Abgren­zung zen­tra­ler Ver­sor­gungs­be­rei­che

Zur räum­li­chen Ab­gren­zung zen­tra­ler Ver­sor­gungs­be­rei­che nach § 34 Abs. 3 Bau­GB ist auf die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se ab­zu­stel­len.

Abgren­zung zen­tra­ler Ver­sor­gungs­be­rei­che

§ 34 Abs. 3 Bau­GB ord­net an, dass von Vor­ha­ben nach Absatz 1 oder 2 kei­ne schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen auf zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che in der Gemein­de oder in ande­ren Gemein­den zu erwar­ten sein dür­fen. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ist der Auf­fas­sung, dass regio­nal­pla­ne­ri­sche Ziel­vor­ga­ben zur räum­li­chen Abgren­zung zen­tra­ler Ver­sor­gungs­be­rei­che nach § 34 Abs. 3 Bau­GB nicht in Betracht kom­men, son­dern für die Ein­ord­nung eines Gebiets als zen­tra­ler Ver­sor­gungs­be­reich allein die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se maß­ge­bend sind 1. Dem ist bei­zu­pflich­ten.

Im Anwen­dungs­be­reich des § 34 Abs. 1 und 2 Bau­GB wird gene­rell und seit jeher nur auf das tat­säch­lich Vor­han­de­ne abge­stellt und haben Grund­stücks­ei­gen­schaf­ten, die in den optisch wahr­nehm­ba­ren Gege­ben­hei­ten kei­nen Nie­der­schlag gefun­den haben, außer Betracht zu blei­ben 2. Vor die­sem Hin­ter­grund spricht bereits der Wort­laut des durch das Bau­G­BÄn­de­rungs­ge­setz 2004 ein­ge­füg­ten § 34 Abs. 3 Bau­GB dafür, dass die Norm ledig­lich auf dem Umgriff tat­säch­lich vor­han­de­ner zen­tra­ler Ver­sor­gungs­be­rei­che abstellt. Sie spricht nicht von „vor­han­de­nen oder zu ent­wi­ckeln­den“ zen­tra­len Ver­sor­gungs­be­rei­chen, son­dern ent­hält sich die­ser adjek­ti­vi­schen Zusät­ze. Inso­fern unter­schei­det sie sich von § 9 Abs. 2a Bau­GB, der zwecks „Erhal­tung oder Ent­wick­lung“, d.h. Bewah­rung und Schaf­fung zen­tra­ler Ver­sor­gungs­be­rei­che zur Auf­stel­lung eines Bebau­ungs­plans mit bestimm­ten Fest­set­zun­gen ermäch­tigt.

Das Ergeb­nis liegt auf der Linie der bis­he­ri­gen Senats­recht­spre­chung. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat im urteil vom 17. Dezem­ber 2009 3 die unmit­tel­ba­re Anknüp­fung an lan­des­pla­ne­ri­sche Ziel­vor­ga­ben bei der Aus­le­gung und Anwen­dung des § 34 Abs. 3 Bau­GB u.a. des­halb nicht für mög­lich gehal­ten, weil sich Ziel­vor­ga­ben an die Trä­ger der Bau­leit­pla­nung und nicht an die Geneh­mi­gungs­be­hör­de rich­ten. Zwar ste­hen sei­ne Aus­füh­run­gen im Zusam­men­hang mit der Fra­ge, ob zur Fest­stel­lung schäd­li­cher Aus­wir­kun­gen im Sin­ne von § 34 Abs. 3 Bau­GB die ein­schlä­gi­gen lan­des­pla­ne­ri­schen Ziel­vor­ga­ben als Ori­en­tie­rungs­hil­fe her­an­ge­zo­gen wer­den dür­fen. Sie sind jedoch – zu Recht – so for­mu­liert, dass sie für die Aus­le­gung und Anwen­dung des § 34 Abs. 3 Bau­GB ins­ge­samt und damit auch für die von der Klä­ge­rin auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge gel­ten. Der Wort­laut des § 34 Abs. 3 Bau­GB gibt nichts dafür her, dass eine recht­lich gebun­de­ne Ent­schei­dung über die Ertei­lung einer Vor­ha­ben­ge­neh­mi­gung vom jewei­li­gen Inhalt einer lan­des- oder regio­nal­pla­ne­ri­schen Dezisi­on abhän­gig sein soll. Inso­weit unter­schei­det sich § 34 Abs. 3 Bau­GB bei­spiels­wei­se von § 35 Abs. 3 Satz 3 Bau­GB, wonach öffent­li­che Belan­ge bestimm­ten Außen­be­reichs­vor­ha­ben in der Regel ent­ge­gen­ste­hen, soweit hier­für (durch Dar­stel­lun­gen im Flä­chen­nut­zungs­plan oder) als Zie­le der Raum­ord­nung eine Aus­wei­sung an ande­rer Stel­le erfolgt ist. Der Senat ist mit dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs der Auf­fas­sung, dass es eines aus­drück­li­chen Geset­zes­be­fehls bedurft hät­te, um Zie­len der Raum­ord­nung im Tat­be­stand des § 34 Abs. 3 Bau­GB Gel­tung zu ver­schaf­fen.

Der Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs, dass sich zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che nicht nur aus tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen, son­dern auch aus pla­ne­ri­schen Fest­le­gun­gen in Bau­leit­plä­nen oder Raum­ord­nungs­plä­nen erge­ben könn­ten 4, nötigt nicht zur gegen­tei­li­gen Beur­tei­lung der Rechts­la­ge. Denn der gesetz­ge­be­ri­sche Wil­le kommt in § 34 Abs. 3 Bau­GB nicht hin­rei­chend zum Aus­druck. Das bedeu­tet nicht, dass pla­ne­ri­sche Fest­le­gun­gen nicht bei der Abgren­zung der zen­tra­len Ver­sor­gungs­be­rei­che bzw. als Unter­stüt­zung und ein­leuch­ten­de Fort­schrei­bung bestimm­ter tat­säch­li­cher Gege­ben­hei­ten rele­vant sein kön­nen 5. Sie sind nur nicht ver­bind­lich 6. Aus dem Urteil des Senats vom 11.10.2007 – 4 C 7.077 ergibt sich nichts Abwei­chen­des. Mit der Aus­sa­ge, nach der Vor­stel­lung des Gesetz­ge­bers könn­ten sich zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che auch aus pla­ne­ri­schen Fest­schrei­bun­gen erge­ben, hat der Senat die Geset­zes­be­grün­dung ledig­lich wie­der­ge­ge­ben, sie aber nicht inhalt­lich bewer­tet und gebil­ligt.

Über­dies spricht man­ches dafür, dass die Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs inzwi­schen über­holt ist. Für einen Sys­tem­wech­sel inner­halb des § 34 Bau­GB, der Vor­schrift eine ihr bis­lang frem­de pla­ne­ri­sche Kom­po­nen­te bei­zu­ge­ben, besteht seit der Ein­füh­rung des § 9 Abs. 2a Bau­GB durch die Bau­G­B­No­vel­le 2007 kein Anlass mehr. Denn mit die­ser Vor­schrift hat der Gesetz­ge­ber der Gemein­de ein Instru­ment an die Hand gege­ben, unter Beach­tung der Bin­dung an Zie­le der Raum­ord­nung (§ 1 Abs. 4 Bau­GB) zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che durch einen (ein­fa­chen) Bebau­ungs­plan fest­zu­le­gen 8 und deren Erhal­tung und Ent­wick­lung ver­bind­lich zu sichern 9.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 12. Juli 2012 – 4 B 13.12

  1. so auch Bra­cher, in: Gelzer/​Bracher/​Reidt, Bau­pla­nungs­recht, 7. Aufl.2004, Rn.2068; Uech­tritz, NVwZ 2007, 660, 662; Kusch­ne­rus, Der stand­ort­ge­rech­te Ein­zel­han­del, 1. Aufl.2007, Rn. 329; a.A. Krautz­ber­ger, in: Battis/​Krautzberger/​Löhr, Bau­GB, 11. Aufl.2009, § 34 Rn. 55; Rie­ger, in: Schröd­ter, Bau­GB, 7. Aufl.2006, § 34 Rn. 74; Span­now­sky, in: Spannowsky/​Uechtritz, Bau­GB, 2009, § 34 Rn. 53[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 11.02.1993 – 4 C 15.92, Buch­holz 406.11 § 34 Bau­GB Nr. 156 S. 91 f.[]
  3. BVerwG, Urteil vom 17.12.2009 – 4 C 1.08, BVerw­GE 136, 18[]
  4. BT-Drucks 15/​2250 S. 54[]
  5. so Uech­tritz, a.a.O.[]
  6. Söf­ker, in: Ernst/​Zinkahn/​Bielenberg/​Krautzberger, Bau­GB, Bd. II, Stand Janu­ar 2012, § 34 Rn. 85 b[]
  7. BVerw­GE 129, 307[]
  8. Gaent­zsch, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum Bau­GB, Bd. I, 3. Aufl., Stand Juni 2012, § 9 Rn. 73j[]
  9. BT-Drucks 16/​2496 S. 10[]