Zumes­sung der Jugend­stra­fe – und der äuße­re Unrechts­ge­halt der Tat

Sowohl bei der Beur­tei­lung der Schuld­schwe­re im Sin­ne des § 17 Abs. 2 Alt. 2 JGG wie bei der Zumes­sung der kon­kre­ten Jugend­stra­fe ist der äuße­re Unrechts­ge­halt der Tat inso­fern von Belang, als aus ihm Schlüs­se auf die Per­sön­lich­keit des Täters und die Schwe­re der Schuld gezo­gen wer­den kön­nen 1.

Zumes­sung der Jugend­stra­fe – und der äuße­re Unrechts­ge­halt der Tat

Dabei ist zur Bestim­mung der zure­chen­ba­ren Schuld des jugend­li­chen oder her­an­wach­sen­den Täters das Tat­un­recht am Maß­stab der gesetz­li­chen Straf­an­dro­hun­gen des Erwach­se­nen­straf­rechts her­an­zu­zie­hen; denn die Straf­rah­men des all­ge­mei­nen Straf­rechts behal­ten inso­weit ihre Bedeu­tung, als in ihnen die Bewer­tung des Tat­un­rechts zum Aus­druck kommt.

Dies gilt nament­lich dort, wo sich die Tat, nach Erwach­se­nen­straf­recht beur­teilt, als min­der schwe­rer Fall dar­stel­len wür­de 2.

Sieht das Gesetz den Son­der­straf­rah­men eines min­der schwe­ren Fal­les vor und ist auch ein gesetz­lich ver­typ­ter Mil­de­rungs­grund gege­ben, so muss bei der Straf­rah­men­wahl zunächst geprüft wer­den, ob der mil­de­re Son­der­straf­rah­men zur Anwen­dung kommt. Dabei ist im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung vor­ab auf die all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­grün­de abzu­stel­len. Ver­mö­gen bereits die­se die Annah­me eines min­der schwe­ren Fal­les allein zu tra­gen, ste­hen die den gesetz­lich ver­typ­ten Mil­de­rungs­grund ver­wirk­li­chen­den Umstän­de noch für eine (wei­te­re) Straf­rah­men­mil­de­rung nach § 49 StGB zur Ver­fü­gung. Ist jedoch nach einer Abwä­gung aller all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­um­stän­de das Vor­lie­gen eines min­der schwe­ren Fal­les abzu­leh­nen, so sind zusätz­lich die den gesetz­lich ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grund ver­wirk­li­chen­den Umstän­de in die gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung ein­zu­be­zie­hen. Erst wenn der Tatrich­ter danach wei­ter­hin die Anwen­dung des mil­de­ren Son­der­straf­rah­mens nicht für gerecht­fer­tigt hält, darf er den (allein) wegen des vor­lie­gen­den gesetz­lich ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grun­des her­ab­ge­setz­ten Regel­straf­rah­men zugrun­de legen 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2014 – 3 StR 521/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 11.11.1960 – 4 StR 387/​60, BGHSt 15, 224, 226[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 04.11.1987 – 3 StR 482/​87, BGHR JGG § 18 Abs. 1 Satz 3 min­der schwe­rer Fall 3; vom 21.08.2012 – 4 StR 157/​12, NStZ-RR 2013, 50, ; vom 05.06.2013 – 2 StR 189/​13, NStZ-RR 2013, 291; vom 08.01.2014 – 3 StR 318/​13, NStZ 2014, 409; Urteil vom 09.08.2000 – 3 StR 176/​00, NStZ-RR 2001, 215, 216[]
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 27.04.2010 – 3 StR 106/​10, NStZ-RR 2010, 336 ; vom 05.08.2014 – 3 StR 138/​14 6[]