Ver­gü­tung von Mehr­ar­beit bei teil­zeit­be­schäf­tig­ten Beam­ten

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main sieht in einem aktu­el­len Urteil zur Beam­ten­be­sol­dung die unter­schied­li­che Ver­gü­tung von Mehr­ar­beit bei Teil­zeit­be­schäf­ti­gung als rechts­wid­rig an.

Ver­gü­tung von Mehr­ar­beit bei teil­zeit­be­schäf­tig­ten Beam­ten

Die Betei­lig­ten strei­ten über die Ver­gü­tung von geleis­te­ten Vor­griffs­stun­den der Klä­ge­rin zur Anspa­rung eines Frei­stel­lungs­zeit­raums als Stu­di­en­rä­tin in den Diens­ten des Lan­des Hes­sen. Die Klä­ge­rin ist ver­be­am­te­te Leh­re­rin mit einer Teil­zeit­stel­le an einem Gym­na­si­um in Frank­furt am Main. Sie bean­trag­te Teil­zeit­be­schäf­ti­gung mit dem Ziel über einen Zeit­raum von drei Jah­ren hin­weg, bei gekürz­ten Bezü­gen eine höhe­re Anzahl von Wochen­stun­den zu unter­rich­ten, um im Gegen­zug dafür ein hal­bes Jahr lang bei Fort­zah­lung der Bezü­ge vom Unter­richt befreit zu sein (soge­nann­tes Sab­bat­jahr) für eine pri­va­te Stu­di­en­rei­se. Die Beklag­te gewähr­te Teil­zeit­be­schäf­ti­gung mit der Maß­ga­be, dass sie im Zeit­raum vom 01.08.2001 bis 31.07.2004 statt 18 Wochen­stun­den, nun 21 Wochen­stun­den unter­rich­te und dafür in der Zeit zwi­schen dem 01.08.2004 und dem 31.01.2005 vom Dienst befreit war. Wäh­rend der kom­plet­ten Zeit­span­ne der Teil­zeit­be­schäf­ti­gung soll­te die Klä­ge­rin 6/​7 der Dienst­be­zü­ge einer Lehr­kraft erhal­ten, die mit 21 Wochen­stun­den beschäf­tigt ist. Die Klä­ge­rin leis­te­te zunächst die gefor­der­ten 21 Wochen­stun­den ab. Sie konn­te die geplan­te Stu­di­en­rei­se aber nicht antre­ten und die Frei­stel­lung nicht in Anspruch neh­men. Die Beklag­te ord­ne­te die Aus­zah­lung der geleis­te­ten Vor­griffs­stun­den nach den Sät­zen der Mehr­ar­beits­ver­gü­tungs­ver­ord­nung an. Die Klä­ge­rin leg­te Wider­spruch ein und begehr­te einen finan­zi­el­len Aus­gleich auf der Grund­la­ge einer antei­li­gen Besol­dung nach der Ver­gü­tungs­grup­pe A 13 Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz auch in ver­sor­gungs­recht­li­cher Hin­sicht.

Die Beklag­te wies den Wider­spruch zurück. Die Klä­ge­rin hat Kla­ge erho­ben und trägt vor, nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs gel­te das Gebot der glei­chen Abgel­tung für von Män­nern und Frau­en geleis­te­te glei­che oder gleich­wer­ti­ge Arbeit. Vor­lie­gend sei ein Fall mit­tel­ba­rer Dis­kri­mi­nie­rung gege­ben. Es sei eine Ungleich­be­hand­lung hin­sicht­lich des Ent­gelts gege­ben, da teil­zeit­be­schäf­tig­te Leh­rer im Ver­gleich zu voll­zeit­be­schäf­tig­ten Lehr­kräf­ten, bei glei­cher Stun­den­zahl eine gerin­ge­re Ver­gü­tung erhiel­ten. Die mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en fol­ge dar­aus, dass die Rege­lun­gen hin­sicht­lich der Ver­gü­tung von Mehr­ar­beit von teil­zeit­be­schäf­tig­ten Beam­ten weit über­wie­gend Frau­en beträ­fen.

Die für beam­ten­recht­li­che Ver­fah­ren zustän­di­ge 9. Kam­mer des Ver­wal­tungs­ge­richts Frank­furt am Main ent­schied nun, dass der Klä­ge­rin ein wei­te­rer Brut­to­be­trag in Höhe von 9.726,45 € zusteht. Das beklag­te Land durf­te die von der Klä­ge­rin geleis­te­ten Vor­griffs­stun­den danach nicht ledig­lich als Mehr­ar­beit ver­gü­ten, son­dern muss die Arbeit der Klä­ge­rin gemäß § 6 Abs. 1 des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes anteils­mä­ßig ent­spre­chend ihrer wäh­rend die­ser Zeit höhe­ren Teil­zeit­be­schäf­ti­gung ver­gü­ten. Eine davon abwei­chen­de Rege­lung wür­de zu einer mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung der Klä­ge­rin als Frau füh­ren, da nach den vom Gericht ein­ge­hol­ten Aus­künf­ten des beklag­ten Lan­des von dem soge­nann­ten Sab­bat­jahr in Hes­sen regel­mä­ßig mehr Leh­re­rin­nen Gebrauch machen als Leh­rer. Zudem hat das Gericht fest­ge­stellt, dass die geleis­te­ten Vor­griffs­stun­den auch ver­sor­gungs­recht­lich zu berück­sich­ti­gen sein wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 23. März 2009 – 9 K 199/​08.F(1)