter­stüt­zen, und hat es daher nur Bei­hil­fe zum Sich­ver­schaf­fen gemäß § 374 Abs. 1 Vari­an­te 1 AO, § 27 StGB aus­ge­ur­teilt, liegt dar­in kei­ne rele­van­te Abwei­chung des vor­ge­stell­ten vom tat­säch­li­chen Kau­sal­ver­lauf.

Der­ar­ti­ge Unter­schie­de sind dann für die recht­li­che Bewer­tung bedeu­tungs­los, wenn sie sich inner­halb des nach all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung Vor­aus­seh­ba­ren hal­ten und kei­ne ande­re Bewer­tung der Tat recht­fer­ti­gen1.

Für eine aus­rei­chen­de Kon­kre­ti­sie­rung des Vor­sat­zes des Gehil­fen genügt es, wenn er die zen­tra­len Merk­ma­le der Haupt­tat, nament­lich den wesent­li­chen Unrechts­ge­halt und die wesent­li­che Angriffs­rich­tung, zumin­dest bedingt vor­sätz­lich erfasst hat2.

Hät­te das Gericht Vor­satz des Ange­klag­ten bezüg­lich des­sen Mit­wir­kung an der Wei­ter­lie­fe­rung der Ziga­ret­ten an die Abneh­mer ange­nom­men, wäre er als (täter­schaft­li­cher) Absatz­hel­fer (§ 374 Abs. 1 Vari­an­te 3 AO) zu ver­ur­tei­len gewe­sen3.

Die Bei­hil­fe­hand­lun­gen zum Sich­ver­schaf­fen auf der einen und zum Absatz auf der ande­ren Sei­te sind im Aus­gangs­punkt gleich­wer­tig. Weil der Absatz für den Vor­tä­ter straf­los gestellt ist, bedarf es inso­weit der Erfas­sung von Unter­stüt­zungs­hand­lun­gen als täter­schaft­lich began­gen4.

Durch das Über­las­sen des Fahr­zeugs för­der­te der Ange­klag­te gezielt sechs ein­zel­ne Haupt­ta­ten. Daher ist es zutref­fend, dass das Land­ge­richt des­we­gen sechs wei­te­re Fäl­le der Bei­hil­fe zur Steu­er­heh­le­rei (§ 53 StGB) aus­ge­ur­teilt hat. Denn Tat­mehr­heit ist anzu­neh­men, wenn durch meh­re­re Hil­fe­leis­tun­gen meh­re­re selb­stän­di­ge Taten unter­stützt wer­den, also den Haupt­ta­ten jeweils eigen­stän­di­ge Bei­hil­fe­hand­lun­gen zuzu­ord­nen sind. Dass der Gehil­fe bereits zuvor einen ein­heit­li­chen fort­wir­ken­den Bei­hil­fe­bei­trag zur För­de­rung meh­re­rer Haupt­ta­ten – wie hier durch die Erlaub­nis zur Nut­zung der Hal­le – leis­te­te, führt nicht zur Zusam­men­fas­sung zu einer Bei­hilfetat5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Mai 2019 – 1 StR 19/​19

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 06.02.2014 – 1 StR 577/​13 Rn. 36 und Urteil vom 27.07.1994 – 3 StR 149/​94 Rn. 6, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 46
  2. BGH, Beschlüs­se vom 28.11.2017 – 3 StR 272/​17 Rn. 33; vom 28.02.2012 – 3 StR 435/​11 Rn. 4; vom 08.11.2011 – 3 StR 310/​11 Rn. 8; und vom 20.01.2011 – 3 StR 420/​10 Rn. 13
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 11.06.2008 – 5 StR 145/​08 Rn. 6
  4. BGH, aaO Rn. 5 mwN
  5. BGH, Beschlüs­se vom 04.03.2008 – 5 StR 594/​07, BGHR StGB § 27 Abs. 1 Kon­kur­ren­zen 2; vom 22.09.2008 – 1 StR 323/​08, BGHR AO § 370 Abs. 1 Bei­hil­fe 8; und vom 12.03.2012 – 3 StR 436/​11 Rn. 4