Befrei­ung von den Rund­funk­ge­büh­ren aus sozia­len Grün­den – und die Gerichts­kos­ten

Rechts­strei­tig­kei­ten über die Befrei­ung von Rund­funk­ge­büh­ren nach § 6 des Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­tra­ges sind nach § 188 Satz 2 VwGO gerichts­kos­ten­frei.

Befrei­ung von den Rund­funk­ge­büh­ren aus sozia­len Grün­den – und die Gerichts­kos­ten

Die Befrei­ung von den Rund­funk­ge­büh­ren aus sozia­len Grün­den nach § 6 des Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­tra­ges (RGebStV) ist eine Ange­le­gen­heit der Für­sor­ge im Sin­ne des § 188 Satz 1 VwGO. Soweit das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zu der frü­he­ren Fas­sung des § 188 VwGO bei­läu­fig eine abwei­chen­de Auf­fas­sung geäu­ßert hat 1, wird dar­an für die jetzt gel­ten­de Fas­sung des § 188 VwGO nicht mehr fest­ge­hal­ten. Nach der frü­he­ren Fas­sung des § 188 VwGO galt die Gerichts­kos­ten­frei­heit für Ver­fah­ren auf den Sach­ge­bie­ten der Sozi­al­hil­fe, der Jugend­hil­fe, der Kriegs­op­fer­für­sor­ge sowie der Aus­bil­dungs­för­de­rung. Die Rege­lung stell­te nicht auf den – mög­li­cher­wei­se von Fall zu Fall unter­schied­li­chen – Zweck des Rechts­streits ab, son­dern auf die objek­ti­ve Zuge­hö­rig­keit des Kla­ge­be­geh­rens zu einem der genann­ten Rechts­ge­bie­te 2. Maß­geb­lich war mit­hin, ob der Klä­ger Leis­tun­gen nach einem der dort genann­ten Geset­ze begehr­te. Durch Art. 2 des Sie­ben­ten Geset­zes zur Ände­rung des Sozi­al­ge­richts­ge­set­zes vom 09.12 2004 3 ist der Anwen­dungs­be­reich des § 188 VwGO dahin gefasst wor­den, dass er sich nun­mehr auf die Sach­ge­bie­te in Ange­le­gen­hei­ten der Für­sor­ge mit Aus­nah­me der Ange­le­gen­hei­ten der Sozi­al­hil­fe und des Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes, der Jugend­hil­fe, der Kriegs­op­fer­für­sor­ge, der Schwer­be­hin­der­ten­für­sor­ge sowie der Aus­bil­dungs­för­de­rung erstreckt. Der vor­an­ge­stell­te Begriff der Ange­le­gen­hei­ten der Für­sor­ge ver­weist nicht mehr auf ein bestimm­tes Geset­zes­werk, son­dern erfasst alle in die Zustän­dig­keit der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit fal­len­den Sach­ge­bie­te, die Für­sor­ge­maß­nah­men im wei­te­ren Sin­ne zum Gegen­stand haben, die nicht schon unter eines der im Fol­gen­den auf­ge­zähl­ten Sach­ge­bie­te fal­len. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re Sach­ge­bie­te, in denen Leis­tun­gen mit pri­mär für­sor­ge­ri­scher Zweck­set­zung vor­ge­se­hen sind 4. Dies trifft auf die Befrei­ung von Rund­funk­ge­büh­ren nach § 6 RGebStV zu. Sie hängt regel­mä­ßig davon ab, dass bestimm­te Ein­kom­mens­gren­zen nicht über­schrit­ten wer­den. Dar­in kommt der für­sor­ge­ri­sche Gedan­ke des Rechts der Befrei­ung von Rund­funk­ge­büh­ren zum Aus­druck 5. Davon ist auch der Gesetz­ge­ber des Sie­ben­ten Geset­zes zur Ände­rung des Sozi­al­ge­richts­ge­set­zes aus­ge­gan­gen. Die jet­zi­ge Fas­sung geht auf den Aus­schuss für Gesund­heit und Sozia­le Siche­rung zurück. Des­sen Bericht 6 hebt als Bei­spiel für die Ange­le­gen­hei­ten der Für­sor­ge die Befrei­ung von Rund­funk­ge­büh­ren aus sozia­len Grün­den her­vor; die­se Ver­fah­ren soll­ten kos­ten­frei vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten durch­ge­führt wer­den kön­nen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. April 2011 – 6 C 10.10

  1. BVerwG, Beschluss vom 30.12 1987 – 7 B 243.87 6[]
  2. BVerwG, Urteil vom 22.10.1976 – 6 C 36.72, BVerw­GE 51, 211, 216[]
  3. BGBl I S. 3302, 3304[]
  4. Kopp/​Schenke, VwGO, 16. Aufl.2009, § 188 Rn. 2[]
  5. Thür. OVG, Beschluss vom 15.04.2009 – 1 ZO 165/​09 15 f.[]
  6. BT-Drs. 15/​3867 S. 4[]