Der unbe­lehr­ba­re Beschwer­de­füh­rer – und die Miß­brauchs­ge­bühr

Ein Miss­brauch liegt unter ande­rem dann vor, wenn die Ver­fas­sungs­be­schwer­de offen­sicht­lich unzu­läs­sig und ihre Ein­le­gung von jedem Ein­sich­ti­gen als völ­lig aus­sichts­los ange­se­hen wer­den muss [1].

Der unbe­lehr­ba­re Beschwer­de­füh­rer – und die Miß­brauchs­ge­bühr

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss nicht hin­neh­men, dass es in der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben, näm­lich grund­sätz­li­che Ver­fas­sungs­fra­gen zu ent­schei­den und – wo nötig – die Grund­rech­te des Ein­zel­nen durch­zu­set­zen, durch für jeder­mann erkenn­bar aus­sichts­lo­se Ver­fas­sungs­be­schwer­den behin­dert wird und dadurch ande­ren Bür­gern den ihnen zukom­men­den Grund­rechts­schutz nur ver­zö­gert gewäh­ren kann [2].

Dies gilt ins­be­son­de­re in Fäl­len, in denen der Beschwer­de­füh­rer das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach Erschöp­fung des fach­ge­richt­li­chen Rechts­wegs ledig­lich als (wei­te­re) Rechts­mit­tel­in­stanz in Anspruch neh­men will, ohne sich auch nur ansatz­wei­se mit Fra­gen von ver­fas­sungs­recht­li­cher Rele­vanz zu befas­sen [3].

Im vor­lie­gen­den Fall ist die Beschwer­de­füh­re­rin bereits in einem frü­he­ren Ver­fah­ren [4] mit dem Ver­such geschei­tert, durch Erhe­bung einer offen­sicht­lich unzu­läs­si­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­de die Fort­set­zung eines Pro­zes­ses zu erwir­ken, den sie gegen den Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens geführt hat. Wenn sie nun­mehr noch ein­mal mit einem im Kern unver­än­der­ten ein­fach­recht­li­chen Vor­trag ohne hin­rei­chen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Sub­stanz ver­sucht, ein gegen den­sel­ben Mie­ter geführ­tes, rechts­kräf­tig zu des­sen Guns­ten abge­schlos­se­nes Kla­ge­ver­fah­ren durch Erhe­bung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de fort­zu­set­zen, so ist dar­in ein Miss­brauch des Beschwer­de­rechts zu sehen.

Da die Beschwer­de­füh­re­rin als grö­ße­res Wirt­schafts­un­ter­neh­men über hin­rei­chen­den eige­nen recht­li­chen Sach­ver­stand ver­fügt, konn­te sie selbst die offen­sicht­li­che Unzu­läs­sig­keit ihrer Ver­fas­sungs­be­schwer­de erken­nen und daher selbst mit der Miss­brauchs­ge­bühr belas­tet wer­den. Die Höhe der Miss­brauchs­ge­bühr (hier: 2.000 €) im obe­ren Bereich des gesetz­lich zuläs­si­gen Rah­mens trägt der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit der Beschwer­de­füh­re­rin und der Offen­sicht­lich­keit der miss­bräuch­li­chen Inan­spruch­nah­me des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts Rech­nung.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 2. April 2015 – 1 BvR 470/​15

  1. vgl. BVerfGK 6, 219; 10, 94, 97; 14, 468, 470; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGK 3, 219, 222; 6, 219 f.; 10, 94, 97[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 01.12 1999 – 1 BvR 1559/​99 2; Beschluss vom 12.09.2000 – 2 BvR 1466/​00, EuGRZ 2000, S. 493, S. 494[]
  4. BVerfG – 2 BvR 308/​12[]