Auf­nah­me­be­din­gun­gen für Asyl­be­wer­ber in Bul­ga­ri­en

Das Asyl­ver­fah­ren und die Auf­nah­me­be­din­gun­gen für Asyl­be­wer­ber in Bul­ga­ri­en wei­sen gegen­wär­tig sys­te­mi­sche Män­gel auf.

Auf­nah­me­be­din­gun­gen für Asyl­be­wer­ber in Bul­ga­ri­en

Nach § 27a AsylVfG ist ein Asyl­an­trag unzu­läs­sig, wenn ein ande­rer Staat auf­grund von Rechts­vor­schrif­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaft oder eines völ­ker­recht­li­chen Ver­tra­ges für die Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens zustän­dig ist. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier nicht vor.

Zwar ist Bul­ga­ri­en auf­grund der Zustim­mung gemäß Art. 16 Abs. 1e Dub­lin II-VO für die Behand­lung des Asyl­an­trags zustän­dig. Der Klä­ger wäre im Fal­le einer Über­stel­lung nach Bul­ga­ri­en indes einer unmensch­li­chen oder ernied­ri­gen­den Behand­lung i.S.v. Art. 4 GRCh aus­ge­setzt.

Es obliegt den Mit­glied­staa­ten ein­schließ­lich der natio­na­len Gerich­te, einen Asyl­be­wer­ber nicht an den zustän­di­gen Mit­glied­staat im Sin­ne der Dub­lin II-Ver­ord­nung zu über­stel­len, wenn ihnen nicht unbe­kannt sein kann, dass die sys­te­mi­schen Män­gel des Asyl­ver­fah­rens und der Auf­nah­me­be­din­gun­gen für Asyl­be­wer­ber in die­sem Mit­glied­staat ernst­haf­te und durch Tat­sa­chen bestä­tig­te Grün­de für die Annah­me dar­stel­len, dass der Antrag­stel­ler tat­säch­lich Gefahr läuft, einer unmensch­li­chen oder ernied­ri­gen­den Behand­lung im Sin­ne von Art. 4 GRCh aus­ge­setzt zu wer­den1. Wird auf­ge­zeigt, dass sys­te­mi­sche Stö­run­gen dazu füh­ren, dass Asyl­an­trä­ge nicht ein­zeln, objek­tiv und unpar­tei­isch geprüft und ent­schie­den (Art. 8 Abs. 2 RL 2005/​85/​EG) sowie die nach Art. 10 RL 2005/​85/​EG gewähr­leis­te­ten Ver­fah­rens­ga­ran­ti­en für Antrag­stel­ler und das Recht auf eine wirk­sa­me Über­prü­fung ableh­nen­der Asy­l­ent­schei­dun­gen (Art. 23 RL 2005/​85/​EG) ver­letzt wer­den, han­delt der Mit­glied­staat, der den Asyl­su­chen­den gleich­wohl an die­sen Mit­glied­staat über­stellt, Art. 4 GRCh zuwi­der. Sind den Behör­den schwer­wie­gen­de Män­gel des Asyl­ver­fah­rens im zustän­di­gen Mit­glied­staat auf­grund zuver­läs­si­ger Berich­te inter­na­tio­na­ler und nicht­staat­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen bekannt, darf dem Asyl­su­chen­den nicht die voll­stän­di­ge Beweis­last dafür auf­er­legt wer­den, dass das dor­ti­ge Asyl­sys­tem nicht wirk­sam ist; unter die­sen Umstän­den darf sich der ersu­chen­de Mit­glied­staat nicht auf Zusi­che­run­gen des ersuch­ten Mit­glied­staa­tes, dass dem Asyl­su­chen­den dort kei­ne kon­ven­ti­ons­wid­ri­ge Behand­lung dro­hen wer­de, ver­las­sen2. Nach die­sen Grund­sät­zen umfasst die Dar­le­gungs­last des Asyl­su­chen­den den Hin­weis auf die zuver­läs­si­gen Quel­len. Macht der Asyl­su­chen­de unter Hin­weis auf Berich­te inter­na­tio­na­ler Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen sys­te­mi­sche Män­gel im Asyl­ver­fah­ren des zustän­di­gen Mit­glied­staa­tes gel­tend, ist der um Schutz gebe­te­ne Mit­glied­staat ver­pflich­tet nach­zu­wei­sen, dass das dor­ti­ge Asyl­ver­fah­ren wirk­sam und in der Lage ist, den Asyl­an­trag nach Maß­ga­be uni­ons­recht­li­cher Vor­ga­ben zu behan­deln. Kann der um Prü­fung des Asyl­an­trags gebe­te­ne Mit­glied­staat dies nicht bele­gen und über­stellt er gleich­wohl den Asyl­su­chen­den an den zustän­di­gen Mit­glied­staat, ver­letzt er Art. 4 GRCh.

Der Klä­ger hat im Hin­blick auf Bul­ga­ri­en sys­te­mi­sche Män­gel gel­tend gemacht. Auch nach der Aus­kunfts­la­ge erfüllt Bul­ga­ri­en die ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen nach der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on, der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on nicht.

Der UNHCR hat in einem Bericht vom 02.01.2014 ("Bul­ga­ria As a Coun­try of Asyl­um") aus­ge­führt, Asyl­su­chen­de, die gemäß den Vor­ga­ben der Dub­lin II-VO nach Bul­ga­ri­en abge­scho­ben wür­den, sei­en dort auf­grund sys­te­mi­scher Män­gel des Asyl­ver­fah­rens und der Auf­nah­me­be­din­gun­gen für Asyl­be­wer­ber der ernst­haf­ten Gefahr einer unmensch­li­chen oder ernied­ri­gen­den Behand­lung aus­ge­setzt. Die unmensch­li­chen Auf­nah­me­be­din­gun­gen bedeu­te­ten eine Ver­let­zung der Men­schen­wür­de und des Rechts auf Pri­vat­sphä­re. Außer­dem lie­fen Asyl­su­chen­de Gefahr, will­kür­lich inhaf­tiert zu wer­den, da eine kla­re Rechts­la­ge in Bul­ga­ri­en feh­le. Über­stel­lun­gen nach Bul­ga­ri­en müss­ten des­we­gen aus­ge­setzt wer­den.

Im Jahr 2013 hät­ten mehr als 9100 Per­so­nen in Bul­ga­ri­en einen Asyl­an­trag gestellt. Dabei gehe der UNHCR davon aus, dass die tat­säch­li­che Anzahl von Asyl­su­chen­den höher sei als die, die in der Sta­tis­tik erfasst wer­de. Bei Rück­über­stel­lun­gen nach dem Dub­lin-Ver­fah­ren sei ein wesent­li­ches Pro­blem, dass eine Wider­auf­nah­me des Asyl­ver­fah­rens nach der Rück­kehr aus einem ande­ren EU-Staat nicht gewähr­leis­tet sei. Denn das bul­ga­ri­sche Recht sehe vor, dass ein drei­mo­na­ti­ges Nicht­be­trei­ben des Asyl­ver­fah­rens zur Fol­ge haben kön­ne, dass der Asyl­an­trag in Abwe­sen­heit abge­lehnt wer­de. Die­ses Ergeb­nis kön­ne in der Regel nicht abge­wen­det wer­den, da Asyl­su­chen­de nicht dar­le­gen könn­ten, war­um sie das Asyl­ver­fah­ren vor der Behör­de nicht betrie­ben hät­ten. Wür­den Asyl­su­chen­de in einer sol­chen Situa­ti­on aus einem ande­ren EU-Staat abge­scho­ben, so wür­den sie regel­mä­ßig in Abschie­bungs­haft genom­men. Dann blei­be nur noch die Mög­lich­keit, einen Asyl­fol­ge­an­trag zu stel­len. Damit die­ser erfolg­reich sein kön­ne, müss­ten aller­dings neue Grün­de für den Asyl­an­trag vor­ge­tra­gen wer­den kön­nen, was regel­mä­ßig nicht der Fall sein wer­de. Im Ergeb­nis füh­re dies zu einer Ableh­nung als "offen­sicht­lich unbe­grün­det". Für die­se abge­lehn­ten Asyl­su­chen­den gebe es kei­ner­lei staat­li­che Unter­stüt­zung.

Es gebe einen mas­si­ven Man­gel an Plät­zen in Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen. Des­we­gen fin­de viel­fach eine Zuwei­sung in eine sol­che Auf­nah­me­ein­rich­tung nicht statt. Wegen der man­geln­den Regis­trie­rungs­ka­pa­zi­tä­ten wür­den zahl­rei­che Asyl­an­trä­ge nicht ent­ge­gen­ge­nom­men. Ins­ge­samt wer­de sowohl die EU-Auf­nah­me- als auch die Asyl­ver­fah­rens­richt­li­nie ver­letzt. Solan­ge eine Regis­trie­rung eines Asyl­an­trags nicht erfolgt sei, wür­den die betref­fen­den Per­so­nen wie regu­lär Auf­häl­ti­ge behan­delt, denen die Abschie­bung dro­he.

Eigent­lich sei in Bul­ga­ri­en eine län­ge­re Inhaf­tie­rung als 24 Stun­den nur dann zuläs­sig, wenn die Ein­rei­se oder der Auf­ent­halt irre­gu­lär sei­en oder kei­ne Iden­ti­täts­nach­wei­se vor­han­den sei­en. Dann kön­ne bis zu 18 Mona­te inhaf­tiert wer­den. Da zahl­rei­che Asyl­an­trä­ge nicht regis­triert wür­den, wer­de die­se aus­ufern­de Inhaf­tie­rungs­pra­xis auch auf Asyl­su­chen­de ange­wandt. Auch wegen der feh­len­den Auf­nah­me­plät­ze in Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen blie­ben vie­le Asyl­su­chen­de zahl­rei­che Mona­te in Haft.

Ein gro­ßes Pro­blem in der Haft bestehe dar­in, dass es an qua­li­fi­zier­ten Dol­met­schern feh­le. Eine Ent­las­sung sei nur dann mög­lich, wenn Asyl­su­chen­de nach­wei­sen könn­ten, dass sie eine exter­ne Adres­se in Bul­ga­ri­en hät­ten. Teil­wei­se habe dies zu einer Pra­xis geführt, dass fin­gier­te Adres­sen, die Asyl­su­chen­de gegen Zah­lung bestimm­ter Geld­sum­men beschaf­fen könn­ten, ange­ge­ben wür­den. Da die Unter­kunft real aber nicht exis­tie­re, füh­re die Ent­las­sung zur Obdach­lo­sig­keit der Asyl­su­chen­den.

Nach offi­zi­el­len Anga­ben habe Bul­ga­ri­en 4060 Auf­nah­me­plät­ze für Asyl­su­chen­de. Die meis­ten Auf­nah­me­la­ger sei­en über­be­legt. Zur Zeit gebe es sie­ben Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen in Bul­ga­ri­en. Die Hälf­te aller Asyl­su­chen­den in Bul­ga­ri­en sei dort unter­ge­bracht. Bei einer der Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen han­de­le es sich um eine geschlos­se­ne Ein­rich­tung, obwohl nach bul­ga­ri­schem Recht eine Inhaf­tie­rung von Asyl­su­chen­den nicht zuläs­sig sei. Bei 5000 Asyl­su­chen­den sei eine exter­ne Adres­se vor­han­den. Lebe jemand außer­halb der Lager, leis­te der Staat kei­ner­lei Unter­stüt­zung mit Aus­nah­me einer Gesund­heits­ver­si­che­rungs­kar­te, die einen Zugang zur medi­zi­ni­schen Basis­ver­sor­gung ermög­li­che.

Die Bedin­gun­gen in den Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen sei­en kläg­lich. Essen wer­de vom Staat nicht ange­bo­ten und grund­sätz­lich bestehe auch kein Zugang zu Koch­vor­rich­tun­gen. Es feh­le auch an adäqua­ter Hei­zung ein­schließ­lich hei­ßen Was­sers und not­wen­di­ger Gesund­heits­ver­sor­gung. Die Was­ser­ver­sor­gung und die sani­tä­ren Ein­rich­tun­gen sei­en nicht auf einem akzep­ta­blen Niveau.

In Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen erhiel­ten Asyl­su­chen­de umge­rech­net 33 EUR pro Monat. Direkt nach ihrer Ankunft erhiel­ten sie ein Essens­pa­ket, dass fünf Tage rei­chen sol­le.

Die Bedin­gun­gen im Auf­nah­me­la­ger Har­m­an­li sei­en am schlimms­ten. Hier­bei han­de­le es sich um eine geschlos­se­ne Ein­rich­tung. Obwohl kein Essen zur Ver­fü­gung gestellt wer­de, dürf­ten die Insas­sen das Lager nicht ver­las­sen, um Nah­rungs­mit­tel ein­zu­kau­fen. Die Auf­nah­me­ka­pa­zi­tät von 1450 Plät­zen wer­de deut­lich über­schrit­ten. In Har­m­an­li gebe es ent­we­der Fer­tig­hüt­ten oder unre­no­vier­te Gebäu­de, die kei­ne ange­mes­se­nen Stan­dards böten.

In den Auf­nah­me­la­gern gebe es kei­ner­lei medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung. Da die Asyl­su­chen­den ver­schrie­be­ne Medi­ka­men­te selbst bezah­len müss­ten, dafür das Geld jedoch feh­le, blie­ben Krank­hei­ten unbe­han­delt.

Die bul­ga­ri­schen Behör­den sei­en nicht in der Lage, Asyl­an­trä­ge zeit­nah zu regis­trie­ren. Teil­wei­se daue­re es län­ger als sechs Mona­te, bis ein Asyl­an­trag regis­triert sei. Wäh­rend die­ser Zeit wür­den die betrof­fe­nen Per­so­nen als Aus­rei­se­pflich­ti­ge behan­delt. Die Ver­pflich­tung zur Gewähr­leis­tung eines schnel­len und fai­ren Zugangs zum Asyl­ver­fah­ren wer­de miss­ach­tet; dies stel­le einen Ver­stoß gegen die Asyl­ver­fah­rens­richt­li­nie dar.

Stan­dards eines fai­ren Ver­fah­rens wür­den nicht ein­ge­hal­ten. So wür­den häu­fig Ableh­nun­gen damit begrün­det, dass der Asyl­su­chen­de sich wider­sprüch­lich oder inkon­sis­tent geäu­ßert habe. In einer rechts­staat­li­chen Anhö­rung müss­ten Asyl­su­chen­de jedoch schon wäh­rend der Anhö­rung auf die Wider­sprü­che auf­merk­sam gemacht wer­den; dies sei in Bul­ga­ri­en nicht der Fall.

Asyl­su­chen­de hät­ten kei­nen garan­tier­ten Zugang zu Rechts­be­ra­tung und Rechts­ver­tre­tung wäh­rend des Asyl­ver­fah­rens.

Für aner­kann­te Flücht­lin­ge gebe es nur sehr weni­ge staat­li­che Unter­stüt­zung. Die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung sei sehr nied­rig und wer­de davon abhän­gig gemacht, dass Sprach­kur­se besucht wür­den. Vie­le Flücht­lin­ge bekä­men kei­ne dau­er­haf­te Beschäf­ti­gung wegen der wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on in Bul­ga­ri­en. Vie­le aner­kann­te Flücht­lin­ge sei­en von Obdach­lo­sig­keit betrof­fen.

Amnes­ty Inter­na­tio­nal führt in einer Pres­se­mit­tei­lung vom 31.03.2014 aus, bei einem Besuch in Bul­ga­ri­en sei fest­ge­stellt wor­den, dass trotz eini­ger Fort­schrit­te die Lebens­be­din­gun­gen in eini­gen der Auf­nah­me­zen­tren wei­ter­hin unzu­rei­chend sei­en. Die Inhaf­tie­rung von Asyl­su­chen­den, die Über­be­le­gung der Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen, die schlech­te Hygie­ne und die unzu­rei­chen­de Ver­sor­gung mit Nah­rungs­mit­teln stell­ten nach wie vor schwer­wie­gen­de Män­gel des Asyl­ver­fah­rens in Bul­ga­ri­en dar. Die Über­fül­lung des Auf­nah­me­la­gers Har­m­an­li bestehe wei­ter­hin.

Pro Asyl teilt in einer Pres­se­er­klä­rung vom 23.05.2014 mit, in Bul­ga­ri­en wür­den alle irre­gu­lär ein­rei­sen­den Schutz­su­chen­den sys­te­ma­tisch inhaf­tiert. Fami­li­en und Ein­zel­per­so­nen müss­ten in über­füll­ten Hal­len leben, die kei­ner­lei Pri­vat­sphä­re böten, teil­wei­se mit man­geln­dem Heiz­sys­tem und kaum elek­tri­scher Ver­sor­gung. Aus­rei­chen­de sani­tä­re Ein­rich­tun­gen fehl­ten.

ECRE (European Coun­cil on Refu­gees and Exi­les) teilt in einer Stel­lung­nah­me vom 07.04.2014 mit, trotz der jüngs­ten lobens­wer­ten Bemü­hun­gen der bul­ga­ri­schen Behör­den blie­ben die Män­gel im Asyl­ver­fah­ren wei­ter­hin bestehen. Die Nach­hal­tig­keit der Ver­bes­se­run­gen sei unge­wiss. Obwohl war­me Mahl­zei­ten seit Febru­ar 2014 sowie die medi­zi­ni­sche Betreu­ung in allen Auf­nah­me­zen­tren nun­mehr zur Ver­fü­gung stün­den, sei­en die Lebens­be­din­gun­gen in den Auf­nah­me­zen­tren auf­grund der Über­be­le­gung nach wie vor schwie­rig. Asyl­su­chen­de mit Wohn­sitz außer­halb der Auf­nah­me­zen­tren hät­ten kei­nen Zugang zu irgend­ei­ner mate­ri­el­len Unter­stüt­zung. Jede Über­stel­lung von Asyl­be­wer­bern nach Bul­ga­ri­en wäre ver­früht und wür­de die lau­fen­den Bemü­hun­gen der ver­schie­de­nen Akteu­re in Bul­ga­ri­en unter­gra­ben.

Die­se vor­ge­nann­ten Aus­künf­te und Stel­lung­nah­men begrün­den hin­rei­chend deut­lich die Annah­me, dass das Asyl­ver­fah­ren und die Auf­nah­me­be­din­gun­gen für Asyl­be­wer­ber in Bul­ga­ri­en sys­te­mi­sche Män­gel auf­wei­sen mit der dar­aus resul­tie­ren­den Gefahr für den Klä­ger, dort im Fal­le der Über­stel­lung einer unmensch­li­chen oder ernied­ri­gen­de Behand­lung im Sin­ne des Art. 4 GRCh aus­ge­setzt zu sein.

Da der Klä­ger man­gels Zustän­dig­keit Bul­ga­ri­ens aus recht­li­chen Grün­den nicht nach dort­hin über­stellt wer­den kann, erweist sich auch die auf der Grund­la­ge von § 34a Abs. 1 Satz 1 AsylVfG ange­ord­ne­te Abschie­bung als rechts­wid­rig.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 24. Juni 2014 – A 11 K 741/​14

  1. vgl. EuGH, Urteil vom 21.12.2011 – C‑411/​10 und – C‑493/​10 []
  2. vgl. EGMR, Urteil vom 21.01.2011 – 30696/​09, NVwZ 2011, 413 []