Aus­la­gen­er­stat­tung bei einer für erle­digt erklär­tem Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Nach Erle­di­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de und des Antrags auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung ist über die Aus­la­gen­er­stat­tung gemäß § 34a Abs. 3 BVerfGG nach Bil­lig­keits­ge­sichts­punk­ten zu ent­schei­den.

Aus­la­gen­er­stat­tung bei einer für erle­digt erklär­tem Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Die Erstat­tung der Aus­la­gen nach die­ser Vor­schrift stellt im Hin­blick auf die Kos­ten­frei­heit des Ver­fah­rens (§ 34 Abs. 1 BVerfGG), den feh­len­den Anwalts­zwang und das Feh­len eines bei Unter­lie­gen des Beschwer­de­füh­rers erstat­tungs­be­rech­tig­ten Geg­ners die Aus­nah­me von dem Grund­satz des Selbst­be­halts der eige­nen Aus­la­gen [1] dar [2].

Bei der Ent­schei­dung über die Aus­la­gen­er­stat­tung kann ins­be­son­de­re dem Grund, der zur Erle­di­gung geführt hat, wesent­li­che Bedeu­tung zukom­men. So ist es bil­lig, einer beschwer­de­füh­ren­den Per­son die Erstat­tung ihrer Aus­la­gen zuzu­er­ken­nen, wenn die öffent­li­che Gewalt von sich aus den mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Akt besei­tigt oder der Beschwer auf ande­re Wei­se abhilft, weil in die­sem Fall – falls kei­ne ander­wei­ti­gen Grün­de ersicht­lich sind – davon aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass sie deren Begeh­ren selbst für berech­tigt erach­tet hat [3].

Im Hin­blick auf die Funk­ti­on und die Trag­wei­te der Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts fin­det eine über­schlä­gi­ge Beur­tei­lung der Erfolgs­aus­sicht der Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Rah­men der Ent­schei­dung über die Aus­la­gen­er­stat­tung nicht statt [4].

Nach die­sen Maß­stä­ben ent­sprach es im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren der Bil­lig­keit, dem Antrag der Beschwer­de­füh­re­rin auf Aus­la­gen­er­stat­tung in dem aus dem Tenor zur Hälf­te statt­zu­ge­ben:

Ziel der Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Beschwer­de­füh­re­rin war es, nach Auf­he­bung der Beschlüs­se des Ver­wal­tungs­ge­richts vom 24.11.2014; und vom 18.12 2014 und Zurück­ver­wei­sung der Sache Pro­zess­kos­ten­hil­fe sowohl für den mit der Kla­ge ver­folg­ten Anspruch auf Flücht­lings­schutz als auch für den mit der Kla­ge ver­folg­ten Anspruch auf sub­si­diä­ren Schutz zu bekom­men.

Hin­sicht­lich des Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trags in Bezug auf den mit der Kla­ge ver­folg­ten Anspruch auf Flücht­lings­schutz haben sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de und der Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung erle­digt, weil die Beschwer­de­füh­re­rin die Kla­ge inso­weit zurück­ge­nom­men hat; man­gels ander­wei­ti­ger Anhalts­punk­te hat sie damit zum Aus­druck gebracht, dass sie den Anspruch auf Flücht­lings­schutz – und damit den dies­be­züg­li­chen Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­spruch – selbst nicht als gege­ben betrach­tet hat.

Hin­sicht­lich des Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trags in Bezug auf den mit der Kla­ge ver­folg­ten Anspruch auf sub­si­diä­ren Schutz haben sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de und der Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung erle­digt, weil das Ver­wal­tungs­ge­richt der Kla­ge inso­weit statt­ge­ge­ben hat. Die Statt­ga­be spricht – trotz der Tat­sa­che, dass für die Ent­schei­dung über den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag ein ande­rer Zeit­punkt ent­schei­dungs­er­heb­lich war als für die Ent­schei­dung über die Kla­ge – dafür, dass das Ver­wal­tungs­ge­richt als Teil der öffent­li­chen Gewalt des Lan­des Bran­den­burg das Begeh­ren der Beschwer­de­füh­re­rin auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den mit der Kla­ge ver­folg­ten Anspruch auf sub­si­diä­ren Schutz letzt­lich für berech­tigt erach­tet hat. Denn aus der Akte des Ver­wal­tungs­ge­richts ist nicht ersicht­lich, dass sich zwi­schen dem Zeit­punkt der Ent­schei­dung über den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag, dem 24.11.2014, und dem Zeit­punkt der Ent­schei­dung über die Kla­ge, dem 18.12 2015, wesent­li­che Ände­run­gen in Bezug auf die Erfolgs­aus­sich­ten der Kla­ge erge­ben hät­ten.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Dezem­ber 2019 – 2 BvR 9/​15

  1. vgl. BVerfGE 49, 70, 89[]
  2. vgl. BVerfGE 66, 152, 154[]
  3. vgl. BVerfGE 85, 109, 114 ff.; 87, 394, 397 f.[]
  4. vgl. BVerfGE 33, 247, 264 f.; BVerfG, Beschluss vom 29.05.2018 – 2 BvR 2767/​17, Rn. 13[]