Gesund­heit­li­che Eig­nung von Beam­ten­be­wer­bern

Beam­ten­be­wer­ber, deren Leis­tungs­fä­hig­keit gegen­wär­tig nicht ein­ge­schränkt ist, sind gleich­wohl gesund­heit­lich als Beam­te nicht geeig­net, wenn ihre vor­zei­ti­ge Pen­sio­nie­rung vor Errei­chen der gesetz­li­chen Alters­gren­ze über­wie­gend wahr­schein­lich ist. Dies gilt auch für Bewer­ber, die einer Risi­ko­grup­pe ange­hö­ren oder an einer chro­ni­schen Erkran­kung lei­den. Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den und damit den bis­her für die gesund­heit­li­che Eig­nung zugrun­de geleg­ten gene­rel­len Pro­gno­se­maß­stab zuguns­ten der Bewer­ber abge­senkt.

Gesund­heit­li­che Eig­nung von Beam­ten­be­wer­bern

Die Klä­ger in dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit sind Leh­rer, die im Ange­stell­ten­ver­hält­nis beschäf­tigt wer­den, deren gesund­heit­li­che Eig­nung für eine Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be aber wegen des gesund­heit­li­chen Risi­kos der vor­zei­ti­gen Pen­sio­nie­rung abge­lehnt wor­den war. Der Klä­ger im ers­ten Ver­fah­ren 1 ist an Mul­ti­pler Skle­ro­se erkrankt, die Klä­ge­rin im zwei­ten Ver­fah­ren 2 lei­det an einer Ver­for­mung der Brust­wir­bel­säu­le (sog. Scheu­er­mann­sche Erkran­kung). Bei bei­den Klä­gern ist ein Grad der Behin­de­rung von 30 fest­ge­stellt, sie sind jedoch Schwer­be­hin­der­ten nicht gleich­ge­stellt.

In bei­den Fäl­len hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die behörd­li­chen Ent­schei­dun­gen inso­weit bestä­tigt, als die Klä­ger kei­nen Anspruch auf Ver­be­am­tung haben 3. Es hat die Beklag­ten jedoch ver­pflich­tet, über die Anträ­ge erneut zu ent­schei­den. Die gesund­heit­li­che Eig­nung sei bei weni­ger stark behin­der­ten Bewer­bern wie den Klä­gern bereits dann gege­ben, wenn auf­grund einer Pro­gno­se über­wie­gend wahr­schein­lich sei, dass sie bis zur gesetz­li­chen Alters­gren­ze Dienst leis­ten kön­nen. Für nicht behin­der­te Bewer­ber müs­se die­se Pro­gno­se dage­gen eine hohe Wahr­schein­lich­keit erge­ben.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat auf die Revi­sio­nen der Klä­ger die Urtei­le auf­ge­ho­ben und die Ver­fah­ren an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Die­ses wird ins­be­son­de­re erneut dar­über zu ent­schei­den haben, ob die Klä­ger nach dem Pro­gno­se­maß­stab gesund­heit­lich geeig­net sind, den das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun­mehr für alle Bewer­ber mit Aus­nah­me der Schwer­be­hin­der­ten bestimmt hat.

Ange­sichts der Unsi­cher­hei­ten einer über einen der­art lan­gen Zeit­raum abzu­ge­ben­den Pro­gno­se dür­fen die Anfor­de­run­gen an den Nach­weis der gesund­heit­li­chen Eig­nung nicht über­spannt wer­den. Für eine nega­ti­ve Pro­gno­se aktu­ell leis­tungs­fä­hi­ger Bewer­ber bedarf es daher tat­säch­li­cher Anknüp­fungs­punk­te, die eine vor­zei­ti­ge Pen­sio­nie­rung aus gesund­heit­li­chen Grün­den als über­wie­gend wahr­schein­lich erschei­nen las­sen. Wei­te­re Erleich­te­run­gen hat der Gesetz­ge­ber nur für schwer­be­hin­der­te Bewer­ber vor­ge­se­hen. Dage­gen sind Ver­güns­ti­gun­gen für weni­ger stark behin­der­te Bewer­ber durch einen noch­mals abge­senk­ten Pro­gno­se­maß­stab ange­sichts ihrer gerin­ge­ren Schutz­be­dürf­tig­keit weder ver­fas­sungs- noch uni­ons­recht­lich gebo­ten.

Die Ver­wal­tungs­ge­rich­te haben die gesund­heit­li­che Eig­nung abschlie­ßend zu klä­ren; der Ver­wal­tung steht inso­weit – anders als bei der Beur­tei­lung der fach­li­chen Eig­nung – kein nur ein­ge­schränkt nach­prüf­ba­rer Beur­tei­lungs­spiel­raum zu.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 25. Juli 2013 – 2 C 12.11 und 2 C 18.12

  1. BVerwG – 2 C 12.11[]
  2. BVerwG – 2 C 18.12[]
  3. Nds. OVG, Urtei­le vom 25.01.2011 – 5 LC 190/​09; und vom 31.07.2012 – 5 LC 226/​11[]