Akten­ein­sicht in "UFO-Unter­la­gen"

Auf man­dats­be­zo­ge­ne Unter­la­gen der Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te und des Spra­chen­diens­tes des Deut­schen Bun­des­ta­ges fin­det das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz kei­ne Anwen­dung.

Akten­ein­sicht in

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg in zwei Beru­fungs­ver­fah­ren die Kla­gen abge­wie­sen und die anders­lau­ten­den erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dun­gen auf­ge­ho­ben. In einem Fall hat der Klä­ger unter Beru­fung auf das IFG begehrt, ihm Ein­sicht in die auf Anfor­de­rung einer Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten von den Wis­sen­schaft­li­chen Diens­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges erstell­te Aus­ar­bei­tung "Die Suche nach außer­ir­di­schem Leben und die Umset­zung der VN-Reso­lu­ti­on A/​33/​426 zur Beob­ach­tung uniden­ti­fi­zier­ter Flug­ob­jek­te und extra­ter­res­tri­schen Lebens­for­men" zu geben. In einem ande­ren Ver­fah­ren begehr­te ein Jour­na­list einer über­re­gio­na­len Zei­tung, Ablich­tun­gen von acht Doku­men­ten der Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te und des Spra­chen­diens­tes des Deut­schen Bun­des­ta­ges, hilfs­wei­se die Gewäh­rung von Ein­sicht in die­se Unter­la­gen. Die Doku­men­te wur­den in den Jah­ren 2003 bis 2005 auf Anfor­de­rung des frü­he­ren Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten zu Gut­ten­berg erstellt und von die­sem für sei­ne Dis­ser­ta­ti­on ver­wen­det.

Bei­de Ersu­chen sind vom Deut­schen Bun­des­tag abge­lehnt wor­den mit der Begrün­dung, das IFG sei nicht anwend­bar. Die Zuar­bei­ten der Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te und des Spra­chen­diens­tes sei­en der Man­dats­aus­übung der Abge­ord­ne­ten zuzu­rech­nen und daher als Wahr­neh­mung par­la­men­ta­ri­scher Ange­le­gen­hei­ten vom Infor­ma­ti­ons­zu­gang aus­ge­nom­men. Im Übri­gen ste­he der Schutz geis­ti­gen Eigen­tums dem Infor­ma­ti­ons­an­spruch ent­ge­gen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ist dem nicht gefolgt und hat den Deut­schen Bun­des­tag in bei­den Kla­ge­ver­fah­ren antrags­ge­mäß zur Infor­ma­ti­ons­er­tei­lung ver­pflich­tet. Dar­auf­hin ist von den Beklag­ten Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg unter­lie­ge der Deut­sche Bun­des­tag dem Anwen­dungs­be­reich des IFG nur, soweit er öffent­lich-recht­li­che Ver­wal­tungs­auf­ga­ben wahr­neh­me. Die streit­ge­gen­ständ­li­chen Unter­la­gen sei­en nicht in Wahr­neh­mung von Ver­wal­tungs­auf­ga­ben erstellt wor­den, son­dern dem vom IFG aus­ge­nom­me­nen Bereich par­la­men­ta­ri­scher Tätig­keit zuzu­rech­nen. Aus­ar­bei­tun­gen und Doku­men­ta­tio­nen der Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te, die von Abge­ord­ne­ten in Auf­trag gege­ben wor­den sei­en, dien­ten der unmit­tel­ba­ren Unter­stüt­zung der Mit­glie­der des Deut­schen Bun­des­ta­ges bei ihrer man­dats­be­zo­ge­nen Tätig­keit. Die Arbei­ten der Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te wie­sen damit ihrer Funk­ti­on nach einen engen Man­dats­be­zug auf. Eine Absicht der rechts­wid­ri­gen Nut­zung der Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te stel­le die­se Funk­ti­on grund­sätz­lich nicht in Fra­ge. An dem Man­dats­be­zug feh­le es auch nicht wegen der Ver­pflich­tung der Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te zur poli­ti­schen Neu­tra­li­tät. Für die man­dats­be­zo­ge­nen Zuar­bei­ten der Spra­chen­diens­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges gel­te nichts ande­res. Auch die­se stell­ten kei­ne Ver­wal­tungs­tä­tig­keit im mate­ri­el­len Sin­ne dar, son­dern sei­en dem Bereich par­la­men­ta­ri­scher Tätig­kei­ten zuzu­ord­nen, auf die das IFG kei­ne Anwen­dung fin­de.

Ob den Infor­ma­ti­ons­be­geh­ren im Übri­gen der Schutz geis­ti­gen Eigen­tums ent­ge­gen­steht, hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt danach offen­ge­las­sen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 13. Novem­ber 2013 – OVG 12 B 3.12 und 12 B 21.12