Unter­brin­gung eines Jugend­li­chen in der Ent­zie­hungs­an­stalt

Wird aus Anlass der Straf­tat eines Jugend­li­chen oder Her­an­wach­sen­den des­sen Unter­brin­gung in einer Ent­zie­hungs­an­stalt ange­ord­net, so wird gemäß § 5 Abs. 3 JGG – bei Her­an­wach­sen­den in Ver­bin­dung mit § 105 Abs. 1 JGG – von Jugend­stra­fe abge­se­hen, wenn die Maß­re­gel­an­ord­nung eine sol­che Ahn­dung ent­behr­lich macht.

Unter­brin­gung eines Jugend­li­chen in der Ent­zie­hungs­an­stalt

Die spe­zi­fisch jugend­straf­recht­li­che Rege­lung ermög­licht es nach dem Ver­ständ­nis des Bun­des­ge­richts­hofs, die im all­ge­mei­nen Straf­recht vor­ge­se­he­ne Kumu­la­ti­on von Stra­fe und frei­heits­ent­zie­hen­der Maß­re­gel zu ver­mei­den und dem Gedan­ken der Ein­spu­rig­keit im Jugend­straf­recht Rech­nung zu tra­gen 1.

Ange­sichts des­sen ist das Tat­ge­richt grund­sätz­lich gehal­ten, auch bei einem nach Jugend­straf­recht zu beur­tei­len­den Her­an­wach­sen­den die Vor­aus­set­zun­gen von § 5 Abs. 3 JGG zu erör­tern 2.

Dem genügt ein Urteil nicht, in dem weder eine aus­drück­li­che Prü­fung von § 5 Abs. 3 JGG erfolgt noch sich eine sol­che aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang des Urteils, was genü­gen kann 3, ent­neh­men lässt.

In Bezug auf die für sich genom­men rechts­feh­ler­frei auf "schäd­li­che Nei­gun­gen" gestütz­te und unter Berück­sich­ti­gung von § 18 Abs. 2 JGG bemes­se­ne Jugend­stra­fe kann im vor­lie­gen­den Fall den Urteils­grün­den auch nicht ohne wei­te­res ent­nom­men wer­den, dass eine Anwen­dung von § 5 Abs. 3 JGG von vorn­her­ein aus­schei­det 4. Ange­sichts der wie­der­um bei iso­lier­ter Betrach­tung rechts­feh­ler­frei­en Erwä­gun­gen zum not­wen­di­gen Umfang der Ein­wir­kung auf den Ange­klag­ten mag ein Abse­hen von Jugend­stra­fe eher fern lie­gen. Das zu beur­tei­len, ist jedoch Auf­ga­be des Tatrich­ters 5.

Die unter­blie­be­ne Erör­te­rung von § 5 Abs. 3 JGG (i.V.m. § 105 Abs. 1 JGG) führt zur Auf­he­bung des Rechts­fol­gen­aus­spruchs ins­ge­samt 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. März 2017 – 1 StR 19/​17

  1. BGH, Urtei­le vom 09.12 1992 – 3 StR 434/​92, BGHSt 39, 92, 95; und vom 03.12 2015 – 4 StR 387/​15, StV 2016, 736 mwN; Beschluss vom 26.05.2011 – 4 StR 159/​11, Stra­Fo 2011, 288[]
  2. sie­he nur BGH, Beschluss vom 22.07.2009 – 2 StR 240/​09, NStZ-RR 2009, 354 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 26.05.2011 – 4 StR 159/​11, Straf­Fo 2011, 288; und vom 21.07.2015 – 1 StR 105/​15 Rn. 2[]
  4. vgl. zu einer sol­chen Kon­stel­la­ti­on BGH, Beschlüs­se vom 23.06.2015 – 1 StR 243/​15; und vom 21.07.2015 – 1 StR 105/​15 Rn. 2[]
  5. BGH, Beschluss vom 26.05.2011 – 4 StR 159/​11, Stra­Fo 2011, 288; zum Ermes­sen des Tatrich­ters BGH, Beschluss vom 17.09.2013 – 1 StR 372/​13, NStZ-RR 2014, 28; Urteil vom 03.12 2015 – 4 StR 387/​15, StV 2016, 736[]
  6. vgl. nur BGH, Beschluss vom 17.03.2011 – 4 StR 49/​11, Stra­Fo 2011, 240[]