Ände­rung bestehen­der Nacht­flug­re­ge­lun­gen

Der Frei­staat Sach­sen ist nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht ver­pflich­tet, die Nacht­flug­re­ge­lun­gen am Flug­ha­fen Leipzig/​Halle zu ändern.

Ände­rung bestehen­der Nacht­flug­re­ge­lun­gen

Der Flug­ha­fen Leipzig/​Halle wur­de auf der Grund­la­ge eines Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses aus dem Jahr 2004 mit dem Ziel aus­ge­baut, ein Dreh­kreuz für den Fracht­ver­kehr zu ent­wi­ckeln. Auf Kla­gen von Anwoh­nern bean­stan­de­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt eini­ge der Rege­lun­gen über den Nacht­flug­be­trieb [1]. Im Jahr 2007 regel­te der Frei­staat Sach­sen den nächt­li­chen Flug­be­trieb erneut in einem Ergän­zungs­plan­fest­stel­lungs­be­schluss. Kla­gen dage­gen wies das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt rechts­kräf­tig ab [2]. Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die­ses Urteil blieb eben­so erfolg­los [3] wie eine Beschwer­de beim Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te [4].

Zu den sei­ner­zeit kla­gen­den Anwoh­nern gehör­te auch der Klä­ger des jetzt ent­schie­de­nen Ver­fah­rens. Sein Wohn­grund­stück liegt etwa 11, 5 km vom Flug­ha­fen ent­fernt im Nacht­schutz­ge­biet; sein Haus ver­fügt in den Schlaf­räu­men über Schall­schutz­fens­ter sowie Lüf­tungs­ein­rich­tun­gen.

Im Sep­tem­ber 2014 bean­trag­te der Anwoh­ner die Auf­he­bung der Rege­lun­gen über die Zuläs­sig­keit des Nacht­flug­be­triebs und berief sich auf aus sei­ner Sicht ver­än­der­te wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se zu Gesund­heits­be­ein­träch­ti­gun­gen durch nächt­li­chen Flug­lärm.

Die gegen die ableh­nen­den Ver­wal­tungs­ent­schei­dun­gen erho­be­ne Kla­ge blieb erfolg­los. Ins­be­son­de­re kann der Anwoh­ner kei­nen Wider­ruf der Betriebs­re­ge­lun­gen nach § 49 Abs. 2 des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes (VwVfG) ver­lan­gen. Denn ein sol­cher Wider­ruf setzt vor­aus, dass auch nach­träg­li­che Schutz­auf­la­gen nach § 75 Abs. 2 S. 2 VwVfG – etwa zum bau­li­chen Schall­schutz – die nach­tei­li­gen Wir­kun­gen eines Vor­ha­bens nicht besei­ti­gen. An die­ser Vor­aus­set­zung fehlt es nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts. Den vom Anwoh­ner behaup­te­ten ver­än­der­ten Erkennt­nis­sen zum nächt­li­chen Flug­lärm könn­te durch bes­se­ren bau­li­chen Schall­schutz Rech­nung getra­gen wer­den. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te daher nicht zu ent­schei­den, ob sich die wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se tat­säch­lich seit dem Jahr 2007 in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se ver­än­dert haben. Nicht Ver­fah­rens­ge­gen­stand war fer­ner die Fra­ge, ob der Schall­schutz im Haus des Anwoh­ners aus­rei­chend ist.

Der Anwoh­ner konn­te sein Begeh­ren auch nicht auf ande­re Vor­schrif­ten stüt­zen. Eine Rück­nah­me nach § 48 Abs. 1 S. 1 VwVfG schied aus, weil nach dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts aus dem Jahr 2008 rechts­kräf­tig fest­steht, dass die Rege­lun­gen über den Nacht­flug­be­trieb recht­mä­ßig sind. Ein Wie­der­auf­grei­fen des Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens nach § 51 VwVfG schließt § 72 Abs. 1 VwVfG aus.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. April 2016 – 4 A 22.15

  1. BVerwG, Urteil vom 09.11.2006 – 4 A 2001.06, BVerw­GE 127, 95[]
  2. BVerwg, Urteil vom 24.07.2008 – 4 A 3001.07, BVerw­GE 131, 316[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 15.10.2009 – 1 BvR 3474/​08[]
  4. EGMR, Ent­schei­dung vom 10.06.2014 – 25330/​10[]