Vor­beu­gen­de erken­nungs­dienst­li­che Maß­nah­men gegen­über Jugend­li­chen

Typi­sche Straf­tat aus dem Bereich der Jugend- bzw. Her­an­wach­sen­den­kri­mi­na­li­tät kön­nen vor­beu­gen­de erken­nungs­dienst­li­che Maß­nah­men gegen­über Jugend­li­chen recht­fer­ti­gen. So urteil­te jetzt etwa das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz, dass das Poli­zei­prä­si­di­um Mainz zu Recht gegen­über einem Jugend­li­chen, den es der Bege­hung einer Straf­tat beschul­digt (Antrag­stel­ler), zur vor­beu­gen­den Bekämp­fung von Straf­ta­ten und wegen von ihm bejah­ter Wie­der­ho­lungs­ge­fahr die sofor­ti­ge Durch­füh­rung erken­nungs­dienst­li­cher Maß­nah­men (Abnah­me von Fin­ger- und Hand­flä­chen­ab­drü­cken, Auf­nah­me von Licht­bil­dern und gege­be­nen­falls Spei­chel­pro­be – DNA –) ange­ord­net habe.

Vor­beu­gen­de erken­nungs­dienst­li­che Maß­nah­men gegen­über Jugend­li­chen

Die Poli­zei legt dem Antrag­stel­ler Fol­gen­des zur Last: Mit drei Freun­den sei der Antrag­stel­ler einem erheb­lich alko­ho­li­sier­ten jun­gen Mann gefolgt, als die­ser eine Ker­we­ver­an­stal­tung in Rhein­hes­sen ver­las­sen habe; man habe ihm gewalt­sam sein Han­dy weg­neh­men wol­len. Auf einer Land­stra­ße habe der jun­ge Mann auf­grund sei­ner Wei­ge­rung sein Han­dy her­aus­zu­ge­ben, von einem aus der Grup­pe einen Faust­schlag ins Gesicht erhal­ten und sei zu Boden gegan­gen. Dann habe man ihm das Han­dy und die Kopf­hö­rer sei­nes iPod aus der Hosen­ta­sche genom­men. Nach sei­ner Wei­ge­rung, auch sein iPod her­aus­zu­ge­ben, sei ihm noch ein Fuß­tritt in den Bauch ver­setzt wor­den. Anschlie­ßend sei er von den (mit Kapu­zen) ver­mumm­ten vier Freun­den auf der Stra­ße lie­gen­ge­las­sen wor­den. In der Fol­ge ord­ne­te die Poli­zei die sofor­ti­ge Durch­füh­rung erken­nungs­dienst­li­cher Maß­nah­men gegen­über dem Antrag­stel­ler an, ent­spre­chen­de Anord­nun­gen ergin­gen auch gegen­über den drei ande­ren Grup­pen­mit­glie­dern.

Die erken­nungs­dienst­li­chen Maß­nah­men sei­en not­wen­dig, befan­den die Rich­ter des Ver­wal­tungs­ge­richts Mainz und lehn­ten den Antrag des Antrag­stel­lers, den Sofort­voll­zug die­ser Maß­nah­men aus­zu­set­zen, ab. Art und Aus­füh­rung der Tat lie­ßen auf eine Wie­der­ho­lungs­ge­fahr schlie­ßen. Bei der erfolg­ten Straf­tat han­de­le es sich um eine typi­sche Straf­tat aus dem Bereich der Jugend- bzw. Her­an­wach­sen­den­kri­mi­na­li­tät; sie sei zudem eine schwer­wie­gen­de Straf­tat, zumal sie sich gegen eine infol­ge Alko­hol­kon­sums weit­ge­hend wehr­un­fä­hi­ge Per­son gerich­tet habe, die man dann auch noch in einer bedroh­li­chen Situa­ti­on auf der Stra­ße zurück­ge­las­sen habe. Die zu gewin­nen­den erken­nungs­dienst­li­chen Unter­la­gen wür­den auch bei künf­ti­gen poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen bei der Auf­klä­rung even­tu­el­ler wei­te­rer Straf­ta­ten för­der­lich sein und wür­den es erleich­tern, den Antrag­stel­ler gege­be­nen­falls als Täter zu über­füh­ren oder aus dem Kreis der Ver­däch­ti­gen aus­zu­schlie­ßen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2010 – 1 L 774/​10.MZ