Das rechts­miss­bräuch­liche Be­fan­gen­heits­ge­such

Ein Be­fan­gen­heits­ge­such ist rechts­miss­bräuch­lich und daher un­be­acht­lich, wenn die Be­grün­dung des Ge­suchs unter kei­nem denk­ba­ren Ge­sichts­punkt die Ab­leh­nung des Rich­ters recht­fer­ti­gen kann und mit der Art und Wei­se der An­brin­gung ein ge­set­zes­wid­ri­ger und damit das In­stru­ment der Rich­terab­leh­nung miss­brau­chen­der Ein­satz die­ses Rechts er­kenn­bar wird.

Das rechts­miss­bräuch­liche Be­fan­gen­heits­ge­such

Wegen Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit kann ein Rich­ter ab­ge­lehnt wer­den, wenn ein Grund vor­liegt, der ge­eig­net ist, Miss­trau­en gegen sei­ne Un­par­tei­lich­keit zu recht­fer­ti­gen (§ 54 Abs. 1 VwGO i.V.m. § 42 Abs. 2 ZPO). Es ge­nügt, wenn vom Stand­punkt der Be­tei­lig­ten aus ge­se­hen hin­rei­chen­de ob­jek­ti­ve Grün­de vor­lie­gen, die bei ver­nünf­ti­ger Wür­di­gung aller Um­stän­de An­lass geben, an sei­ner Un­par­tei­lich­keit zu zwei­feln. Die rein sub­jek­ti­ve Be­sorg­nis, für die bei Wür­di­gung der Tat­sa­chen ver­nünf­ti­ger­wei­se kein Grund er­sicht­lich ist, reicht da­ge­gen zur Ab­leh­nung nicht aus [1]. Dass ein Rich­ter bei der Wür­di­gung des ma­ß­geb­li­chen Sach­ver­halts oder des­sen recht­li­cher Be­ur­tei­lung eine an­de­re Rechts­auf­fas­sung ver­tritt als ein Be­tei­lig­ter, ist re­gel­mä­ßig nicht ge­eig­net, die Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit zu be­grün­den. Das gilt selbst für ir­ri­ge An­sich­ten, so­lan­ge sie nicht will­kür­lich oder of­fen­sicht­lich un­halt­bar sind und damit An­halts­punk­te dafür bie­ten, dass der Ab­ge­lehn­te Ar­gu­men­ten nicht mehr zu­gäng­lich und damit nicht mehr un­vor­ein­ge­nom­men ist [2].

Ein Ableh­nungs­ge­such ist rechts­miss­bräuch­lich und daher unbe­acht­lich , wenn die Begrün­dung die­ses Gesuchs unter kei­nem denk­ba­ren Gesichts­punkt die Ableh­nung des Rich­ters recht­fer­ti­gen kann und mit der Art und Wei­se sei­ner Anbrin­gung ein geset­zes­wid­ri­ger und damit das Instru­ment der Rich­terab­leh­nung miss­brau­chen­der Ein­satz die­ses Rechts erkenn­bar wird [3].

Der hier in dem Ableh­nungs­ge­such vor­ge­brach­te Umstand, dass der genann­te Rich­ter aus­weis­lich des Pro­to­kolls über die münd­li­che Ver­hand­lung vom 28. April 2011 im Ver­fah­ren BVerwG 2 C 51.08 sich zu sei­ner Befug­nis, die Sit­zung als stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Senats zu lei­ten, auf den Beschluss des Prä­si­di­ums des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 28. Juni 2010 (und nicht auf den Geschäfts­ver­tei­lungs­plan des lau­fen­den Geschäfts­jah­res) beru­fen habe, ist im vor­ste­hen­den Sin­ne offen­sicht­lich unge­eig­net, eine Besorg­nis der Befan­gen­heit des Rich­ters zu begrün­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Novem­ber 2012 – 2 KSt 1.11

  1. vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 24.02.2009 – 1 BvR 182/​09, BVerfGK 15, 111; BVerwG, Ur­teil vom 05.12.1975 – 6 C 129.74, BVerw­GE 50, 36, 38 f. = Buch­holz 448.0 § 34 WPflG Nr. 48 S. 13, je­weils m.w.N.[]
  2. vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 20.07.2007 – 1 BvR 3084/​06, NJW-RR 2008, 72; BGH, Be­schluss vom 12.10.2011 – V ZR 8/​10, NJW-RR 2012, 61, je­weils m.w.N.[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 05.12.1975 – 6 C 129.74, BVerw­GE 50, 36, 38 = Buch­holz 448.0 § 34 WPflG Nr. 48 S. 12; Beschluss vom 24.01.1973 – 3 CB 123.71, Buch­holz 310 § 54 VwGO Nr. 13 S. 9 ff.; Meiss­ner, , in: Schoch/​Schneider/​Bier, VwGO, Stand: 23. Erg.Lfg. Janu­ar 2012, § 54 Rn. 62 f. m.w.N.[]