Der Tod als Erle­di­gung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Dar­über, wel­che Fol­gen der Tod des Beschwer­de­füh­rers auf ein anhän­gi­ges Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren hat, ist gesetz­lich nichts bestimmt. Die Fra­ge lässt sich nur für den ein­zel­nen Fall unter Berück­sich­ti­gung der Art des ange­grif­fe­nen Hoheits­ak­tes und des Stan­des des Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­rens ent­schei­den [1].

Der Tod als Erle­di­gung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Eine Rechts­nach­fol­ge im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren kommt grund­sätz­lich nicht in Betracht, weil die­se Ver­fah­rens­art regel­mä­ßig der Durch­set­zung höchst­per­sön­li­cher Rech­te dient. Aus­nah­men sind im Hin­blick auf sol­che Rügen zuge­las­sen wor­den, die der Rechts­nach­fol­ger im eige­nen Inter­es­se gel­tend machen kann [2]. Ein sol­ches zur Fort­füh­rung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de berech­ti­gen­des Inter­es­se liegt bei dem Sohn der ver­stor­be­nen Beschwer­de­füh­re­rin nicht vor. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ver­folgt allein die Durch­set­zung höchst­per­sön­li­cher Rech­te der Ver­stor­be­nen.

Die Fort­füh­rung des Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­rens kann fer­ner aus­nahms­wei­se zuläs­sig sein, wenn die Sache all­ge­mei­ne bezie­hungs­wei­se grund­sätz­li­che ver­fas­sungs­recht­li­che Bedeu­tung hat, da die Ver­fas­sungs­be­schwer­de auch dazu dient, das objek­ti­ve Ver­fas­sungs­recht zu wah­ren, aus­zu­le­gen und fort­zu­bil­den [3].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 15. Okto­ber 2015 – 2 BvR 624/​12

  1. vgl. BVerfGE 6, 389, 442 f.; 12, 311, 315; 109, 279, 304; 124, 300, 318; BVerfGK 9, 62, 69[]
  2. vgl. BVerfGE 109, 279, 304; BVerfGK 9, 62, 70, jeweils m.w.N.[]
  3. BVerfGE 124, 300, 318[]