Das rechts­miss­bräuch­liche Be­fan­gen­heits­ge­such

Ein Be­fan­gen­heits­ge­such ist rechts­miss­bräuch­lich und daher un­be­acht­lich, wenn die Be­grün­dung des Ge­suchs unter kei­nem denk­ba­ren Ge­sichts­punkt die Ab­leh­nung des Rich­ters recht­fer­ti­gen kann und mit der Art und Weise der An­brin­gung ein ge­set­zes­wid­ri­ger und damit das In­stru­ment der Rich­terab­leh­nung miss­brau­chen­der Ein­satz die­ses Rechts er­kenn­bar wird.

Das rechts­miss­bräuch­liche Be­fan­gen­heits­ge­such

Wegen Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit kann ein Rich­ter ab­ge­lehnt wer­den, wenn ein Grund vor­liegt, der ge­eig­net ist, Miss­trau­en gegen seine Un­par­tei­lich­keit zu recht­fer­ti­gen (§ 54 Abs. 1 VwGO i.V.m. § 42 Abs. 2 ZPO). Es ge­nügt, wenn vom Stand­punkt der Be­tei­lig­ten aus ge­se­hen hin­rei­chen­de ob­jek­ti­ve Grün­de vor­lie­gen, die bei ver­nünf­ti­ger Wür­di­gung aller Um­stän­de An­lass geben, an sei­ner Un­par­tei­lich­keit zu zwei­feln. Die rein sub­jek­ti­ve Be­sorg­nis, für die bei Wür­di­gung der Tat­sa­chen ver­nünf­ti­ger­wei­se kein Grund er­sicht­lich ist, reicht da­ge­gen zur Ab­leh­nung nicht aus1. Dass ein Rich­ter bei der Wür­di­gung des ma­ß­geb­li­chen Sach­ver­halts oder des­sen recht­li­cher Be­ur­tei­lung eine an­de­re Rechts­auf­fas­sung ver­tritt als ein Be­tei­lig­ter, ist re­gel­mä­ßig nicht ge­eig­net, die Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit zu be­grün­den. Das gilt selbst für ir­ri­ge An­sich­ten, so­lan­ge sie nicht will­kür­lich oder of­fen­sicht­lich un­halt­bar sind und damit An­halts­punk­te dafür bie­ten, dass der Ab­ge­lehn­te Ar­gu­men­ten nicht mehr zu­gäng­lich und damit nicht mehr un­vor­ein­ge­nom­men ist2.

Ein Ablehnungsgesuch ist rechtsmissbräuchlich und daher unbeachtlich , wenn die Begründung dieses Gesuchs unter keinem denkbaren Gesichtspunkt die Ablehnung des Richters rechtfertigen kann und mit der Art und Weise seiner Anbringung ein gesetzeswidriger und damit das Instrument der Richterablehnung missbrauchender Einsatz dieses Rechts erkennbar wird3.

Der hier in dem Ablehnungsgesuch vorgebrachte Umstand, dass der genannte Richter ausweislich des Protokolls über die mündliche Verhandlung vom 28. April 2011 im Verfahren BVerwG 2 C 51.08 sich zu seiner Befugnis, die Sitzung als stellvertretender Vorsitzender des Senats zu leiten, auf den Beschluss des Präsidiums des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. Juni 2010 (und nicht auf den Geschäftsverteilungsplan des laufenden Geschäftsjahres) berufen habe, ist im vorstehenden Sinne offensichtlich ungeeignet, eine Besorgnis der Befangenheit des Richters zu begründen.

Bundesverwaltungsgericht, Beschluss vom 14. November 2012 – 2 KSt 1.11

  1. vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 24.02.2009 – 1 BvR 182/09, BVerfGK 15, 111; BVerwG, Ur­teil vom 05.12.1975 – 6 C 129.74, BVerwGE 50, 36, 38 f. = Buch­holz 448.0 § 34 WPflG Nr. 48 S. 13, je­weils m.w.N.[↩]
  2. vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 20.07.2007 – 1 BvR 3084/06, NJW-RR 2008, 72; BGH, Be­schluss vom 12.10.2011 – V ZR 8/10, NJW-RR 2012, 61, je­weils m.w.N.[↩]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 05.12.1975 – 6 C 129.74, BVerwGE 50, 36, 38 = Buchholz 448.0 § 34 WPflG Nr. 48 S. 12; Beschluss vom 24.01.1973 – 3 CB 123.71, Buchholz 310 § 54 VwGO Nr. 13 S. 9 ff.; Meissner, , in: Schoch/Schneider/Bier, VwGO, Stand: 23. Erg.Lfg. Januar 2012, § 54 Rn. 62 f. m.w.N.[↩]