Absen­kung der Ein­gangs­be­sol­dung für Beam­te und Rich­ter

Auch das beson­de­re Treue­ver­hält­nis ver­pflich­tet Beam­te nicht dazu, stär­ker als ande­re zur Kon­so­li­die­rung öffent­li­cher Haus­hal­te bei­zu­tra­gen. Eine Ein­schrän­kung des Grund­sat­zes der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung aus rein finan­zi­el­len Grün­den kann zur Bewäl­ti­gung einer der in Art. 109 Abs. 3 Satz 2 GG genann­ten Aus­nah­me­si­tua­tio­nen nur in Ansatz gebracht wer­den, wenn die betref­fen­de gesetz­ge­be­ri­sche Maß­nah­me aus­weis­lich einer aus­sa­ge­kräf­ti­gen Begrün­dung in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en Teil eines schlüs­si­gen und umfas­sen­den Kon­zepts der Haus­halts­kon­so­li­die­rung ist. Vor dem Hin­ter­grund der Wer­tun­gen des Art. 3 Abs. 1 GG ist das not­wen­di­ge Spar­vo­lu­men dabei gleich­heits­ge­recht zu erwirt­schaf­ten.

Absen­kung der Ein­gangs­be­sol­dung für Beam­te und Rich­ter

Die Fest­le­gung der Besol­dungs­hö­he durch den Gesetz­ge­ber ist an die Ein­hal­tung pro­ze­du­ra­ler Anfor­de­run­gen geknüpft. Die­se tre­ten als "zwei­te Säu­le" des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips neben sei­ne auf eine Evi­denz­kon­trol­le beschränk­te mate­ri­el­le Dimen­si­on und die­nen sei­ner Flan­kie­rung, Absi­che­rung und Ver­stär­kung.

Trifft der Gesetz­ge­ber zur Redu­zie­rung der Staats­aus­ga­ben meh­re­re Maß­nah­men in engem zeit­li­chem Zusam­men­hang, hat er sich mit den hier­aus fol­gen­den Gesamt­wir­kun­gen für die Beam­tin­nen und Beam­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen. Inso­fern ergän­zen die pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen die Vor­ga­ben hin­sicht­lich eines schlüs­si­gen und umfas­sen­den Kon­zepts der Haus­halts­kon­so­li­die­rung.

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine baden-würt­tem­ber­gi­sche Besol­dungs­re­ge­lung für nich­tig erklärt, die eine Absen­kung der Beam­ten- und Rich­ter­ge­häl­ter für die ers­ten drei Jah­re des Dienst­ver­hält­nis­ses in bestimm­ten Besol­dungs­grup­pen vor­sah.

§ 23 des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes Baden-Würt­tem­berg vom 09.11.2010 1 in der Fas­sung des Arti­kels 5 Num­mer 1 des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 2013/​14 vom 18.12.2012 2 ist mit Arti­kel 33 Absatz 5 GG in Ver­bin­dung mit Arti­kel 3 Absatz 1 GG unver­ein­bar und nich­tig.

Beam­te sind, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in die­ser auf eine Rich­ter­vor­la­ge des Ver­wal­tungs­ge­richts Karls­ru­he 3 ergan­ge­nen Ent­schei­dung aus­drück­lich beton­te, nicht dazu ver­pflich­tet, stär­ker als ande­re zur Kon­so­li­die­rung öffent­li­cher Haus­hal­te bei­zu­tra­gen. Eine Ein­schrän­kung des Grund­sat­zes der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung aus rein finan­zi­el­len Grün­den kommt zur Bewäl­ti­gung von Aus­nah­me­si­tua­tio­nen nur in Betracht, wenn die Maß­nah­me Teil eines schlüs­si­gen und umfas­sen­den Kon­zepts der Haus­halts­kon­so­li­die­rung ist. Das not­wen­di­ge Spar­vo­lu­men ist dabei gleich­heits­ge­recht zu erwirt­schaf­ten. Die Fest­le­gung der Besol­dungs­hö­he durch den Gesetz­ge­ber ist zudem an die Ein­hal­tung pro­ze­du­ra­ler Anfor­de­run­gen geknüpft. Trifft der Gesetz­ge­ber zur Redu­zie­rung der Staats­aus­ga­ben meh­re­re Maß­nah­men in engem zeit­li­chem Zusam­men­hang, hat er sich mit den Gesamt­wir­kun­gen für die Beam­tin­nen und Beam­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Die Besol­dungs­ab­sen­kung in Baden-Würt­tem­berg[↑]

Durch die zur Prü­fung gestell­te Rege­lung wur­den zwi­schen dem 1.01.2013 und dem 31.12.2017 unter ande­rem bei Rich­tern mit Anspruch auf Dienst­be­zü­ge aus der Besol­dungs­grup­pe R 1 das Grund­ge­halt und etwai­ge Amts­zu­la­gen für die Dau­er von drei Jah­ren nach Ent­ste­hen des Anspruchs um acht Pro­zent abge­senkt. § 23 LBe­s­G­BW hat­te in der ein­gangs zitier­ten Fas­sung fol­gen­den Wort­laut:

§ 23 LBe­s­G­BW

(1) Bei Beam­ten und Rich­tern mit Anspruch auf Dienst­be­zü­ge aus einem Ein­gang­samt der Besol­dungs­grup­pe A 9 und höher, der Besol­dungs­grup­pe R 1 oder aus einem Amt der Besol­dungs­grup­pe W 1 sind für die Dau­er von drei Jah­ren nach Ent­ste­hen des Anspruchs die jewei­li­gen Grund­ge­häl­ter und Amts­zu­la­gen abzu­sen­ken. In Besol­dungs­grup­pe A 9 und A 10 beläuft sich die Absen­kung auf 4 Pro­zent, in den ande­ren Besol­dungs­grup­pen auf 8 Pro­zent der jewei­li­gen Grund­ge­häl­ter und Amts­zu­la­gen. Beam­te und Rich­ter, denen spä­tes­tens am 31.12.2012 im Gel­tungs­be­reich die­ses Geset­zes Dienst­be­zü­ge zuge­stan­den haben, unter­lie­gen in den Besol­dungs­grup­pen A 9 und A 10 abwei­chend von Satz 1 nicht der Absen­kung, im Übri­gen gilt abwei­chend von Satz 2 eine Absen­kung von 4 Pro­zent.

(2) Absatz 1 gilt nicht für Beam­te und Rich­ter,

  1. denen spä­tes­tens am 31.12.2004 Dienst­be­zü­ge im Gel­tungs­be­reich die­ses Geset­zes zuge­stan­den haben oder
  2. die aus einem vor dem 1.01.2005 begrün­de­ten Ange­stell­ten­ver­hält­nis zu einem Dienst­herrn nach § 1 Abs. 1 in das Beam­ten­ver­hält­nis wech­seln oder
  3. denen bis zur Ent­ste­hung des Anspruchs auf Dienst­be­zü­ge nach Absatz 1 Dienst­be­zü­ge aus einem ande­ren Amt im Gel­tungs­be­reich die­ses Geset­zes zuge­stan­den haben.

(3) Auf den Absen­kungs­zeit­raum von drei Jah­ren wer­den frü­he­re Zei­ten des Beam­ten oder Rich­ters mit nach Absatz 1 abge­senk­ter Ein­gangs­be­sol­dung ange­rech­net. Glei­ches gilt für frü­he­re Zei­ten, in denen der Beam­te oder Rich­ter abge­senk­te Bezü­ge ent­spre­chend Absatz 1 erhal­ten hat:

  1. von einem Arbeit­ge­ber nach Absatz 2 Nr. 2 oder
  2. von einem ande­ren Arbeit­ge­ber, zu dem der Beam­te oder Rich­ter unter Aner­ken­nung von öffent­li­chen Belan­gen ohne Dienst­be­zü­ge beur­laubt wur­de, sofern der Arbeit­ge­ber von einem Dienst­herrn nach § 1 Abs. 1 für die Zeit der Beur­lau­bung einen Zuschuss zu den Per­so­nal­kos­ten des Beam­ten oder Rich­ters erhal­ten hat.

(4) Absatz 3 gilt ent­spre­chend für Zei­ten, in denen der Beam­te oder Rich­ter auf­grund oder in sinn­ge­mä­ßer Anwen­dung von § 1a des Lan­des­son­der­zah­lungs­ge­set­zes in der bis zum 31.12.2007 gel­ten­den Fas­sung kei­ne Son­der­zah­lun­gen oder ver­gleich­ba­re Leis­tun­gen erhal­ten hat.

(5) Zuletzt zuge­stan­de­ne ruhe­ge­halt­fä­hi­ge Dienst­be­zü­ge im Sin­ne von § 19 Abs. 1 des Lan­des­be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes Baden-Würt­tem­berg (LBeamtVG­BW) sind die nicht abge­senk­ten Dienst­be­zü­ge.

Die Vor­schrift geht auf § 1a des Lan­des­son­der­zah­lungs­ge­set­zes (LSZG) in der Fas­sung des Haus­halts­struk­tur­ge­set­zes 2005 vom 01.03.2005 4 zurück. Hier­nach erhiel­ten Beam­te und Rich­ter, für die nach dem 31.12.2004 ein Anspruch auf Dienst­be­zü­ge aus einem Ein­gang­samt der Besol­dungs­grup­pen A 12 und höher, der Besol­dungs­grup­pe R 1 oder aus einem Amt der Besol­dungs­grup­pe W 1 ent­stan­den war, für die Dau­er von drei Jah­ren nach Ent­ste­hen des Anspruchs kei­ne Son­der­zah­lun­gen. Deren Höhe betrug zuletzt monat­lich 5, 33 % des Grund­ge­halts zuzüg­lich 7, 19 % des Fami­li­en­zu­schlags (§ 5 Abs. 2 LSZG).

Das Lan­des­son­der­zah­lungs­ge­setz wur­de mit Wir­kung vom 01.01.2008 durch das Gesetz zur Inte­gra­ti­on der Son­der­zah­lun­gen und zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung 2008 und zur Ände­rung wei­te­rer Rechts­vor­schrif­ten (BV AnpG 2008) vom 11.12.2007 5 auf­ge­ho­ben. Die durch Art. 4 Nr. 1, Art. 6 Abs. 4 des Haus­halts­struk­tur­ge­set­zes 2007 vom 12.02.2007 6 eben­falls mit Wir­kung vom 01.01.2008 bereits beschlos­se­ne Redu­zie­rung des Grund­be­trags der Son­der­zah­lung in § 5 LSZG von 5, 33 % auf 4, 17 % des Grund­ge­halts trat somit fak­tisch nicht mehr in Kraft. Zugleich mit der Auf­he­bung des Lan­des­son­der­zah­lungs­ge­set­zes wur­den im Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz Baden-Würt­tem­berg durch Art. 1 § 3 Abs. 1 BV AnpG 2008 die Grund­ge­halts­sät­ze um 4, 17 % und der Fami­li­en­zu­schlag um 7, 19 % erhöht. Art. 2 BV AnpG 2008 füg­te einen § 3a in das Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz Baden-Würt­tem­berg ein, wonach bei Beam­tin­nen, Beam­ten, Rich­te­rin­nen und Rich­tern, für die nach dem 31.12.2004 ein Anspruch auf Dienst­be­zü­ge aus einem Ein­gang­samt der Besol­dungs­grup­pe A 12 und höher, der Besol­dungs­grup­pe R 1 oder aus einem Amt der Besol­dungs­grup­pe W 1 ent­stan­den war, für die Dau­er von drei Jah­ren nach Ent­ste­hen des Anspruchs die jewei­li­gen Grund­ge­häl­ter und Amts­zu­la­gen um 4, 0 % abzu­sen­ken sei­en.

Mit dem Gesetz zur Reform des öffent­li­chen Dienst­rechts (Dienst­rechts­re­form­ge­setz – DRG) vom 09.11.2010 7 wur­de das Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz Baden-Würt­tem­berg neu gefasst. Dabei kam es auch zur Ein­füh­rung eines Besol­dungs­sys­tems nach Erfah­rungs­stu­fen. Die Rege­lun­gen des § 3a LBe­s­G­BW a.F. fan­den sich nun­mehr inhalt­lich unver­än­dert in § 23 LBe­s­G­BW n.F. wie­der. Sei­ne hier vor­ge­leg­te Fas­sung erhielt § 23 LBe­s­G­BW durch Art. 5 Nr. 1 des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 2013/​14 vom 18.12.2012 8. Die­ser bezog wei­te­re Besol­dungs­grup­pen in den Anwen­dungs­be­reich der Norm ein und erhöh­te den Absen­kungs­be­trag in Bezug auf die bereits betrof­fe­nen Besol­dungs­grup­pen von vier auf acht Pro­zent. Die­se sowie ande­re kos­ten­sen­ken­de Maß­nah­men im Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz Baden-Würt­tem­berg und in ande­ren Vor­schrif­ten wie etwa der Bei­hil­fe­ver­ord­nung erfolg­ten aus­weis­lich der Begrün­dung des Ent­wurfs zum Haus­halts­be­gleit­ge­setz 2013/​14 ins­be­son­de­re mit dem Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung 9. Durch Art. 2 Nr. 1, Art. 11 Abs. 2 des Geset­zes über die Anpas­sung von Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­gen in Baden-Würt­tem­berg 2017/​2018 10 vom 07.11.2017 11 ist § 23 LBe­s­G­BW mit Wir­kung vom 01.01.2018 auf­ge­ho­ben wor­den.

Die Rich­ter­vor­la­ge des Ver­wal­tungs­ge­richts Karls­ru­he[↑]

Der Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens ist seit dem Jahr 2013 – zunächst als Staats­an­walt, spä­ter als Rich­ter – im Dienst des Lan­des Baden-Würt­tem­berg tätig. Er erhielt auf der Grund­la­ge des § 23 Abs. 1 LBe­s­G­BW für drei Jah­re eine um acht Pro­zent redu­zier­te Besol­dung nach der Besol­dungs­grup­pe R 1. Hier­ge­gen erhob er nach erfolg­lo­ser Durch­füh­rung des Wider­spruchs­ver­fah­rens Kla­ge beim Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, mit der er die rück­wir­ken­de Zah­lung der vol­len, sich aus der Besol­dungs­ta­bel­le erge­ben­den Besol­dung, hilfs­wei­se die Fest­stel­lung begehrt, dass die Absen­kung sei­ner Besol­dung mit Art. 33 Abs. 5 GG und Art. 3 GG unver­ein­bar war.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he 3 hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Ent­schei­dung der Fra­ge vor­ge­legt, ob § 23 Abs. 1 LBe­s­G­BW in der Fas­sung des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 2013/​14 ver­fas­sungs­kon­form ist, soweit sich die­se Vor­schrift auf Rich­ter mit Anspruch auf Dienst­be­zü­ge aus einem Ein­gang­samt der Besol­dungs­grup­pe R 1 bezieht. Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts ist die vor­ge­leg­te Fas­sung des § 23 Abs. 1 LBe­s­G­BW ent­schei­dungs­er­heb­lich und mit Art. 33 Abs. 5 GG unver­ein­bar. Die Rege­lung grei­fe jeden­falls seit der Anhe­bung des Absen­kungs­be­trags auf acht Pro­zent der Dienst­be­zü­ge in den ver­fas­sungs­recht­lich geschul­de­ten Kern­be­stand der Ali­men­ta­ti­on ein und beein­träch­ti­ge den Grund­satz der ämter­be­zo­ge­nen glei­chen Besol­dung. Seit­her kön­ne der in der Recht­spre­chung bis­wei­len ange­nom­me­ne wir­kungs­glei­che Zusam­men­hang der Absen­kungs­re­ge­lung mit dem zuvor bestehen­den und ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­den Aus­schluss von der Leis­tung einer Son­der­zah­lung offen­sicht­lich nicht mehr her­ge­stellt wer­den. Ein sach­li­cher Recht­fer­ti­gungs­grund sei nicht erkenn­bar. Weder feh­len­de dienst­li­che Erfah­rung der betrof­fe­nen Beam­ten und Rich­ter noch die Dau­er der Zuge­hö­rig­keit zum öffent­li­chen Dienst in Baden-Würt­tem­berg oder fis­ka­li­sche Erwä­gun­gen könn­ten die Besol­dungs­ab­sen­kung recht­fer­ti­gen. Die­ser Wer­tung ste­he der Beschluss des Vor­prü­fungs­aus­schus­ses des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 15.01.1985 – 2 BvR 1148/​84 nicht ent­ge­gen. Mit die­sem sei­en zwar meh­re­re Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen den mit der vor­ge­leg­ten Norm ver­gleich­ba­ren § 19a des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes in der Fas­sung des Art. 30 Nr. 1 des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 1984 vom 22.12.1983 12 wegen Feh­lens hin­rei­chen­der Erfolgs­aus­sich­ten nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men wor­den. Die­sem Nicht­an­nah­me­be­schluss kom­me jedoch kei­ne Bin­dungs­wir­kung nach § 31 Abs. 1 BVerfGG zu. Im Übri­gen sei die ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­ge­stel­lung seit­dem wegen der Umstel­lung des Besol­dungs­sys­tems auf ein Modell der Erfah­rungs­stu­fen und wegen der Fort­ent­wick­lung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­be durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt neu auf­ge­wor­fen wor­den.

Zuläs­sig­keit der Rich­ter­vor­la­ge[↑]

Die Vor­la­ge ist zuläs­sig.

Der Vor­la­ge­be­schluss wird den Anfor­de­run­gen aus Art. 100 Abs. 1 GG und § 80 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG gerecht. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Norm her­aus­ge­ar­bei­tet und sei­ne Auf­fas­sung von deren Ver­fas­sungs­wid­rig­keit mit den vor­ge­nann­ten Grün­den in hin­rei­chen­der Aus­ein­an­der­set­zung mit der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt 13. Dabei durf­te es dahin­ge­stellt las­sen, ob die bis zum 31.12.2012 wirk­sa­me Absen­kung der Besol­dung um vier Pro­zent den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genüg­te. Die Ansicht der baden-würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­re­gie­rung, wonach das Ver­wal­tungs­ge­richt ver­pflich­tet gewe­sen wäre, allein die Erhö­hung des Absen­kungs­be­tra­ges durch Art. 5 Nr. 1 des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 2013/​14 zur ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Prü­fung zu stel­len, da es hin­sicht­lich des ursprüng­li­chen Wer­tes kei­ne hin­rei­chen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken zu erken­nen gege­ben habe, über­zeugt nicht. Das nach Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­zu­le­gen­de Gesetz, auf des­sen Gül­tig­keit es bei der Ent­schei­dung ankommt, ist vor­lie­gend § 23 Abs. 1 LBe­s­G­BW in der ab dem 1.01.2013 maß­geb­li­chen Fas­sung. Die­se Vor­schrift ist für die Ent­schei­dung des Aus­gangs­fal­les direkt her­an­zu­zie­hen. Das Ände­rungs­ge­setz ist inso­fern allen­falls mit­tel­bar bedeut­sam, da des­sen Wirk­sam­keit Grund­vor­aus­set­zung für die Wirk­sam­keit der streit­ent­schei­den­den Norm­fas­sung ist. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Vor­la­ge ledig­lich mit­tel­bar bedeut­sa­mer Vor­schrif­ten zwar in beson­de­ren Ein­zel­fäl­len – wie etwa bei der Vor­la­ge der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für eine als sol­che nicht vor­la­ge­fä­hi­ge Ver­ord­nungs­re­ge­lung – zuge­las­sen 14. Dar­um geht es vor­lie­gend aber nicht, da § 23 Abs. 1 LBe­s­G­BW eigen­stän­dig vor­la­ge­fä­hig ist. Weder das von der Lan­des­re­gie­rung sinn­ge­mäß ange­führ­te Prin­zip der größt­mög­li­chen Norm­er­hal­tung, wel­ches als rechts­fol­gen­be­zo­ge­ner Grund­satz direkt nur den Umfang der Nich­tig­erklä­rung einer bereits vor­ge­leg­ten Norm durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt betrifft 15, noch sons­ti­ge ver­fas­sungs­recht­li­che Grün­de ver­pflich­ten die Fach­ge­rich­te aber, die Aus­wahl der vor­zu­le­gen­den Norm abwei­chend vom Grund­satz des Art. 100 Abs. 1 Satz 1 GG am poten­ti­el­len Inter­es­se des jeweils betrof­fe­nen Gesetz­ge­bers aus­zu­rich­ten.

Der Umstand, dass § 23 LBe­s­G­BW zum 1.01.2018 auf­ge­ho­ben wor­den ist, steht der Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Norm nicht ent­ge­gen, da die­se für den im Aus­gangs­ver­fah­ren rele­van­ten Zeit­raum wei­ter­hin maß­geb­lich ist.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

§ 23 LBe­s­G­BW in der Fas­sung des Art. 5 Nr. 1 des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 2013/​14 vom 18.12..12.2012 (im Fol­gen­den: § 23 LBe­s­G­BW) ist mit Art. 33 Abs. 5 GG in Ver­bin­dung mit Art. 3 Abs. 1 GG unver­ein­bar und nich­tig. Die Vor­schrift steht mit den Anfor­de­run­gen des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips und des hier­aus abge­lei­te­ten Prin­zips der Besol­dungs­gleich­heit nicht im Ein­klang. Zwar kommt dem Besol­dungs­ge­setz­ge­ber grund­sätz­lich ein wei­ter Gestal­tungs­spiel­raum zu. Des­sen Gren­zen wur­den hier jedoch über­schrit­ten.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat vor­lie­gend nur einen Teil der Rege­lung für ver­fas­sungs­wid­rig gehal­ten und zur Über­prü­fung gestellt. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist jedoch befugt, die Vor­la­ge­fra­ge zu prä­zi­sie­ren und klar­zu­stel­len; die Rechts­fra­ge kann begrenzt, erwei­tert, aus­ge­dehnt oder umge­deu­tet wer­den 16. Vor­lie­gend betrifft die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit nicht nur die Besol­dung von Rich­tern, die der Besol­dungs­grup­pe R 1 zuge­ord­net sind, son­dern alle von § 23 Abs. 1 LBe­s­G­BW erfass­ten Besol­dungs­grup­pen. § 23 Abs. 2 bis 5 LBe­s­G­BW neh­men inhalt­lich auf Abs. 1 der Vor­schrift Bezug, sodass auch die­se zur Klar­stel­lung der Auf­he­bung unter­lie­gen.

Anfor­de­run­gen des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips[↑]

Nach Art. 33 Abs. 5 GG ist das Recht des öffent­li­chen Diens­tes unter Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums zu regeln und fort­zu­ent­wi­ckeln. Mit den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG ist der Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en gemeint, die all­ge­mein oder doch ganz über­wie­gend wäh­rend eines län­ge­ren, tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums, ins­be­son­de­re unter der Reichs­ver­fas­sung von Wei­mar, als ver­bind­lich aner­kannt und gewahrt wor­den sind 17. Art. 33 Abs. 5 GG ist unmit­tel­bar gel­ten­des Recht und ent­hält einen Rege­lungs­auf­trag an den Gesetz­ge­ber sowie eine insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums 18. Die Vor­schrift fin­det auch auf die Besol­dung von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten Anwen­dung 19.

Bezugs­punkt der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze von Art. 33 Abs. 5 GG ist nicht das gewach­se­ne Beam­ten­recht, son­dern das Berufs­be­am­ten­tum 20. In ihrem Bestand geschützt sind daher nur die­je­ni­gen Rege­lun­gen, die das Bild des Berufs­be­am­ten­tums in sei­ner über­kom­me­nen Gestalt maß­geb­lich prä­gen, sodass ihre Besei­ti­gung das Berufs­be­am­ten­tum als sol­ches antas­ten wür­de 21. Die­ses Erfor­der­nis der Sub­stan­zia­li­tät ergibt sich bereits aus dem Wesen einer insti­tu­tio­nel­len Garan­tie, deren Sinn gera­de dar­in liegt, den Kern­be­stand der Struk­tur­prin­zi­pi­en, mit­hin die Grund­sät­ze, die nicht hin­weg­ge­dacht wer­den kön­nen, ohne dass damit zugleich die Ein­rich­tung selbst in ihrem Cha­rak­ter grund­le­gend ver­än­dert wür­de, dem gestal­ten­den Gesetz­ge­ber ver­bind­lich als Rah­men vor­zu­ge­ben. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat dies mit der For­mu­lie­rung zum Aus­druck gebracht, dass Art. 33 Abs. 5 GG bei die­sen Grund­sät­zen nicht nur Berück­sich­ti­gung, son­dern auch Beach­tung ver­langt 22. Dem­ge­gen­über steht Art. 33 Abs. 5 GG einer Wei­ter­ent­wick­lung des Beam­ten­rechts nicht ent­ge­gen, solan­ge eine struk­tu­rel­le Ver­än­de­rung an den für Erschei­nungs­bild und Funk­ti­on des Berufs­be­am­ten­tums wesent­li­chen Rege­lun­gen nicht vor­ge­nom­men wird 23. In der Pflicht zur Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze ist eine Ent­wick­lungs­of­fen­heit ange­legt, die den Gesetz­ge­ber in die Lage ver­setzt, die Aus­ge­stal­tung des Dienst­rechts den jewei­li­gen Ent­wick­lun­gen der Staat­lich­keit anzu­pas­sen und das Beam­ten­recht damit in die Zeit zu stel­len. Die Struk­tur­ent­schei­dung des Art. 33 Abs. 5 GG belässt aus­rei­chend Raum, die geschicht­lich gewach­se­ne Insti­tu­ti­on in den Rah­men unse­res heu­ti­gen Staats­le­bens ein­zu­fü­gen 24 und den Funk­tio­nen anzu­pas­sen, die das Grund­ge­setz dem öffent­li­chen Dienst in der frei­heit­li­chen, rechts- und sozi­al­staat­li­chen Demo­kra­tie zuschreibt 25.

Das zu den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen zäh­len­de Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­pflich­tet den Dienst­herrn, die Beam­tin­nen und Beam­ten sowie ihre Fami­li­en lebens­lang ange­mes­sen zu ali­men­tie­ren und ihnen nach ihrem Dienst­rang, nach der mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren. Damit wird der Bezug der Besol­dung sowohl zu der Ein­kom­mens- und Aus­ga­ben­si­tua­ti­on der Gesamt­be­völ­ke­rung als auch zur Lage der Staats­fi­nan­zen, das heißt zu der sich in der Situa­ti­on der öffent­li­chen Haus­hal­te aus­drü­cken­den Leis­tungs­fä­hig­keit des Dienst­herrn, her­ge­stellt 26. Im Rah­men die­ser Ver­pflich­tung hat der Gesetz­ge­ber die Attrak­ti­vi­tät des Beam­ten­ver­hält­nis­ses für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te, das Anse­hen des Amtes in den Augen der Gesell­schaft, die Ver­ant­wor­tung des Amtes sowie die von Amts­in­ha­bern gefor­der­te Aus­bil­dung und ihre Bean­spru­chung zu berück­sich­ti­gen. Durch die Anknüp­fung der Ali­men­ta­ti­on an inner­dienst­li­che, unmit­tel­bar amts­be­zo­ge­ne Kri­te­ri­en wie den Dienst­rang soll sicher­ge­stellt wer­den, dass die Bezü­ge ent­spre­chend der unter­schied­li­chen Wer­tig­keit der Ämter abge­stuft sind. Daher bestimmt sich die Amts­an­ge­mes­sen­heit auch im Ver­hält­nis zur Besol­dung und Ver­sor­gung ande­rer Beam­ten­grup­pen. Gleich­zei­tig kommt dar­in zum Aus­druck, dass jedem Amt eine Wer­tig­keit imma­nent ist, die sich in der Besol­dungs­hö­he wider­spie­geln muss. Die Wer­tig­keit wird ins­be­son­de­re durch die Ver­ant­wor­tung des Amtes und die Inan­spruch­nah­me des Amts­in­ha­bers bestimmt. Die "amts"-angemessene Besol­dung ist not­wen­di­ger­wei­se eine abge­stuf­te Besol­dung 27.

Prin­zip der Besol­dungs­gleich­heit[↑]

Die Rege­lung der Bezü­ge ist auch an den Gleich­heits­satz gebun­den 28. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung gebie­tet der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz dem Gesetz­ge­ber, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln 29. Er ver­bie­tet unglei­che Belas­tun­gen eben­so wie unglei­che Begüns­ti­gun­gen 30. In Ver­bin­dung mit dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip folgt aus Art. 3 Abs. 1 GG fer­ner, dass für glei­che und ver­gleich­ba­re Ämter der­sel­ben Lauf­bahn im Hin­blick auf die vom Trä­ger des öffent­li­chen Amtes gefor­der­te glei­che Tätig­keit, glei­che Leis­tung, glei­che Ver­ant­wor­tung und glei­che Arbeits­last auch glei­che Besol­dung gewährt wird 31.

Gestal­tungs­spiel­raum des Besol­dungs­ge­setz­ge­bers[↑]

Bei dem Erlass besol­dungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten hat der Gesetz­ge­ber eine ver­hält­nis­mä­ßig wei­te Gestal­tungs­frei­heit 32. Dies gilt sowohl mit Blick auf Art. 33 Abs. 5 GG als auch hin­sicht­lich Art. 3 Abs. 1 GG 33. Wegen die­ses wei­ten Spiel­raums poli­ti­schen Ermes­sens, inner­halb des­sen er das Besol­dungs­recht den tat­säch­li­chen Not­wen­dig­kei­ten und der fort­schrei­ten­den Ent­wick­lung anpas­sen und ver­schie­den­ar­ti­ge Gesichts­punk­te berück­sich­ti­gen darf, über­prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht, ob der Gesetz­ge­ber die gerech­tes­te, zweck­mä­ßigs­te und ver­nünf­tigs­te Lösung gewählt hat 34. Es kann, sofern nicht von der Ver­fas­sung selbst getrof­fe­ne Wer­tun­gen ent­ge­gen­ste­hen, nur die Über­schrei­tung äußers­ter Gren­zen bean­stan­den, jen­seits derer sich gesetz­li­che Vor­schrif­ten bei der Abgren­zung von Lebens­sach­ver­hal­ten als evi­dent sach­wid­rig erwei­sen 35. Jede Besol­dungs­ord­nung ent­hält unver­meid­ba­re Här­ten und mag aus Sicht der Betrof­fe­nen frag­wür­dig sein. Sol­che Uneben­hei­ten, Frik­tio­nen und Män­gel müs­sen in Kauf genom­men wer­den, solan­ge sich für die Rege­lung ein plau­si­bler und sach­lich ver­tret­ba­rer Grund anfüh­ren lässt 36.

Über­wäl­zung von Spar­las­ten auf die Beam­ten[↑]

Was die Mög­lich­keit anbe­langt, den Beam­tin­nen und Beam­ten Spar­las­ten auf­zu­bür­den, ist nicht nur auf den bereits oben zitier­ten grund­sätz­li­chen "Bezug der Besol­dung […] auch zur Lage der Staats­fi­nan­zen" hin­zu­wei­sen 37. Der Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on als Teil der mit den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen ver­bun­de­nen insti­tu­tio­nel­len Garan­tie des Art. 33 Abs. 5 GG ist, soweit er mit ande­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Wert­ent­schei­dun­gen oder Insti­tu­ten kol­li­diert, ent­spre­chend dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz im Wege der Abwä­gung zu einem scho­nen­den Aus­gleich zu brin­gen 38. Das gilt nament­lich für das Ver­bot der Neu­ver­schul­dung in Art. 109 Abs. 3 Satz 1 GG 39. Der in Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG ange­leg­ten Vor­wir­kung des Ver­bots der struk­tu­rel­len Net­to­kre­dit­auf­nah­me hat der Haus­halts­ge­setz­ge­ber auch bei der Anpas­sung der Bezü­ge der Beam­ten Rech­nung zu tra­gen. Unge­ach­tet der Ver­schär­fung der Regeln für die Kre­dit­auf­nah­me durch die Neu­fas­sung des Art. 109 Abs. 3 GG 40 ver­mö­gen indes allein die Finanz­la­ge der öffent­li­chen Haus­hal­te oder das Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung den Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung nicht ein­zu­schrän­ken. Andern­falls lie­fe die Schutz­funk­ti­on des Art. 33 Abs. 5 GG ins Lee­re 41. Auch das beson­de­re Treue­ver­hält­nis ver­pflich­tet Beam­te nicht dazu, stär­ker als ande­re zur Kon­so­li­die­rung öffent­li­cher Haus­hal­te bei­zu­tra­gen. Eine Ein­schrän­kung des Grund­sat­zes der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung aus rein finan­zi­el­len Grün­den kann zur Bewäl­ti­gung einer der in Art. 109 Abs. 3 Satz 2 GG genann­ten Aus­nah­me­si­tua­tio­nen nur in Ansatz gebracht wer­den, wenn die betref­fen­de gesetz­ge­be­ri­sche Maß­nah­me aus­weis­lich einer aus­sa­ge­kräf­ti­gen Begrün­dung in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en Teil eines schlüs­si­gen und umfas­sen­den Kon­zepts der Haus­halts­kon­so­li­die­rung ist 42. Vor dem Hin­ter­grund der Wer­tun­gen des Art. 3 Abs. 1 GG ist das not­wen­di­ge Spar­vo­lu­men dabei gleich­heits­ge­recht zu erwirt­schaf­ten.

Ver­fah­rens­an­for­de­run­gen bei der Fest­le­gung der Besol­dungs­hö­he[↑]

Die Fest­le­gung der Besol­dungs­hö­he durch den Gesetz­ge­ber ist zudem an die Ein­hal­tung pro­ze­du­ra­ler Anfor­de­run­gen geknüpft. Die­se tre­ten als "zwei­te Säu­le" des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips neben sei­ne auf eine Evi­denz­kon­trol­le beschränk­te mate­ri­el­le Dimen­si­on und die­nen sei­ner Flan­kie­rung, Absi­che­rung und Ver­stär­kung 43.

Zwar schul­det der Gesetz­ge­ber nach über­kom­me­ner Auf­fas­sung von Ver­fas­sungs wegen grund­sätz­lich nur ein wirk­sa­mes Gesetz. Da aber das grund­rechts­glei­che Recht auf Gewäh­rung einer amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on kei­ne quan­ti­fi­zier­ba­ren Vor­ga­ben im Sin­ne einer exak­ten Besol­dungs­hö­he lie­fert, bedarf es pro­ze­du­ra­ler Siche­run­gen, damit die ver­fas­sungs­recht­li­che Gestal­tungs­di­rek­ti­ve des Art. 33 Abs. 5 GG auch tat­säch­lich ein­ge­hal­ten wird 44. Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist der Gesetz­ge­ber daher gehal­ten, bereits im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren die Fort­schrei­bung der Besol­dungs­hö­he zu begrün­den. Die Ermitt­lung und Abwä­gung der berück­sich­tig­ten und berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Bestim­mungs­fak­to­ren für den ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Umfang der Anpas­sung der Besol­dung müs­sen sich in einer ent­spre­chen­den Dar­le­gung und Begrün­dung im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren nie­der­schla­gen. Eine blo­ße Begründ­bar­keit genügt den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen der Pro­ze­du­ra­li­sie­rung nicht. Der mit der Aus­gleichs­funk­ti­on der Pro­ze­du­ra­li­sie­rung ange­streb­te Ratio­na­li­täts­ge­winn kann – auch mit Blick auf die Ermög­li­chung von Rechts­schutz – effek­tiv nur erreicht wer­den, wenn die erfor­der­li­chen Sach­ver­halts­er­mitt­lun­gen vor­ab erfol­gen und dann in der Geset­zes­be­grün­dung doku­men­tiert wer­den. Die Pro­ze­du­ra­li­sie­rung zielt auf die Her­stel­lung von Ent­schei­dun­gen und nicht auf ihre Dar­stel­lung, das heißt nach­träg­li­che Begrün­dung 45.

Die­se Anfor­de­run­gen gel­ten umso mehr bei der Umge­stal­tung der Besol­dungs­struk­tur, da eine sol­che in viel stär­ke­rem Maße als eine Besol­dungs­fort­schrei­bung mit Unsi­cher­hei­ten behaf­tet und für Pro­gno­se­irr­tü­mer anfäl­lig ist 46. Der Gesetz­ge­ber muss sich die tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen der Neu­re­ge­lung für die von der Vor­schrift betrof­fe­nen Beam­tin­nen und Beam­ten ver­ge­gen­wär­ti­gen und auf die­ser Grund­la­ge erwä­gen, ob die Ali­men­ta­ti­on (wei­ter­hin) den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen ent­spricht. Hier­bei hat er nicht nur die eigent­li­che Besol­dung in den Blick zu neh­men. Zu berück­sich­ti­gen sind viel­mehr etwa auch Ent­wick­lun­gen bei der Bei­hil­fe und der Ver­sor­gung 47. Trifft der Gesetz­ge­ber zur Redu­zie­rung der Staats­aus­ga­ben meh­re­re Maß­nah­men in die­sen Berei­chen in engem zeit­li­chem Zusam­men­hang, hat er sich mit den hier­aus fol­gen­den Gesamt­wir­kun­gen für die Beam­tin­nen und Beam­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen. Inso­fern ergän­zen die pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen die oben genann­ten Vor­ga­ben hin­sicht­lich eines schlüs­si­gen und umfas­sen­den Kon­zepts der Haus­halts­kon­so­li­die­rung.

Besol­dungs­ab­sen­kung ver­letzt das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip[↑]

§ 23 LBe­s­G­BW beein­träch­tigt Art. 33 Abs. 5 GG in Ver­bin­dung mit Art. 3 Abs. 1 GG. Ein sach­li­cher Grund hier­für ist nicht zu erken­nen. Dar­über hin­aus hat der baden-würt­tem­ber­gi­sche Lan­des­ge­setz­ge­ber die hier ein­zu­hal­ten­den pro­ze­du­ra­len Vor­aus­set­zun­gen miss­ach­tet.

Der Anwen­dung der auf­ge­zeig­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­be steht nicht ent­ge­gen, dass die Absen­kung der Besol­dung ursprüng­lich an die Stel­le des Aus­schlus­ses bestimm­ter Besol­dungs­grup­pen von der Leis­tung einer Son­der­zah­lung getre­ten ist. Zwar trifft es zu, dass Art. 33 Abs. 5 GG eine sol­che Zuwen­dung nicht garan­tiert und dass für deren Ver­weh­rung daher weni­ger stren­ge Anfor­de­run­gen gel­ten 48. Das Argu­ment, wonach die Besol­dungs­ab­sen­kung den bis­he­ri­gen Aus­schluss von der Son­der­zah­lung ledig­lich wir­kungs­gleich fort­set­ze 49, basiert jedoch auf einer rein wirt­schaft­li­chen Betrach­tung. Die­se ändert nichts dar­an, dass die Son­der­zah­lung seit ihrer Inte­gra­ti­on in das Grund­ge­halt durch das Gesetz zur Inte­gra­ti­on der Son­der­zah­lun­gen und zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung 2008 als eigen­stän­di­ger Besol­dungs­be­stand­teil nicht mehr exis­tiert 50. Auch wenn sich die Besol­dungs­hö­he der sei­ner­zeit betrof­fe­nen Beam­ten und Rich­ter durch die Umstel­lung nicht ver­rin­gert haben mag, ist kein Grund ersicht­lich, sie wei­ter­hin nur teil­wei­se den stren­ge­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­ben zu unter­stel­len. Dies gilt erst recht für Per­so­nen, die erst nach der Umstel­lung in den Lan­des­dienst ein­ge­tre­ten sind.

§ 23 LBe­s­G­BW weicht von der oben aus dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip her­ge­lei­te­ten Maß­ga­be ab, wonach die Besol­dungs­hö­he nach inner­dienst­li­chen, unmit­tel­bar amts­be­zo­ge­nen Kri­te­ri­en zu bemes­sen ist. Maß­geb­lich für die Anwend­bar­keit der Vor­schrift ist – von Über­gangs- und Anrech­nungs­be­stim­mun­gen abge­se­hen – allein der erst­ma­li­ge Ein­tritt in den baden-würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­dienst. Hier­von sind auch Beam­te und Rich­ter betrof­fen, die vom Bund oder einem ande­ren Land nach Baden-Würt­tem­berg wech­seln. Die­sen Per­so­nen lässt der Lan­des­ge­setz­ge­ber für die Dau­er von bis zu drei Jah­ren nicht die Besol­dung zukom­men, die er selbst durch die Fest­schrei­bung in der Besol­dungs­ta­bel­le als für das jewei­li­ge Amt ange­mes­sen erach­tet hat.

Die vor­ge­leg­te Vor­schrift wird auch den Anfor­de­run­gen des Gebots der Besol­dungs­gleich­heit aus Art. 33 Abs. 5 GG in Ver­bin­dung mit Art. 3 Abs. 1 GG nicht gerecht. Die Ungleich­be­hand­lung liegt dar­in begrün­det, dass die Absen­kungs­maß­nah­me nur einen Teil der Beam­ten- und Rich­ter­schaft trifft. Von der Rege­lung aus­ge­nom­men sind die Besol­dungs­grup­pen bis ein­schließ­lich A 8, die Beför­de­rungs­äm­ter in den höhe­ren Besol­dungs­grup­pen und die Besol­dungs­grup­pen ab R 2 bezie­hungs­wei­se W 2. Der Aus­schluss der zuletzt genann­ten Grup­pen erklärt sich nicht dadurch, dass die Norm dies­be­züg­lich kei­ne Anwen­dungs­fäl­le hät­te. Sol­che sind durch­aus denk­bar. Zwar dürf­te die Beför­de­rung eines Beam­ten oder die Über­tra­gung eines höher als mit R 1 bewer­te­ten Amtes an Rich­ter in deren ers­ten drei Dienst­jah­ren im All­ge­mei­nen nicht in Betracht kom­men. Mög­lich ist aber die Beset­zung eines sol­chen Pos­tens mit einem dienst­er­fah­re­nen Bewer­ber aus dem Bun­des­dienst oder aus einem ande­ren Land. Die Beset­zung von mit W 2 oder W 3 bewer­te­ten Stel­len dürf­te sogar regel­mä­ßig mit Bewer­bern erfol­gen, die noch in kei­nem Dienst­ver­hält­nis zum Land Baden-Würt­tem­berg ste­hen. Die Aus­schrei­bung etwa einer W 2- oder W 3‑Professur erreicht in aller Regel ein bun­des­wei­tes Bewer­ber­feld. Der Gleich­heits­satz ist dar­über hin­aus dadurch beein­träch­tigt, dass die Maß­nah­me nicht alle Stel­len­in­ha­ber der­sel­ben Besol­dungs­grup­pe betrifft. Nament­lich bei Norm­er­lass bereits im Dienst befind­li­che Beam­te und Rich­ter wer­den von der Norm nicht oder nur mit einer gerin­ge­ren Absen­kung erfasst. Es kommt also bei glei­cher Ämter­be­wer­tung zu einer unter­schied­li­chen Besol­dung der Stel­len­in­ha­ber.

Die vor­ste­hen­den Beein­träch­ti­gun­gen las­sen sich durch sach­li­che Grün­de nicht recht­fer­ti­gen.

Das im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren für das Haus­halts­be­gleit­ge­setz 2013/​14 ange­führ­te Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung 51 trägt die durch das Gesetz bewirk­te, hier zur Prü­fung gestell­te Fas­sung des § 23 LBe­s­G­BW nicht. Ein schlüs­si­ges und umfas­sen­des Kon­zept der Haus­halts­kon­so­li­die­rung, wel­ches nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für die Belas­tung der Beam­ten- und Rich­ter­schaft mit Spar­maß­nah­men ist und das anhand einer aus­sa­ge­kräf­ti­gen Begrün­dung in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en erkenn­bar wer­den muss, fehlt. Ein sol­ches Kon­zept setzt wenigs­tens die Defi­ni­ti­on eines ange­streb­ten Spar­ziels sowie die nach­voll­zieh­ba­re Aus­wahl der zu des­sen Errei­chung erfor­der­li­chen Maß­nah­men vor­aus. Die­sen Anfor­de­run­gen wird das Haus­halts­be­gleit­ge­setz 2013/​14 nicht gerecht.

Unklar ist zunächst, wel­ches Ein­spar­vo­lu­men zur Kon­so­li­die­rung des Haus­halts für erfor­der­lich gehal­ten wird. Zwar bleibt es der poli­ti­schen Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers über­las­sen, in wel­cher Grö­ßen­ord­nung Ein­spa­run­gen erfol­gen sol­len. Ohne eine Anga­be hier­zu lässt sich eine Aus­sa­ge ins­be­son­de­re zur Schlüs­sig­keit der vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men aber nicht tref­fen. Hin­sicht­lich der hier ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Norm wird bei­spiel­wei­se nicht klar, ob bei Erlass des Geset­zes über­haupt ein klar bezif­fer­tes Spar­ziel for­mu­liert war und wel­chen Anteil die Absen­kung der Besol­dung an den ins­ge­samt not­wen­di­gen Kür­zungs­maß­nah­men letzt­lich hat; die Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs lässt ledig­lich erken­nen, wel­ches Spar­vo­lu­men vor­aus­sicht­lich erreich­bar sein wer­de. Auch wenn sich die Absen­kung mit den ande­ren im Haus­halts­be­gleit­ge­setz 2013/​14 vor­ge­se­he­nen Rege­lun­gen ins Ver­hält­nis set­zen lässt, schwei­gen die Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en dar­über, ob die Haus­halts­kon­so­li­die­rung noch wei­te­re Maß­nah­men erfor­dert oder ob die vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men das eigent­li­che Spar­ziel bereits über­schrei­ten.

Dar­über hin­aus lässt sich die Aus­wahl der zur Ein­spa­rung ergrif­fe­nen Mit­tel nicht nach­voll­zie­hen. Das Haus­halts­be­gleit­ge­setz 2013/​14 sieht neben der Ein­füh­rung einer "Schul­den­brem­se" in die Lan­des­haus­halts­ord­nung (Art. 10 des Geset­zes) eine Rei­he wei­te­rer Spar­maß­nah­men vor. Die­se ste­hen aber auch unter Her­an­zie­hung der Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en 52 ledig­lich unver­bun­den neben­ein­an­der. Hin­sicht­lich der Aus­wahl der getrof­fe­nen Rege­lun­gen all­ge­mein stellt der Gesetz­ent­wurf ledig­lich pau­schal fest, grund­sätz­lich wären auch ande­re Maß­nah­men denk­bar gewe­sen, die Lan­des­re­gie­rung habe sich aber für die vor­lie­gen­den Maß­nah­men ent­schie­den 53. In Bezug auf die für die Beam­ten und Rich­ter bedeut­sa­men Rege­lun­gen der Besol­dung, Ver­sor­gung und Bei­hil­fe heißt es, die Lan­des­re­gie­rung sei sich durch­aus bewusst, dass die Beam­ten und Rich­ter in der Ver­gan­gen­heit bereits erheb­li­che Kon­so­li­die­rungs­bei­trä­ge erbracht hät­ten. Im Hin­blick auf die jetzt im Grund­ge­setz ver­an­ker­te Schul­den­brem­se kön­ne bei einem Per­so­nal­kos­ten­an­teil von rund 40 Pro­zent der Beam­ten- und Rich­ter­be­reich bei Ein­spar­maß­nah­men jedoch wei­ter­hin nicht außen vor blei­ben. Auf die Sozi­al­ver­träg­lich­keit der Maß­nah­men sei geach­tet wor­den 54. Die­se ledig­lich for­mel­haf­ten Erwä­gun­gen sind zur Recht­fer­ti­gung des gesetz­ge­be­ri­schen Kon­zepts des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 2013/​14 unzu­rei­chend. Es hät­te wenigs­tens der kon­kre­ten Benen­nung der alter­na­tiv in Betracht gezo­ge­nen Mit­tel und der Grün­de bedurft, die gegen deren Anwen­dung spra­chen. Hin­sicht­lich der Sozi­al­ver­träg­lich­keit und unter Gleich­heits­ge­sichts­punk­ten wären nach­voll­zieh­ba­re Erläu­te­run­gen etwa zur Aus­wahl des von der Absen­kungs­re­ge­lung betrof­fe­nen Per­so­nen­krei­ses und dazu erfor­der­lich gewe­sen, war­um in Bezug auf die bereits von der Norm erfass­ten Beam­ten und Rich­ter gera­de eine Ver­dop­pe­lung des Absen­kungs­be­tra­ges von vier auf acht Pro­zent erfolg­te.

Zwar ist der Gesetz­ge­ber wegen des ihm unver­än­dert zuste­hen­den wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums nicht in Bezug auf jede Detail­fra­ge recht­fer­ti­gungs­pflich­tig. Mit dem vor­lie­gen­den Arti­kel­ge­setz, das sich letzt­lich als Ansamm­lung schein­bar zufäl­li­ger Ein­zel­re­ge­lun­gen dar­stellt, hat er die­sen Frei­raum indes über­dehnt. Auf die Fra­ge, ob über­haupt eine der in Art. 109 Abs. 3 Satz 2 GG genann­ten Aus­nah­me­si­tua­tio­nen vor­lag, was nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts wei­te­re Vor­aus­set­zung für die Belas­tung der Beam­ten und Rich­ter mit Spar­maß­nah­men ist, kommt es somit nicht mehr an.

Auch soweit die Lan­des­re­gie­rung im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren auf die man­geln­de Berufs­er­fah­rung der von der Norm Betrof­fe­nen hin­weist, recht­fer­tigt dies die Rege­lung nicht. Die Berufs­er­fah­rung der Beam­ten und Rich­ter hat der Lan­des­ge­setz­ge­ber durch die Ein­füh­rung der Besol­dungs­be­mes­sung nach Erfah­rungs­stu­fen durch das Gesetz zur Reform des öffent­li­chen Dienst­rechts 55 vom 09.11.2010 7 bereits berück­sich­tigt. Die ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­che Absen­kung der Besol­dung führt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Lan­des­re­gie­rung nicht zu einer zuläs­si­gen Prä­zi­sie­rung die­ses Besol­dungs­sys­tems. Die Lan­des­re­gie­rung argu­men­tiert, die Erfah­rungs­stu­fen spie­gel­ten den all­ge­mei­nen Erfah­rungs­zu­ge­winn des Beam­ten bezie­hungs­wei­se Rich­ters wider, wäh­rend die Besol­dungs­ab­sen­kung die man­geln­de Erfah­rung im kon­kret wahr­ge­nom­me­nen Amt berück­sich­ti­ge. Hier­durch recht­fer­ti­ge sich auch die Anwen­dung auf Per­so­nen, die aus einem bestehen­den Dienst­ver­hält­nis mit dem Bund oder einem ande­ren Land in den baden-würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­dienst wech­sel­ten. Die wahr­zu­neh­men­den Tätig­kei­ten vor und nach einem Dienst­her­ren­wech­sel unter­schie­den sich auch bei ver­gleich­ba­rem Funk­ti­ons­amt schon wegen der jewei­li­gen Rah­men­be­din­gun­gen (Ver­wal­tungs­struk­tu­ren, Rechts­vor­schrif­ten, Lehr­plä­ne usw.) zum Teil deut­lich. Die­ser Begrün­dungs­an­satz lässt zunächst offen, war­um die Rege­lung Beför­de­rungs­äm­ter und die Ein­gangs­äm­ter des mitt­le­ren Diens­tes nicht erfasst. Gera­de bei ers­te­ren wird dem Beam­ten eine bis­her nicht wahr­ge­nom­me­ne Auf­ga­be über­tra­gen. Unab­hän­gig hier­von lässt die Vor­schrift den Stel­len­in­ha­bern das für ihre Tätig­keit vor­ge­se­he­ne Gehalt erst mit Ver­zö­ge­rung zukom­men. Sie kommt damit der Ein­füh­rung einer indi­vi­du­el­len War­te­frist gleich. Zu einer sol­chen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits im Beschluss vom 17.01.2017 aus­ge­führt, dass die Besol­dung kein Ent­gelt für bestimm­te Dienst­leis­tun­gen des Beam­ten dar­stellt, son­dern viel­mehr ein "Kor­re­lat" des Dienst­herrn für die mit der Beru­fung in das Beam­ten­ver­hält­nis ver­bun­de­ne Pflicht des Beam­ten, unter Ein­satz sei­ner gan­zen Per­sön­lich­keit die­sem – grund­sätz­lich auf Lebens­zeit – sei­ne vol­le Arbeits­kraft zur Ver­fü­gung zu stel­len. Das wahr­ge­nom­me­ne Amt – und nicht die kon­kre­te und mög­li­cher­wei­se noch zu ver­bes­sern­de Tätig­keit – muss nach dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip Maß­stab für die Besol­dung sein 56. Die­se Erwä­gun­gen gel­ten sinn­ge­mäß auch hier.

Der Beschluss des Vor­prü­fungs­aus­schus­ses des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 15.01.1985 57 steht dem nicht ent­ge­gen. Mit die­sem war eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen § 19a des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes in der Fas­sung des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 1984 vom 22.12.1983 12 nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men wor­den. Die Vor­schrift senk­te, ver­gleich­bar mit § 23 LBe­s­G­BW, die Besol­dung in den Ein­gangs­äm­tern ab der Besol­dungs­grup­pe A 9 sowie in den Besol­dungs­grup­pen R 1 und C 1 für den Zeit­raum der ers­ten drei bezie­hungs­wei­se vier Dienst­jah­re ab. Zur Begrün­dung führ­te der Aus­schuss im Wesent­li­chen aus, von Ver­fas­sungs wegen sei es nicht zu bean­stan­den, wenn der Gesetz­ge­ber mit Blick auf die Leis­tungs­fä­hig­keit von Beam­ten auf Pro­be, bei denen es sich typi­scher­wei­se um Berufs­an­fän­ger han­de­le, die Grund­ge­halts­sät­ze in den ers­ten Jah­ren nach der Über­tra­gung des Amtes im Ver­gleich zur frü­he­ren Rechts­la­ge in der bezeich­ne­ten Wei­se absen­ke und damit die Stu­fung inner­halb der Besol­dungs­grup­pe der Ein­gangs­äm­ter der Lauf­bah­nen des geho­be­nen und des höhe­ren Diens­tes erwei­te­re und dif­fe­ren­zier­ter aus­ge­stal­te. Die­se Ent­schei­dung erging unter der Gel­tung eines nach Dienst­al­ter gestaf­fel­ten Besol­dungs­sys­tems. Jeden­falls nach der Umstel­lung der Besol­dung auf ein Sys­tem der Erfah­rungs­stu­fen kön­nen die dama­li­gen Wer­tun­gen nicht mehr her­an­ge­zo­gen wer­den. Sie sind gera­de durch die­se Umstel­lung bereits in die Besol­dungs­be­mes­sung ein­ge­flos­sen. § 23 LBe­s­G­BW stellt wie gese­hen kei­ne hin­rei­chen­de Prä­zi­sie­rung die­ses Sys­tems dar.

Soweit sich die Lan­des­re­gie­rung zur Recht­fer­ti­gung der zur Prü­fung gestell­ten Vor­schrift sinn­ge­mäß dar­auf beruft, die­se hono­rie­re eine mehr­jäh­ri­ge Zuge­hö­rig­keit des Beam­ten oder Rich­ters zum Dienst­herrn, über­zeugt dies eben­falls nicht. Das in Art. 33 Abs. 5 GG als Teil des Kern­be­stands der Struk­tur­prin­zi­pi­en ver­an­ker­te Treue­prin­zip ver­langt von den Beam­ten und Rich­tern von Beginn ihrer Tätig­keit an eine unbe­ding­te Loya­li­tät zu ihrem Dienst­herrn 58. Für Dif­fe­ren­zie­run­gen auf Ebe­ne der Besol­dung ist daher kein Raum. Soweit die Lan­des­re­gie­rung dar­auf ver­weist, dass auch die Leis­tung einer Son­der­zah­lung eine gewis­se Dienst­zu­ge­hö­rig­keit vor­aus­setz­te, wird auf die obi­gen Aus­füh­run­gen und dar­auf ver­wie­sen, dass sich eine recht­li­che Ver­bin­dung von § 23 LBe­s­G­BW zu den vor­ma­li­gen Rege­lun­gen der Son­der­zah­lun­gen nicht her­stel­len lässt.

Die Belas­tung nur eines Teils der Beam­ten- und Rich­ter­schaft kann auch nicht mit sozia­len Gesichts­punk­ten gerecht­fer­tigt wer­den. Dies schei­det bereits des­halb aus, weil mit den Besol­dungs­grup­pen ab R 2 und W 2 gera­de sol­che Besol­dungs­emp­fän­ger von der Rege­lung aus­ge­schlos­sen sind, denen ein höhe­res Gehalt als den Norm­be­trof­fe­nen zusteht. Eine Recht­fer­ti­gung der Her­aus­nah­me von Besol­dungs­grup­pen mit nied­ri­ge­rem Ein­kom­men aus dem Anwen­dungs­be­reich der Norm kommt auf­grund der für die­se Beam­ten­grup­pen ver­gleichs­wei­se höhe­ren wirt­schaft­li­chen Belas­tung der Absen­kungs­maß­nah­me zwar grund­sätz­lich in Betracht. Indes ist hier die – in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en nicht wei­ter dar­ge­leg­te – Grenz­zie­hung zwi­schen dem mitt­le­ren Dienst auf der einen und dem geho­be­nen Dienst ab der Besol­dungs­grup­pe A 9 auf der ande­ren Sei­te nicht nach­voll­zieh­bar. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat in Bezug auf die ver­zö­ger­te Besol­dungs­an­pas­sung in Sach­sen mit Beschluss vom 23.05.2017 59 aus­ge­führt, dass eine stär­ke­re wirt­schaft­li­che Belas­tung von Emp­fän­gern höhe­rer Bezü­ge grund­sätz­lich gerecht­fer­tigt sein kann, dass es sich bei den der Besol­dungs­grup­pe A 10 zuge­hö­ri­gen Beam­ten aber offen­sicht­lich nicht um Emp­fän­ger höhe­rer Bezü­ge han­delt. Dies ist bei der Besol­dungs­grup­pe A 9 erst recht nicht der Fall.

Nicht­ein­hal­tung der pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen[↑]

Des Wei­te­ren ergibt sich die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der zur Prü­fung gestell­ten Norm dar­aus, dass der Lan­des­ge­setz­ge­ber den aus der Ver­fas­sung abge­lei­te­ten Pro­ze­du­ra­li­sie­rungs­vor­ga­ben nicht genügt hat. Der Gesetz­ge­ber schul­det vor­lie­gend aus­nahms­wei­se mehr als das Gesetz als sol­ches. Wäh­rend er bei der Haus­halts­kon­so­li­die­rung ver­pflich­tet sein kann, mit der auch aus den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en ersicht­li­chen Auf­stel­lung eines schlüs­si­gen und umfas­sen­den Spar­kon­zepts die Kos­ten­sen­kungs­maß­nah­men aller betrof­fe­nen Ver­wal­tungs­be­rei­che nach­voll­zieh­bar zu koor­di­nie­ren, bezie­hen sich die Anfor­de­run­gen der Pro­ze­du­ra­li­sie­rung unab­hän­gig vom Rege­lungs­zweck allein auf Gesetz­ge­bungs­maß­nah­men im Besol­dungs­be­reich. Sie sind also auch dann zu beach­ten, wenn die Neu­re­ge­lung nicht dem Zweck der Kos­ten­re­du­zie­rung dient. Ist dies aber – wie hier – der Fall, ergän­zen sich die Vor­ga­ben gegen­sei­tig.

Vor­lie­gend las­sen sich den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en zum Haus­halts­be­gleit­ge­setz 2013/​14 kei­ner­lei kon­kre­te Erwä­gun­gen ins­be­son­de­re zur Aus­ge­stal­tung des § 23 LBe­s­G­BW sowie dazu ent­neh­men, wel­che wirt­schaft­li­che Bedeu­tung die Norm für sich genom­men und im Zusam­men­spiel mit wei­te­ren Vor­schrif­ten für die betrof­fe­nen Beam­ten und Rich­ter hat. Wie bereits im Zusam­men­hang mit dem feh­len­den Haus­halts­kon­so­li­die­rungs­kon­zept aus­ge­führt, fin­det sich etwa kei­ne Anga­be dazu, war­um der Absen­kungs­be­trag für die schon vor der Ände­rung von der Norm erfass­ten Besol­dungs­grup­pen gera­de auf acht Pro­zent erhöht und somit ver­dop­pelt wur­de. In der Begrün­dung zum Gesetz­ent­wurf heißt es ledig­lich pau­schal, die Lan­des­re­gie­rung gehe davon aus, dass die vor­ge­se­he­nen Kür­zun­gen noch inner­halb des dem Gesetz­ge­ber zuste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raums lägen und dass auf die Sozi­al­ver­träg­lich­keit der Maß­nah­men geach­tet wor­den sei 54. Zu den Wech­sel­wir­kun­gen mit den wei­te­ren im Gesetz vor­ge­se­he­nen Spar­maß­nah­men schweigt die Begrün­dung voll­stän­dig. Für die von § 23 LBe­s­G­BW betrof­fe­nen Per­so­nen rele­vant ist im Besol­dungs­be­reich inso­weit vor allem die Abschaf­fung der ver­mö­gens­wirk­sa­men Leis­tun­gen für den geho­be­nen und den höhe­ren Dienst (Art. 5 Nr. 3 des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 2013/​14). In Bezug auf die Bei­hil­fe­ver­ord­nung sind die Absen­kung der Ein­kom­mens­gren­ze für berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Ehe­gat­ten und Lebens­part­ner von 18.000 Euro auf 10.000 Euro 60, die Redu­zie­rung des Bei­hil­fe­be­mes­sungs­sat­zes von 70 auf 50 Pro­zent für Ver­sor­gungs­emp­fän­ger, berück­sich­ti­gungs­fä­hi­ge Ehe­gat­ten und Lebens­part­ner sowie für Bei­hil­fe­be­rech­tig­te mit zwei oder mehr berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Kin­dern, die Anhe­bung der so genann­ten Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le sowie die Begren­zung der Bei­hil­fe­fä­hig­keit von zahn­tech­ni­schen Leis­tun­gen (Art. 9 Nr. 1, 2, 3 und 5 des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 2013/​14) zu nen­nen. Die erwar­te­ten wirt­schaft­li­chen Belas­tun­gen, die von den Maß­nah­men im Bereich der Bei­hil­fe aus­ge­hen, führt die Begrün­dung zum Gesetz­ent­wurf zwar auf 61. Bei­spiels­wei­se rech­net die Lan­des­re­gie­rung für neu ein­ge­stell­te Beam­te wegen der Absen­kung des Bemes­sungs­sat­zes bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls mit einem Anstieg der Ver­si­che­rungs­prä­mi­en der pri­va­ten Kran­ken­kas­sen um bis zu 20 Pro­zent. Hin­zu kämen bei Beam­ten mit min­des­tens zwei Kin­dern Mehr­aus­ga­ben für die Kran­ken­ver­si­che­rung in Höhe von etwa 85 Euro pro Monat, bei Beam­ten mit sowohl einem berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Ehe­gat­ten als auch min­des­tens zwei berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Kin­dern in Höhe von etwa 170 Euro. Ange­sichts die­ser gera­de für Berufs­an­fän­ger deut­lich spür­ba­ren Aus­wir­kun­gen wäre der Lan­des­ge­setz­ge­ber aber ver­pflich­tet gewe­sen, sich nach­voll­zieh­bar mit der Fra­ge zu befas­sen, ob die (wei­te­re) Besol­dungs­ab­sen­kung vor die­sem Hin­ter­grund über­haupt oder in ihrer Höhe gerecht­fer­tigt erscheint.

Die Lan­des­re­gie­rung hat in ihrer hier ein­ge­reich­ten Stel­lung­nah­me selbst ein­ge­räumt, dass die Geset­zes­be­grün­dun­gen den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kon­kre­ti­sier­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht genü­gen. Ent­ge­gen ihrer Auf­fas­sung führt dies zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der zur Prü­fung gestell­ten Norm. Soweit sie argu­men­tiert, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe in sei­nem Urteil vom 05.05.2015 62 die Begrün­dungs­an­for­de­run­gen hin­sicht­lich der Kür­zung von Son­der­zah­lun­gen rela­ti­viert, ver­kennt sie, dass die Kür­zung eines sol­chen Besol­dungs­be­stand­teils vor­lie­gend nicht in Rede steht. Soweit sie vor­trägt, die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Pro­ze­du­ra­li­sie­rung sei bei Ent­wurf des Haus­halts­be­gleit­ge­set­zes 2013/​14 nicht bekannt gewe­sen, kann ihr schon tat­säch­lich nicht gefolgt wer­den. Der frag­li­che Gesetz­ent­wurf der Lan­des­re­gie­rung stammt vom 06.11.2012. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Pro­ze­du­ra­li­sie­rungs­ver­pflich­tung spä­tes­tens in sei­nem Urteil zur W‑Besoldung vom 14.02.2012 63 bereits ein­deu­tig for­mu­liert. Für eine Ein­schrän­kung dahin­ge­hend, dass eine unzu­rei­chen­de Begrün­dung nur dann zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Geset­zes füh­re, wenn sich zuvor Anhalts­punk­te für eine Ver­let­zung des abso­lu­ten oder rela­ti­ven Ali­men­ta­ti­ons­schut­zes erge­ben hät­ten 64, fin­det sich in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kei­ne Stüt­ze. Eine sol­che Ein­schrän­kung ist ange­sichts der Funk­ti­on der pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen, den wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers durch eine Art Selbst­ver­ge­wis­se­rung zu kana­li­sie­ren 65, auch nicht ange­zeigt.

Fol­gen des Ver­sto­ßes gegen das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip[↑]

Der Ver­stoß gegen Art. 33 Abs. 5 GG in Ver­bin­dung mit Art. 3 Abs. 1 GG führt hier zur Nich­tig­erklä­rung, vgl. § 82 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 78 BVerfGG 66 und nicht nur zur Fest­stel­lung der Unver­ein­bar­keit der Norm mit dem Grund­ge­setz (vgl. § 82 Abs. 1 i.V.m. § 79 Abs. 1 und § 31 Abs. 2 BVerfGG). Stellt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Unver­ein­bar­keit einer Norm oder meh­re­rer Nor­men mit dem Grund­ge­setz fest, folgt dar­aus grund­sätz­lich die Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers, die Rechts­la­ge rück­wir­kend ver­fas­sungs­ge­mäß umzu­ge­stal­ten. Aus­nah­men von die­ser Regel­fol­ge der Unver­ein­bar­keit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zwar wie­der­holt bei haus­halts­wirt­schaft­lich bedeut­sa­men Nor­men bejaht. Spe­zi­ell bei besol­dungs­recht­li­chen Nor­men gilt es zu beach­ten, dass die Ali­men­ta­ti­on des Beam­ten der Sache nach die Befrie­di­gung eines gegen­wär­ti­gen Bedarfs aus gegen­wär­tig zur Ver­fü­gung ste­hen­den Haus­halts­mit­teln dar­stellt. Eine all­ge­mei­ne rück­wir­ken­de Behe­bung des Ver­fas­sungs­ver­sto­ßes (nicht nur für den Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens und etwai­ge wei­te­re Beam­te oder Rich­ter, über deren Anspruch noch nicht abschlie­ßend ent­schie­den wor­den ist) hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt daher mit Blick auf die Beson­der­hei­ten des Beam­ten­ver­hält­nis­ses regel­mä­ßig für nicht gebo­ten erach­tet 67.

Der Ver­fas­sungs­ver­stoß liegt hier aller­dings nicht in der feh­len­den Amts­an­ge­mes­sen­heit des Grund­ge­halts oder der Fami­li­en­zu­schlä­ge 68, son­dern wird bezo­gen auf eine aus spe­zi­el­len haus­hal­te­ri­schen Erwä­gun­gen her­aus erlas­se­ne Son­der­re­ge­lung fest­ge­stellt 69. Die Nich­tig­erklä­rung hat des­halb auch nicht zur Fol­ge, dass es für die Besol­dung an der gesetz­li­chen Grund­la­ge feh­len wür­de, derer es mit Blick auf den ver­fas­sungs­recht­lich vor­ge­ge­be­nen Geset­zes­vor­be­halt bedarf, sodass kein Zustand geschaf­fen wird, der von der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung noch wei­ter ent­fernt wäre als der bis­he­ri­ge 70.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Okto­ber 2018 – 2 BvL 2/​17

  1. GBl. BW S. 793[]
  2. GBl. BW S. 677[]
  3. VG Karls­ru­he, Beschluss vom 15.12.2016 – 6 K 4048/​14[][]
  4. GBl S. 145[]
  5. GBl S. 538[]
  6. GBl S. 105[]
  7. GBl S. 793[][]
  8. GBl S. 677[]
  9. LTDrucks 15/​2561, S. 1[]
  10. DVAn­pG­BW 2017/​2018[]
  11. GBl S. 565[]
  12. BGBl I S. 1532[][]
  13. vgl. zu den Anfor­de­run­gen ins­ge­samt BVerfGE 141, 1, 10 f. Rn. 22 f. m.w.N.[]
  14. vgl. BVerfGE 2, 341, 345; 20, 296, 303; 20, 312, 316 f.; 30, 227, 240 f.; 32, 346, 358; 48, 29, 35 f.; 75, 166, 175 ff.; 114, 303, 314 f.[]
  15. BVerfGE 49, 148, 157; 86, 288, 320; 119, 247, 274[]
  16. BVerfGE 121, 241, 253; 145, 1, 7 Rn. 15[]
  17. vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.04.2018 – 2 BvL 10/​16, Rn. 33; Urteil vom 12.06.2018 – 2 BvR 1738/​12 u.a., Rn. 118; vgl. auch BVerfGE 8, 332, 343; 46, 97, 117; 58, 68, 76 f.; 83, 89, 98; 106, 225, 232; 117, 330, 344 f.; 117, 372, 379; ohne Bezug auf die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung BVerfGE 145, 1, 8 Rn. 16[]
  18. vgl. BVerfGE 117, 330, 344; 119, 247, 260; 139, 64, 110 f. Rn. 91 f.; 141, 56, 69 Rn. 33 f.; Beschluss vom 24.04.2018 – 2 BvL 10/​16, Rn. 33; Urteil vom 12.06.2018 – 2 BvR 1738/​12 u.a., Rn. 118[]
  19. vgl. BVerfGE 139, 64, 110 Rn. 91[]
  20. vgl. BVerfGE 117, 330, 349[]
  21. vgl. BVerfGE 43, 154, 185; 114, 258, 286[]
  22. vgl. BVerfGE 8, 1, 16 f.; 11, 203, 210; 61, 43, 57 f.[]
  23. vgl. BVerfGE 117, 330, 348 f.; 117, 372, 379[]
  24. vgl. BVerfGE 3, 58, 137; 7, 155, 162; 70, 69, 79[]
  25. vgl. BVerfGE 8, 1, 16; 9, 268, 286; 15, 167, 195 m.w.N.; zum Vor­ste­hen­den ins­ge­samt: Beschluss vom 24.04.2018 – 2 BvL 10/​16, Rn. 34; Urteil vom 12.06.2018 – 2 BvR 1738/​12 u.a., Rn. 119[]
  26. vgl. BVerfGE 8, 1, 14; 107, 218, 238; 117, 330, 351; 119, 247, 269; 130, 263, 292 f.; 139, 64, 111 Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72; 141, 56, 70 Rn. 35; 145, 304, 324 f. Rn. 66[]
  27. vgl. BVerfGE 130, 263, 293; 139, 64, 111 f. Rn. 93, 118 Rn. 111; 140, 240, 278 Rn. 72, 284 f. Rn. 90; 145, 1, 9 Rn. 18; 145, 304, 324 f. Rn. 66[]
  28. BVerfGE 107, 218, 243; 107, 257, 269; 114, 258, 297 f.; 117, 330, 352 f.; 130, 52, 67[]
  29. vgl. BVerfGE 98, 365, 385; 116, 164, 180; 122, 210, 230; 130, 240, 252; 141, 1, 38 Rn. 93 ff.[]
  30. vgl. BVerfGE 79, 1, 17; 121, 108, 119; 121, 317, 370; 122, 210, 230; 126, 400, 416; 130, 240, 252 f.; 135, 126, 143 Rn. 51; 138, 136, 180 Rn. 121; 145, 304, 329 f. Rn. 81; stRspr[]
  31. vgl. BVerfGE 12, 326, 334; 130, 52, 66 f.; 145, 1, 12 Rn. 26; 145, 304, 331 Rn. 84[]
  32. vgl. BVerfGE 8, 1, 22 f.; 13, 356, 361 f.; 26, 141, 158 ff.; 71, 39, 52 f.; 103, 310, 319 f.; 114, 258, 288; 117, 372, 381; 121, 241, 261; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 94; 140, 240, 278 f. Rn. 73; stRspr[]
  33. BVerfGE 56, 146, 161 f.; 145, 304, 332 Rn. 86[]
  34. vgl. BVerfGE 103, 310, 320; 110, 353, 364; 117, 330, 353; 121, 241, 261; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 95; 140, 240, 279 Rn. 75[]
  35. vgl. BVerfGE 65, 141, 148 f.; 103, 310, 319 f.; 107, 218, 244 f.[]
  36. BVerfGE 110, 353, 364 f.; 145, 304, 331 f. Rn. 85[]
  37. vgl. BVerfGE 8, 1, 14; 107, 218, 238; 117, 330, 351; 119, 247, 269; 130, 263, 292 f.; 139, 64, 111 Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72[]
  38. vgl. BVerfGE 139, 64, 124 Rn. 125; 140, 240, 293 f. Rn. 108[]
  39. ein­ge­führt durch das Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes [Arti­kel 91c, 91d, 104b, 109, 109a, 115, 143d] vom 29.07.2009 [BGBl I S. 2248][]
  40. vgl. BVerfGE 129, 124, 170; 132, 195, 245[]
  41. vgl. BVerfGE 44, 249, 264 f.; 76, 256, 311; 99, 300, 320; 114, 258, 291; 117, 372, 388; 139, 64, 125 f. Rn. 127; 140, 240, 294 f. Rn. 110; stRspr[]
  42. vgl. BVerfGE 139, 64, 125 f. Rn. 127; 140, 240, 294 f. Rn. 110; 145, 304, 325 f. Rn. 68[]
  43. vgl. BVerfGE 130, 263, 301 f.; 139, 64, 126 f. Rn. 129 f.; 140, 240, 296 Rn. 112 f.; 145, 1, 13 Rn. 28 f.[]
  44. vgl. BVerfGE 130, 263, 301[]
  45. BVerfGE 139, 64, 127 Rn. 130; 140, 240, 296 Rn. 113; vgl. auch BVerfGE 76, 107, 121 f.; 101, 158, 216 ff.; anders für den Fall des Grund­rechts auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums aus Art. 1 Abs. 1 GG i.V.m. Art.20 Abs. 1 GG, BVerfGE 132, 134, 162 f. Rn. 70; 137, 34, 73 f. Rn. 77, für das Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG, BVerfGE 139, 148, 180 Rn. 61, für die Dar­le­gung der Erfor­der­lich­keit einer bun­des­ge­setz­li­chen Rege­lung im Sin­ne des Art. 72 Abs. 2 GG, BVerfGE 140, 65, 79 f. Rn. 33 und für die all­ge­mein an den Gesetz­ge­ber hin­sicht­lich einer Sach­auf­klä­rung zu stel­len­den Anfor­de­run­gen, BVerfGE 143, 246, 343 f. Rn. 274[]
  46. vgl. BVerfGE 130, 263, 302; 145, 1, 13 Rn. 29[]
  47. vgl. BVerfGE 139, 64, 122 ff. Rn. 122 f.; 140, 240, 291 ff. Rn. 105 f.[]
  48. vgl. BVerfGE 44, 249, 263; 49, 260, 272; 117, 330, 350; 130, 52, 67; 139, 64, 111 f. Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72; 145, 249, 272 Rn. 48[]
  49. so die Begrün­dung zum Ent­wurf des BV AnpG 2008, LTDrucks 14/​1601, S. 50[]
  50. so auch LTDrucks 14/​1601, S. 46[]
  51. vgl. LTDrucks 15/​2561, S. 1[]
  52. sie­he ins­be­son­de­re den Gesetz­ent­wurf der Lan­des­re­gie­rung, LTDrucks 15/​2561[]
  53. LTDrucks 15/​2561, S. 3[]
  54. LTDrucks 15/​2561, S. 31[][]
  55. Dienst­rechts­re­form­ge­setz – DRG[]
  56. BVerfGE 145, 1, 14 Rn. 32 m.w.N.[]
  57. BVerf, Beschluss vom 15.01.1985 – 2 BvR 1148/​84[]
  58. vgl. BVerfGE 39, 334, 346 f.; 119, 247, 264; Urteil vom 12.06.2018 – 2 BvR 1738/​12 u.a., Rn. 120 f.[]
  59. BVerfGE 145, 304, 334 Rn. 94 f.[]
  60. vgl. hier­zu VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 14.12.2017 – 2 S 1289/​16 35 ff.[]
  61. LTDrucks 15/​2561, S. 5 f.[]
  62. BVerfGE 139, 64, 142 f. Rn. 178[]
  63. BVerfGE 130, 263, 301 f.[]
  64. vgl. BVerwG, Urteil vom 22.03.2018 – 2 C 20.1619[]
  65. vgl. BVerfGE 130, 263, 302; 139, 64, 127 Rn. 130; 140, 240, 296 Rn. 113[]
  66. vgl. auch BVerfGE 117, 372, 391[]
  67. vgl. BVerfGE 139, 64, 147 f. Rn.194 f. und 140, 240, 315 f. Rn. 169 f.[]
  68. vgl. inso­weit BVerfGE 81, 363, 383 ff.; 99, 300, 330 f.; 130, 263, 312 f.; 139, 64, 147 f. Rn.195; 140, 240, 316 Rn. 170[]
  69. vgl. BVerfGE 145, 1, 19 Rn. 45[]
  70. vgl. dazu BVerfGE 139, 64, 147 Rn.194 und 140, 240, 315 f. Rn. 169[]