Zula­ge für die Wahr­neh­mung eines höher­wer­ti­gen Amtes – auch bei „Topf­wirt­schaft“

Die „haus­halts­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen” für eine Beför­de­rung – die für eine bei län­ge­rer Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben eines höher­wer­ti­gen Amtes u.U. zu zah­len­de Zula­ge nach § 46 Abs. 1 Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz (BBesG) vor­lie­gen müs­sen – sind dann gege­ben, wenn eine ent­spre­chen­de freie Plan­stel­le vor­han­den ist und der Beset­zung der Plan­stel­le kei­ne haus­halts­recht­li­chen Hin­der­nis­se ent­ge­gen­ste­hen. Eine fes­te Ver­knüp­fung von frei­er Plan­stel­le und wahr­ge­nom­me­nem höher­wer­ti­gem Dienst­pos­ten ist, wie jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­den hat, dafür bei der sog. Topf­wirt­schaft nicht erfor­der­lich.

Zula­ge für die Wahr­neh­mung eines höher­wer­ti­gen Amtes – auch bei „Topf­wirt­schaft“

Die Klä­ger sind Finanz­be­am­te des geho­be­nen Diens­tes in Bran­den­burg und als Sach­be­ar­bei­ter in einem Finanz­amt tätig. Über meh­re­re Jah­re waren bzw. sind sie auf höher­wer­ti­gen Dienst­pos­ten ein­ge­setzt. Ihre Anträ­ge auf Zah­lung der Zula­ge nach der hier noch anwend­ba­ren Bun­des­re­ge­lung des § 46 BBesG sind im Aus­gangs- und Wider­spruchs­ver­fah­ren eben­so erfolg­los geblie­ben wie nach­fol­gend die Kla­ge­ver­fah­ren vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Cott­bus1 und die Beru­fungs­ver­fah­ren vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun die Beru­fungs­ur­tei­le auf­ge­ho­ben und die Ver­fah­ren an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg zurück­ver­wie­sen:

Nach § 46 Abs. 1 BBesG erhal­ten Beam­te und Sol­da­ten, denen die Auf­ga­ben eines höher­wer­ti­gen Amtes vor­über­ge­hend ver­tre­tungs­wei­se über­tra­gen wer­den, nach acht­zehn Mona­ten der unun­ter­bro­che­nen Wahr­neh­mung die­ser Auf­ga­ben eine Zula­ge, wenn in die­sem Zeit­punkt die haus­halts­recht­li­chen und lauf­bahn­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Über­tra­gung die­ses Amtes vor­lie­gen; die Zula­ge wird nach § 46 Abs. 2 BBesG in Höhe des Unter­schieds­be­tra­ges zwi­schen dem Grund­ge­halt der Besol­dungs­grup­pe des Beam­ten oder Sol­da­ten und dem Grund­ge­halt der Besol­dungs­grup­pe des höher­wer­ti­gen Amtes gewährt. Haus­halts­recht­li­che Vor­aus­set­zung für die Über­tra­gung des höher­wer­ti­gen Amtes – also für die Beför­de­rung des Beam­ten – ist, dass der Beam­te in eine ent­spre­chend bewer­te­te Plan­stel­le ein­ge­wie­sen wer­den könn­te. Das folgt aus § 49 der Bun­des­haus­halts­ord­nung bzw. der Vor­schrift der jewei­li­gen Lan­des­haus­halts­ord­nung. Die Ein­wei­sung in eine ent­spre­chen­de Plan­stel­le setzt vor­aus, dass es eine freie Plan­stel­le der ent­spre­chen­den Wer­tig­keit gibt, die für einen Beam­ten der betref­fen­den Behör­de ver­füg­bar ist. Außer­dem dür­fen der Beset­zung der Plan­stel­le kei­ne haus­halts­recht­li­chen Hin­der­nis­se ent­ge­gen­ste­hen (z.B. kw-Ver­merk, Haus­halts­sper­re). Mit die­ser Aus­le­gung wird dem Norm­zweck des § 46 BBesG Rech­nung getra­gen. Die­ser besteht dar­in, einen Anreiz für Beam­te zu schaf­fen, einen höher­wer­ti­gen Dienst­pos­ten ver­tre­tungs­wei­se zu über­neh­men, die mit dem wahr­ge­nom­me­nen Amt ver­bun­de­nen erhöh­ten Anfor­de­run­gen zu hono­rie­ren und den Ver­wal­tungs­trä­ger davon abzu­hal­ten, freie Stel­len auf Dau­er aus fis­ka­li­schen Grün­den nicht ent­spre­chend der Bewer­tung gemäß der Ämter­ord­nung des Besol­dungs­rechts zu beset­zen.

In den Fäl­len, in denen eine grö­ße­re Anzahl höher­wer­ti­ger Dienst­pos­ten einer gerin­ge­ren Anzahl ent­spre­chen­der Plan­stel­len gegen­über­steht und die Plan­stel­len von Fall zu Fall – regel­mä­ßig bei sog. Beför­de­rungs­run­den – dort ver­wen­det wer­den, wo eine Beför­de­rungs­mög­lich­keit aus­ge­schöpft wer­den soll (sog. „Topf­wirt­schaft”), kann es vor­kom­men, dass die Anzahl der nach § 46 BBesG Anspruchs­be­rech­tig­ten höher ist als die Anzahl der frei­en und besetz­ba­ren Plan­stel­len der ent­spre­chen­den Wer­tig­keit. In einem sol­chen Fall kön­nen die Anspruchs­be­rech­tig­ten die Funk­ti­ons­zu­la­ge nicht in vol­ler Höhe, son­dern nur antei­lig „nach Kopf­tei­len” erhal­ten. Nur so kann dem Norm­zweck des § 46 BBesG und zugleich der im Begriff der „haus­halts­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen” ange­leg­ten Begren­zung auf die bereit­ste­hen­den Haus­halts­mit­tel Rech­nung getra­gen wer­den. Die Zula­gen­hö­he ist in die­sen Fäl­len wegen mög­li­cher Ver­än­de­run­gen der Anzahl der Anspruchs­be­rech­tig­ten und der Anzahl der frei­en und besetz­ba­ren Plan­stel­len monat­lich neu zu berech­nen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 25. Sep­tem­ber 2014 – 2 C 16.2013 und 2 C 21.13

  1. VG Cott­bus, Urtei­le vom 23.03.2010 – 7 K 1033/​08; und vom 28.06.2010 – 7 K 1034/​08
  2. VG Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 12.09.2012 – 4 B 36.11 und 4 B 38.11
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