Ver­wer­tungs­ver­bot – und der Mit­an­ge­klag­te

Ein Ver­wer­tungs­ver­bot besteht nur zuguns­ten des­je­ni­gen Ange­klag­ten, dem­ge­gen­über der Rechts­ver­stoß erfolgt ist, nicht gegen­über wei­te­ren Mit­an­ge­klag­ten.

Ver­wer­tungs­ver­bot – und der Mit­an­ge­klag­te

Soweit ein Mit­an­ge­klag­ter gel­tend macht, das das Land­ge­richt habe durch die Ver­wer­tung von im Ermitt­lungs­ver­fah­ren gemach­ten Anga­ben des Mit­an­ge­klag­ten S. gegen for­mel­les Recht ver­sto­ßen, weil die­ser noch zur Sache befragt wor­den sei, obgleich er zu erken­nen gege­ben habe, dass er ohne rechts­an­walt­li­chen Bei­stand kei­ne Aus­sa­ge machen wol­le, und der von ihm benann­te Ver­tei­di­ger nicht habe erreicht wer­den kön­nen, macht er ein Ver­wer­tungs­ver­bot gel­tend, das sich aus einer gegen­über einem Mit­an­ge­klag­ten began­ge­nen Ver­let­zung des § 136 Abs. 1 Satz 2 StPO erge­ben soll 1. Damit kann er kei­nen Erfolg haben. Denn er selbst wäre von dem (behaup­te­ten) Ver­fah­rens­ver­stoß nicht in sei­nem Rechts­kreis betrof­fen.

Ein Ver­wer­tungs­ver­bot wür­de sich daher aus den glei­chen Grün­den wie im Fall der unter­las­se­nen oder feh­ler­haf­ten Beleh­rung nach § 136 Abs. 1 Satz 2 StPO nicht auf ihn erstre­cken 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. August 2016 – 4 StR 195/​16

  1. vgl. dazu BGH, Urteil vom 27.06.2013 – 3 StR 435/​12, BGHSt 58, 301 Rn. 9 ff. und Beschluss vom 10.01.2006 – 5 StR 341/​05, NJW 2006, 1008, 1009[]
  2. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 05.02.2002 – 5 StR 588/​01, BGHSt 47, 233, 234; Beschluss vom 20.03.2000 – 2 AR 217/​99, wis­tra 2000, 311, 313; Urteil vom 10.08.1994 – 3 StR 53/​94, NStZ 1994, 595, 596; offen­ge­las­sen in BGH, Beschluss vom 10.01.2006 – 5 StR 341/​05, NJW 2006, 1008, 1009 und Urteil vom 18.12 2008 – 4 StR 455/​08, NStZ 2009, 281, Rn. 18 [inso­weit in BGHSt 53, 112 nicht abge­druckt]; sie­he auch BGH, Beschluss vom 17.02.2009 – 1 StR 691/​08, BGHSt 53, 191 Rn. 14 ff. [Ver­stoß gegen § 168c Abs. 5 StPO]; zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Unbe­denk­lich­keit von rechts­kreis­be­zo­ge­nen Über­le­gun­gen bei der Bestim­mung der Rechts­fol­gen von Ver­fah­rens­ver­stö­ßen vgl. BVerfG, NStZ 2014, 528, 529; NJW 2011, 207, 211 [zu Art. 38 Abs. 1 lit. b S. 3 WÜK][]