Scha­dens­er­satz wegen Nicht­be­för­de­rung – und der Ver­stoß des Beam­ten gegen Erkun­di­gungs- und Rüge­o­b­lie­gen­hei­ten

Ein Beam­ter muss sich über das „Ob“ und „Wann“ von Beför­de­rungs­ver­fah­ren erkun­di­gen und ggf. Män­gel rügen, wenn er nicht Gefahr lau­fen will, einen etwai­gen Anspruch auf Scha­dens­er­satz wegen sei­ner rechts­wid­ri­gen Nicht­be­rück­sich­ti­gung in einem Beför­de­rungs­ver­fah­ren zu ver­lie­ren.

Scha­dens­er­satz wegen Nicht­be­för­de­rung – und der Ver­stoß des Beam­ten gegen Erkun­di­gungs- und Rüge­o­b­lie­gen­hei­ten

Dies hat aktu­ell das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig in sie­ben bei ihm anhän­gi­gen Fäl­len ent­schie­den. Die Klä­ger der sie­ben Ver­fah­ren sind Beam­te der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die bei der Deut­schen Tele­kom AG beschäf­tigt oder einem ihrer Toch­ter­un­ter­neh­men zuge­wie­sen sind oder waren. Sie bean­spru­chen nach­träg­lich – zum Teil nach meh­re­ren Jah­ren – Scha­dens­er­satz wegen ver­spä­te­ter oder unter­blie­be­ner Beför­de­rung, weil die frag­li­chen Stel­len nicht oder nicht ord­nungs­ge­mäß aus­ge­schrie­ben wor­den sei­en.

Fünf der Klä­ger hat­ten mit ihrem Begeh­ren im Beru­fungs­ver­fah­ren vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter Erfolg. Die­ses hat ange­nom­men, die spä­te Gel­tend­ma­chung eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs durch die­se Klä­ger kön­ne nicht als treu­wid­rig beur­teilt wer­den. In zwei Fäl­len hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen, weil die Klä­ger hin­rei­chend Anlass gehabt hät­ten, sich beim Dienst­herrn zu erkun­di­gen, ob sie für eine Bewer­bung für den Arbeits­pos­ten in Betracht kamen 1. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in allen Ver­fah­ren einen Scha­dens­er­satz­an­spruch des jewei­li­gen Beam­ten ver­neint:

Zwar hat der Dienst­herr in allen Ver­fah­ren den Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch der Beam­ten auf leis­tungs­ge­rech­te Berück­sich­ti­gung in dem jewei­li­gen Aus­wahl­ver­fah­ren ver­letzt. Auch ist ein dar­aus resul­tie­ren­der Scha­den des jewei­li­gen Beam­ten auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen der Beru­fungs­ur­tei­le zu beja­hen. Doch war es allen Klä­gern mög­lich und zumut­bar gewe­sen, den Scha­den abzu­wen­den.

Nach einem all­ge­mei­nen Rechts­ge­dan­ken, der in § 839 Abs. 3 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs sei­nen Nie­der­schlag gefun­den hat, tritt eine Scha­dens­er­satz­pflicht nicht ein, wenn der Geschä­dig­te es schuld­haft unter­las­sen hat, den Scha­dens­ein­tritt durch Gebrauch eines – zumut­ba­ren – Rechts­mit­tels abzu­wen­den. Der Begriff des „Rechts­mittels" ist nach der Recht­spre­chung ins­be­son­de­re des Bun­des­ge­richts­hofs weit aus­zu­le­gen.

Die Deut­sche Tele­kom AG hat in den frag­li­chen Zeit­räu­men im für die Beschäf­tig­ten zugäng­li­chen Intra­net Hin­wei­se über die wesent­li­chen Grund­zü­ge ver­öf­fent­licht, nach denen sie regel­mä­ßig Beför­de­rungs­ver­fah­ren für Beam­te durch­führ­te. Die­se Hin­wei­se waren zwar all­ge­mein und unvoll­stän­dig. Doch gaben sie den Klä­gern hin­rei­chend Anlass (Anstoß­funk­ti­on), sich bei der Tele­kom über die Ein­zel­hei­ten des Beför­de­rungs­ver­fah­rens zu erkun­di­gen. Hät­ten sie dies getan und Aus­künf­te erhal­ten, wären sie in der Lage gewe­sen, ihre Rech­te wei­ter zu ver­fol­gen und damit den Scha­den ab­zuwenden.

Die beson­de­re Erkun­di­gungs- und Rüge­o­b­lie­gen­heit für an ihrem beruf­li­chen Fort­kom­men inter­es­sier­te Beam­te hat ihren recht­li­chen Grund in dem durch die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums nach Art. 33 Abs. 5 GG gepräg­ten Dienst- und Treue­ver­hält­nis, das Dienst­herrn und Beam­ten ver­bin­det. Ein Beam­ter, der an sei­nem beruf­li­chen Fort­kom­men inter­es­siert und sich über das „Ob“ und „Wann“ von Beför­de­rungs­ver­fah­ren im Unkla­ren ist, hat die Oblie­gen­heit, sich bei sei­nem Dienst­herrn dar­über näher zu erkun­di­gen und für den Fall von als unzu­rei­chend ange­se­he­nen Aus­künf­ten die­se zu rügen und gegen dro­hen­de Ernen­nun­gen mit Mit­teln des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes vor­zu­ge­hen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 15. Juni 2018 – 2 C 19.17; 2 C 20.17; 2 C 21.17; 2 C 22.17; 2 C 23.17; 2 C 65.17 und 2 C 66.17

  1. OVG NRW, Urtei­le vom 19.01.2017 – 1 A 431/​15; und 1 A 303/​15; und vom 27.04.2016 – 1 A 2310/​14; 1 A 1923/​14; 1 A 184/​15; 1 A 2309/​14; und 1 A 1664/​15[]